Die Sezession South Carolinas – Auftakt zum Amerikanischen Bürgerkrieg

CSA KriegsfahneNach einem Beschluss vom 20. Dezember 1860 erklärte South Carolina am 22. Dezember den Austritt aus der Union der Vereinigten Staaten von Amerika. Dies war der Auftakt zur Sezession, der bis zum 1. Februar 1861 sechs weitere Bundesstaaten folgten. Am 4. Februar schlossen sich diese Staaten zu den Konföderierten Staaten von Amerika – den sogenannten Südstaaten zusammen.

Im April brach der Bürgerkrieg aus, der vier Jahre später mit der totalen Niederlage des Südens und der Wiederherstellung der Union endete. Eine aktuelle Betrachtung der militärischen Auseinandersetzung bietet das Buch "Der Amerikanische Bürgerkrieg" von John Keegan.

Doch noch lange danach verlief durch die USA eine unsichtbare Trennlinie, und teilweise sind die Unterschiede bis heute erkennbar. Der Sieg der Nordstaaten machten den Weg frei für den weiteren Aufstieg der USA zur Weltmacht. Der Amerikanische Bürgerkrieg war zudem der erste moderne Krieg und nahm viele militärische Entwicklungen des 20. Jahrhunderts vorweg.

Die Dominanz des Süden schwindet

Während der ersten Jahrzehnte nach der amerikanischen Unabhängigkeit dominierte der Süden klar die Politik der USA, von den ersten fünf Präsidenten (1789 – 1825) stammten vier aus den Südstaaten. Die Südstaaten waren nicht nur flächenmäßig wesentlich größer als der Norden sondern auch wirtschaftlich potenter. Ab Beginn der 1820er Jahre begann diese Dominanz wegen mehrerer Faktoren jedoch zusehends zu schwinden. Bedingt durch Zuwanderung und hohe Geburtenraten der Zuwanderer stieg die Bevölkerung des Nordens wesentlich stärker als die des Südens an. 1861 standen neun Millionen Einwohner im Süden, davon knapp vier Millionen Sklaven, ungefähr 21 Millionen im Norden gegenüber. Auch setzte im Norden verstärkt die Industrialisierung ein, während der Süden stark agrarisch geprägt blieb – dies sollte sich erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu ändern.

CSA Kriegsfahne

CSA Kriegsfahne

Kriegsfahne der Konföderierten Staaten von Amerika
Foto: PSIplus / Wikimedia

Die große Expansion der USA in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts veränderte das Bild der Union immer mehr. Bereits 1803 hatte sich das Staatsgebiet der USA mit dem Ankauf der französischen Kolonie Louisiana, einem Gebiet vom Golf von Mexiko bis nach Kanada, verdoppelt. Unter der Präsidentschaft von James Monroe (1817 – 1825) traten sechs neue Bundesstaaten der Union bei. Als Folge des Mexikanisch- Amerikanischen Krieges konnten die USA ihr Territorium abermals erheblich erweitern, insbesondere um Texas und Kalifornien. Diese gigantischen Gebietsgewinne führten allerdings vermehrt zu Spannungen innerhalb der Union, bei denen vor allem die Frage der Sklaverei eine wichtige Rolle spielte.

Die Frage der Sklaverei in den USA

Vor der Unabhängigkeit der USA war die Sklavenhaltung auch in den späteren Nordstaaten weit verbreitet, was sich auch mit der Revolution zunächst nicht änderte. Ab 1777 begannen die einzelnen Bundesstaaten des Nordens aber sukzessive die Sklaverei abzuschaffen. Anfangs geschah dies vor allem in Staaten, in denen Sklaven für die Wirtschaft kaum eine Rolle spielten. Vermont hob die Sklaverei zuerst auf, in Illinois wurde sie erst 1848 abgeschafft. Begünstigt wurde dies neben wirtschaftlichen Erwägungen durch die Antisklavereibewegung, die die Sklavenhaltung aus moralischen Gründen ablehnte. Von Gleichberechtigung der Schwarzen war aber in den Nordstaaten keine Rede. In viele Staaten, in denen Sklaverei verboten war, waren Gesetze in Kraft, die einen Zuzug von Schwarzen verhindern sollten oder ihre bürgerlichen Rechts stark einschränkte. Im Süden stieg trotz eines Einfuhrverbots im Jahr 1808 die Zahl schwarzer Sklaven stark an. Für die zunehmende Plantagewirtschaft – den großflächigen Anbau von Baumwolle, Tabak und Zuckerrohr – waren die Sklaven von großer Bedeutung.

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Der Besitz an Sklaven, die einen hohen Wert darstellten, war dabei sowohl regional als auch sozial stark unterschiedlich verteilt. Die Mehrheit der Südstaatler besaß keine oder sehr wenige Sklaven, nur etwa 50 000 Großgrundbesitzer im Süden hatten mehr als zwanzig Sklaven im Eigentum.
Die Sklavenfrage spielte bei der Erweiterung der USA nach Westen und Süden eine bedeutende Rolle. Bei der Aufnahme neuer Bundesstaaten wurde von Nord und Süd peinlich genau darauf geachtet, dass sich die Stimmverhältnisse nicht zugunsten einer Seite veränderte. Dies führte dazu, dass immer ein Sklavenhalterstaat und ein sklavenfreier Staat gemeinsam aufgenommen wurden – zuletzt Texas und Kalifornien. Außerdem wurden mehrere Kompromisse geschlossen, um einen Ausgleich zu erzielen.

Der Weg zur Sezession

Die Gegensätze zwischen Nord und Süd spitzten sich in den 1850er Jahren immer weiter zu. Neben der Sklavenfrage waren vor allem wirtschaftliche Gegensätze sowie Auffassungsunterschiede über die Kompetenzen der Bundesstaaten Konfliktfelder. Der Süden war als Produzent von Agrarprodukten stark am Freihandel interessiert, um seine Baumwolle und andere Produkte im Ausland absetzen und dafür Fertigwaren einkaufen zu können. Der Norden strebte dagegen den Schutz seiner aufstrebenden Industrie durch Schutzzölle an und wollte dazu auch den Süden als Absatzmarkt von ausländischen Produkten abschirmen. Außerdem befürchteten die Südstaaten nicht ganz unberechtigt, der Norden wolle die Macht der Bundesstaaten zugunsten der Union schmälern. Dazu verstärkten sich die gesellschaftlichen Gegensätze zwischen den aufstebenden Handwerkern und Bürgern im Norden und der aristokratischen Pflanzerelite im Süden zusehends.

Immer wieder war in den Jahren zwischen 1840 und 1860 die Sezession von einem der beiden Landesteile gefordert worden, von Nordstaatlern zuletzt nach dem Krieg gegen Mexiko. Als 1860 Abraham Lincoln zum Präsidenten gewählt wurde, sahen viele Vertreter des Südens die Zeit zur Abspaltung gekommen.

Lincoln

Lincoln

Abraham Lincoln (links) mit General George McClellan, 1862
Foto: Mark Sweep / Wikimedia

Lincoln war ein Gegner der Sklaverei und Vertreter ein starken Union. Wie die meisten politischen Vertreter des Nordens wollte er die Abschaffung der Sklaverei allerdings nicht mit einem Schlag erreichen; er hoffte, sie würde über einen längeren Zeitraum zurückgedrängt werden und schließlich ganz verschwinden. Angesichts der unüberbrückbaren Gegensätze war aber schon vor seiner Wahl der Zusammenhalt der Union höchst gefährdet.

Der Bürgerkrieg

Die neu entstandenen Konföderierten Staaten verlangten nach ihrer Abspaltung den Abzug aller Bundestruppen aus ihren Territorien, was Lincoln verweigerte. Mit dem Beschuss des Bundesstützpunktes Fort Sumter durch konföderierte Truppen brach am 12. April 1861 der Bürgerkrieg aus. Obwohl sich dem Süden noch weitere fünf Staaten anschlossen, hatten die Konföderierten Staaten wenig Aussichten auf einen Sieg gegen den Norden, solange dieser sich entsprechend entschlossen zeigte. Die Bevölkerung des Nordens war, lässt man die Sklaven des Südens außer Acht, viermal so groß wie des Südens. Alle wichtigen Industrieregionen befanden sich im Norden, über eine eigene Marine verfügte der Süden praktisch nicht. Dass die konföderierten Armeen vier Jahre lang Widerstand leisteten, zeugt von ihrer hohen Motivation sowie der anfänglichen Überlegenheit ihrer militärischen Führer.

Zu Ausbruch des Krieges standen sich praktisch zwei Gegner ohne organisierte Armeen gegenüber, diese mussten im ersten Kriegsjahr aufgestellt werden. Um den Süden mit möglichst geringen Verlusten auf beiden Seiten niederzuringen, ersann der Unionsgeneral Winfield Scott den Anakondaplan. Scott, der nicht von einem schnellen Sieg ausging, wollte den Süden durch eine Blockade von See und im Mississippital abwürgen und so zur Kapitulation zwingen. Die ersten Siege des Südens bei Bull Run und Manassas gaben Scott in seiner Annahme eines längeren Krieges recht.
Während am östlichen Kriegsschauplatz der konföderierte General Robert E. Lee bei permanenter zahlenmäßiger Unterlegenheit immer wieder Siege erringen konnte, entwickelte sich die Lage im Westen ab Beginn des Jahres 1862 zunehmend schlechter für die Konföderation.

Lee

Lee

General Robert E. Lee
Foto: Julian Vannerson / Wikimedia

Nach dem Fall von New Orleans im Süden und des Forts Henry im Norden war der Weg ins Mississippital für die Unionsarmeen frei. Bis zum Frühjahr 1863 hatten sie unter ihrem Kommandeur Ulysses S. Grant das ganze Tal bis auf die Festung Vicksburg eingenommen.
Nachdem Lees Vormarsch in den Norden bei Gettysburg im Sommer 1863 zurückgeschlagen und gleichzeitig Vicksburg erobert worden war, wurde die Lage für Konföderation immer schwieriger. Dazu wirkte sich die Seeblockade der Nordstaaten zunehmend verheerender auf die Wirtschaft und den Nachschub für die Südstaaten aus.

Moderner Krieg

Der amerikanische Bürgerkrieg zeigte mit zunehmenden Verlauf immer mehr Merkmale eines modernen Krieges. Die große Bedeutung der Eisenbahn und anderer technischer Hilfsmittel verwiesen ebenso auf das 20. Jahrhundert wie die Erkenntnis, dass ein Krieg dieser Art nicht mehr in einer Entscheidungsschlacht gewonnen werden konnte. Es war kaum mehr möglich einen gut verschanzten Gegner ohne massive eigene Verluste aus seiner Stellung zu werfen – eine Erfahrung, die die Europäer im Ersten Weltkrieg nachholten.
Auch der Zug des Unionsgenerals William T. Sherman zum Meer war ein Vorgeschmack auf die bevorstehenden Schrecken moderner Kriegsführung.

Sherman

Sherman

General William T. Sherman
Foto: Kalki / Wikimedia

Shermans Ziel war weniger die Zerschlagung feindlicher Armeen als der Angriff auf die zivile Infrastruktur der Südstaaten. Durch eine breite Schneise der Zerstörung wollte er den Widerstandswillen der Bevölkerung brechen. Sherman wurde damit zum Wegbereiter des totalen Krieges.

Lebt der Süden weiter?

Als die konföderierten Armeen 1861 kapitulierten, waren sie völlig am Ende ihrer Kräfte, der Großteil des Südens war verwüstet. Der Süden wurde von Truppen aus dem Norden besetzt und nach anfänglich schonender Behandlung durch Präsident Andrew Jackson, Lincolns Nachfolger, größtenteils unter Militärverwaltung gestellt. Die 1863 proklamierte Sklavenbefreiung wurde durchgesetzt und die politische Macht ging in die Hände von Nordstaatlern – verächtlich als Carpetbegger bezeichnet – über. Erst 1877 wurden die letzten Soldaten aus dem Süden abgezogen, die Phase der "Reconstruction" war damit vorüber.

Sehr schnell konnten sich die alten Eliten des Südens danach wieder etablieren und ihre Macht festigen. Erst in den 1960er Jahren kam es im Zuge der Bürgerrechtsbewegung erneut zu großen Umbrüchen im Süden. Gleichzeitig mit dem Niedergang der großen Industrieregionen im Norden ab Anfang der 1980er Jahre entwickelten sich im Süden neue wirtschaftliche Zentren. Atlanta, im Bürgerkrieg von Sherman völlig zerstört, ist eine der dynamischsten Wirtschaftsmetropolen der USA.

Atlanta

Atlanta

Skyline von Atlanta, Gerogia
Foto: Daniel Mayer / Wikimedia

Bis heute hat sich im Süden ein eigenes Selbstbewusstsein erhalten, das an eine verklärte Sicht auf die alten Südstaaten anknüpft, Generäle des Südens wie Robert Lee oder Stonewall Jackson gelten weiterhin als Nationalhelden. Aller Romantik zum Trotz ging der alte Süden aber 1865 unter.

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