Koralmbahn: Lebensader von Nordsee bis Adria

SemmeringbahnEs gebe Freunde des Südens und eben Gegner, sagte Kärntens Landeshauptmann Gerhard Dörfler in der ORF-Pressestunde, als er mit Pro- und Kontra-Argumenten zum Bau des Koralmtunnels konfrontiert wurde. Zu den Freunden des Südens zählt offenbar auch Verkehrsministerin Doris Bures, denn sie hat dem Projekt „Koralmtunnel“ grünes Licht gegeben.

Laut Bures werde der Koralmtunnel aber zwei Jahre später fertiggestellt als geplant (2022 statt 2020). Durch die Verzögerung leiste das Projekt nicht nur einen Beitrag zur Budgetkonsolidierung, sondern der Termin der Fertigstellung rücke damit näher mit dem vom Semmering-Basistunnel zusammen, der um ein Jahr vorgezogen werde. Dörfler wie auch ÖBB-Chef Christian Kern sagten, dass der „Point of no return“ beim Bau der Koralmbahn bereits längst überschritten sei und die bislang über eine Milliarde Euro sehr gut investiert seien. „Ganz Österreich und natürlich auch Kärnten benötigen die Koralmbahn als einen Teil der Baltisch-Adriatischen-Achse, um zukünftig neue Verkehrsverbindungen aus dem baltischen Raum bis zu den Adria-Häfen zu gewährleisten und damit neue wirtschaftliche Geschäftsfelder zu erschließen“, betont der Kärntner Landeshauptmann.

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Fünf Staaten für Jahrhundertprojekt

Gerhard Dörfler

Gerhard Dörfler

Gerhard Dörfler wirbt in der EU um Unterstützung.
Foto: fritzpress

Um das Bundesbudget hinsichtlich der Finanzierung des Baus der Koralmbahn zu entlasten, betreibt Dörfler auch auf der europäischen Ebene intensives Lobbying in Brüssel. Wird die Koralmbahn nämlich als Teil der Baltisch-Adriatischen-Achse in das prioritäre Verkehrsnetzwerk TEN aufgenommen, fließen hunderte Millionen Euro an Förderung in das Jahrhundertprojekt. Mit Polen, Tschechien, Slowakei und Italien, die an der Verkehrsverbindung zwischen Danzig und Bologna beteiligt sind, stünden zudem fünf Staaten (inkl. Österreich) hinter diesem Vorhaben.

Vorleistung von Italien mit 3 Milliarden Euro

Italien hat mit einem Kostenaufwand von ca. drei Millarden Euro bereits eine Vorleistung für diese Achse geleistet. Die Italiener bauten die Strecke Udine-Tarvis (90 km, fast 50 Prozent davon Tunnel) als Hochleistungsbahn für Personen- und Güterverkehr aus. Inbetriebnahme war 2001. Ohne die Fortsetzung dieser „Pontebbana“ auf österreichischem Gebiet wäre die Investition Italiens sinnlos. Im EU-Beitrittsvertrag von 1995 musste sich Österreich daher verpflichten, zielführende Maßnahmen zu setzen, die den italienischen Interessen entsprechen: Und das ist der Bau einer Hochleistungsbahn für Mischverkehr.

Semmeringbahn

Semmeringbahn

Die Fahrt über den Semmering bremst Güter- und Personenzüge.
Foto: Roland Peschetz / flickr

Die für Österreich und Italien optimale Lösung für Güter- und Personenverkehr ist die Trasse Wien-Graz-Klagenfurt-Villach mit Semmering- und Koralmtunnel. Durch attraktive Reisezeiten wird der Personenverkehr Österreich-Italien wieder aufleben. Die Kapazität des Güterverkehrs wird erhöht, seine Energiekosten sinken.

Verträge müssen eingehalten werden

Die Koralmbahn Graz-Klagenfurt als Teil der neuen Südbahn ist bereits in Bau. Im Dezember dieses Jahres ging auf einem Teilstück die S-Bahn zwischen Deutschlandsberg und Graz in Betrieb, die Fahrzeit konnte von 50 auf 25 Minuten reduziert werden. Basis des Ausbaus der Koralmbahn ist ein zivilrechtlicher Vertrag zwischen Bund, ÖBB, Steiermark und Kärnten vom 15. Dezember 2004 mit der Verpflichtung, „…die verkehrswirksame Durchbindung der Koralmbahn im vertragsgegenständlichen Umfang bis zum Jahr 2018 sicherzustellen…“

Die Länder Steiermark und Kärnten zahlen für die Koralmbahn zusammen einen Betrag von 280 Millionen Euro. Kennt man all diese Hintergründe, kann nicht mehr davon gesprochen werden, wer nun ein Freund oder ein Gegner des Südens ist, wie Landeshauptmann Dörfler formulierte. Hier geht es um die Einhaltung von Verträgen. 

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