16-Jähriger „Hacker“ festgenommen – doch nichts hat sich geändert

BildNach den von der Internet-Gruppe "Anonymous" initiierten DoS-Attacken auf Webseiten Wikileaks-feindlicher Konzerne wurde nun in den Niederlanden ein 16-jähriges Mitglied festgenommen, das offenbar für die Koordination der Angriffe zuständig war. Was wie ein großer Schlag gegen die Szene aussieht, ist in Wahrheit jedoch nur ein Schauprozess gegen eine Einzelperson – die dezentral organisierte Gruppe wird durch das resolute Vorgehen der Behörden eher aufgestachelt als geschwächt werden.

 

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Das Logo des Internetkollektivs symbolisiert dessen Vielfalt
Bild: Thoth, God of Knowledge / flickr

Die verschiedensten Medien berichten gierig von dem Geständnis und den sichergestellten Werkzeugen des "Hackers". Doch blickt man nur ein wenig tiefer unter die Oberfläche, stellt sich heraus, dass der vermeintliche kriminelle Bandenkopf nichts als ein durchschnittlicher Internetuser der Teenagergeneration ist: Die Behörden beschlagnahmten "mehrere Computer und USB-Sticks" – Werkzeuge, die wohl in jedem Haushalt zu finden sind.

Das "Geständnis", dass der junge Bursche abgelegt hatte, bestand darin, zur Internetgruppe Kontakt zu haben (was bereits durch einige wenige Posts auf beliebigen Websites geschehen kann und keinerlei kriminelle Aktivität erfordert). Auch gehörte ihm ein Server, über den ein Chat-Kanal lief: Darin trafen sich Mitglieder von Anonymous, um die "Operation: Payback" zu planen. Kurz gesagt: Die Verbrechen, die dieser Junge begangen hatte, könnten von jedem technikinteressierten Jugendlichen innerhalb nicht einmal eines Tages reproduziert werden.

Die Verhaftung schlug in der Gruppe wie eine Bombe ein – und die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: Die Website der niederländischen Polizei fiel, genau wie jene von Mastercard, Visa und Paypal, einem DDoS-Angriff zum Opfer. Im Gegensatz zu den Medien weltweit, die die Verhaftung des Jungen als großen Schritt im Info-Krieg betrachten, hat Paypal das Aktionspotential von Anonymous bereits erkannt und eingelenkt: Wikileaks hat das Paypal-Guthaben des gesperrten Wikileaks-Kontos (rund 10.000€) an die Organisation ausbezahlt.

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Indessen stellen sich jedoch größere soziale Netzwerke auf die Seite der Wikileaks-Gegner: Facebook löschte die Gruppe der "Operation: Payback", Twitter sperrte den Kanal "Anon_Operation" und zensuriert die Popularität der Schlagworte, die mit Wikileaks zu tun haben. Doch Anonymous lässt sich davon nicht aufhalten – geklonte Kanäle wie "Anon_Operationn" sind schließlich in Sekundenschnelle erstellt. Unterdessen werden auf Youtube neue Videobotschaften der Gruppe veröffentlicht, mittels derer Mitglieder rekrutiert werden sollen. 

 

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Ein Mitglied von Anonymous mit einem der Gruppenslogans
Foto: Dogwearsglasses / Wikimedia Commons

Durch die Verhaftung eines 16-Jährigen haben die Behörden das Handlungspotential des Internetkollektivs nicht im geringsten verringert – dafür wurde eine neue Runde im Cyber-Krieg eingeläutet. Welche Konsequenzen Anonymous nun dagegen zieht, ist fraglich – fortan werden sie neue Ausmaße annehmen, wie folgendes Zitat der Gruppe vermuten lässt:

"We Are Anonymous, We Are Legion And Divided By Zero. We Do Not Forgive Internet Censorship… And We Do Not Forget Free Speech. We Are Over 9000, Expect Us!"

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