Regierungs-(Des-)Information II: Karl-Inserate im TV-Programm

MINTDie Regierung macht keine Werbung – nein: Sie informiert die Bevölkerung über wichtige Dinge, wissen wir jetzt von Finanzminister Pröll, der eine Frage zu den Werbekosten seines Ressorts daher gar nicht beantwortete – glatte Themenverfehlung! Schauen wir uns daher die „Informationskampagnen“ unserer Damen und Herren Minister etwas näher an. Ganz frisch in den eher unaktuellen Tageszeitungen: die MINT-Kampagne von Wissenschaftsministerin Beatrix Karl.

Kein Massenstudium, und dennoch immer voll

MINT-Kampagne

MINT-Kampagne

Hoher Informationsgehalt: Karl vor mintfarbiger Wand.
Foto: Mario Valorzi

Wenn Josef Pröll Information sagt, dann ist eher von gezielter Desinformation auszugehen, wie sein Sechs-Minuten-Budget in Videoform bestätigt. Bei seiner Parteikollegin Beatrix Karl ist das nicht viel anders: Aus ihrer Werbe-, pardon: Informationskampagne für die Studienrichtungen aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik erfährt man, dass man in diesen Bereichen kein Massenstudium wähle. „Und das bedeutet: Platz in den Hörsälen und Labors, und die Chance unter guten Rahmenbedingungen studieren zu können.“

Spätestens hier wird’s bedenklich, sagt FPÖ-Technologiesprecher Gerhard Deimek, denn: „In Wirklichkeit platzen gerade auch in den beworben Fächern viele Hörsäle und speziell Labors aus allen Nähten, was regelmäßig zu unverschuldeten Studienverzögerungen führt.“ Karls Behauptungen könnte man glatt als Desinformation bezeichnen. Klar Information ist hingegen, dass die Ministerin selbst mit einem hübschen Foto die Besucher der Webseite begrüßt, weil sie sich vor einem mintfarbenen Hintergrund einfach so gut macht. Und dass sich unter den „Testimonials“ für die Aktion mit Christoph Leitl (WKÖ-Präsident), Therese Mitterbauer (Junge Industrie), Jochen Pildner-Steinburg (Industriellenvereinigung), Claus Raidl (Böhler-Uddeholm) und Veit Sorger (Industriellenvereinigung) gleich fünf befinden, denen man eine gewisse Nähe zur Partei der Wissenschaftsministerin nachsagen könnte, ist einfach ein Ausfluss dessen, dass man sich um besonders gute WerbeInformationsträger bemühte, die eben konzentriert in dieser Partei zu finden sind.

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Medien-Information am liebsten von den Grünen

Angesichts dieser Qualität der Information darf man sich über die Qualität der Information über die Information auch nicht mehr wundern. Unzensuriert.at berichtete als erstes Medium bereits am 13. Dezember, dass die MINT-Kampagne von Beatrix Karl rund eine halbe Million Euro verschlungen hat. FPÖ-Technologiesprecher Gerhard Deimek setzte am 14. Dezember mit einer Presseaussendung nach – freilich ohne Wiederhall. Zwei Wochen später berichten plötzlich Standard, OÖ Nachrichten und Tiroler Tageszeitung relativ gleichlautend über diesen Umstand. Der Grund: Die Austria Presseagentur war auf das Thema gestoßen, weil eine diesbezügliche Anfrage der bei den Medien recht beliebten Grünen beantwortet wurde. Die Unzensuriert-Informationen werden dadurch freilich nur bestätigt.

MINT als "Chance für den indiviuellen Lebensweg"

Immerhin wissen wir jetzt zusätzlich, dass der Online-Standard, das Fernsehmagazin Tele (offenbar eine besonders beliebte Informationsquelle angehender Studenten) sowie die Infoscreens in den Wiener U-Bahnen die größten Stücke vom finanziellen Kuchen bekamen – und, dass die Aktion selbstverständlich wiederholt wird, weil sie bis dato leider zu sinkenden und nicht zu steigenden Studentenzahlen führte. Aber auch darauf weiß die gewiefte Informations-Politikerin eine Antwort. Karl betont nämlich, dass es gar nicht Ziel der MINT-Initiative sei, "die Studienwahl junger Menschen zu beeinflussen, sondern sie auf die Chancen und Möglichkeiten hinzuweisen, die durch ein MINT-Studium für den individuellen Lebensweg gegeben sind". Das ist wohl so wie der Unterschied zwischen Werbung und Information, den wir zugegebenermaßen auch noch nicht ganz verstanden haben.

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