Auf der Todesliste der Al-Kaida – Interview

15 koptische Christen, die in Österreich leben, will eine islamistische Terrorgruppe aus dem Irak tot sehen. Der Foto-Journalist W. T. (Name auf seinen Wunsch abgekürzt) hat sich und seine Freunde im Internet auf der Todesliste entdeckt. Der Verfassungsschutz nimmt die Drohung sehr ernst, steckt dahinter doch jene Gruppe, auf deren Konto ein blutiger Anschlag auf eine Kirche in Bagdad und das jüngste Selbstmordattentat in Stockholm geht. Motiv ist grenzenloser Hass auf alle Nicht-Muslime. Im Unzensuriert-Interview schildert W. T., wie er mit der Bedrohung umgeht und warum er sich keine Angst einjagen lassen will. Die Muslime in Österreich nimmt er in Schutz.

Sie sind eines von 15 Mitgliedern der koptischen Gemeinde in Österreich, das mit einer Todesdrohung einer Webseite aus dem Al-Kaida-Netzwerk konfrontiert ist? Wie haben sie davon erfahren?
W. T.: Ich recherchiere im Internet sehr viel auf arabischsprachigen Webseiten, weil ich viele Artikel auf Arabisch schreibe. Dabei stoße ich auf einmal auf die Seite von Shamikh, das ist eine islamistische Terror-Fanatikerseite. Dort finde ich eine Liste, eine Todesliste von Al-Kaida. Darauf waren 120 Namen von allen koptischen Aktivisten auf der Welt. Als ich genauer geschaut habe, habe ich auch meinen eigenen Namen gefunden.

Wie haben Sie reagiert?
W. T.: Im ersten Moment war ich schockiert, meinen Namen zu sehen, dann habe ich weiter gelesen, es war ein Wahnsinn, da waren auch meine besten Freunde und Bekannten dabei. Ich habe die Homepage ganz genau weiter gelesen, die Reaktionen, die Kommentare und die anderen Beiträge, habe sie gespeichert und gedruckt und versucht, meine besten Freunde, deren Namen auch auf der Liste stehen, zu kontaktieren. Es ist meine moralische Pflicht, dass diese Leute das sofort wissen. Und auf der anderen Seite habe ich sofort den Verfassungsschutz kontaktiert.

Wie ist der Verfassungsschutz damit umgegangen?
W. T.: Sie haben die Sache sehr ernst genommen. Ich habe den Verfassungsschutz seither zweimal getroffen und ein Treffen mit allen Bedrohten in Wien organisiert. Sie haben uns viele Tipps gegeben, wie man die Sicherheit erhöht.

Wurde Ihnen auch Personenschutz angeboten?
W. T.: Nein, der wurde nicht angeboten. Wir haben danach aber auch nicht verlangt.

Wie gehen Sie persönlich mit der Bedrohungssituation um?
W. T.: Ich nehme die Sache sehr ernst, weil ich weiß ganz genau, wie gefährlich die Gruppe ist. Aber ich habe selber keine Angst, weil ich glaube, sie versuchen uns Angst zu machen. Ich bin ein bisschen besorgt, aber Angst habe ich nicht. Ich werde weitermachen, werde weiter für Gerechtigkeit und für mehr Rechte für die Kopten in Ägypten und gegen ihre Diskriminierung und Unterdrückung in der ägyptischen Gesellschaft kämpfen.

Die Verfolgung der Christen in Ägypten wie auch in vielen anderen Ländern mit islamischer Mehrheitsbevölkerung geht von den Muslimen aus. In Österreich leben immer mehr Muslime. Geht auch von ihnen Gefahr aus?
W. T.: Nein, von den hier lebenden glaube ich nicht. Aber weil die Grenzen offen sind, ist die Gefahr groß. Von denen, die hier seit langem leben, erwarte ich das nicht, wir haben fast durchwegs gute Beziehungen.

In Ägypten wird die Gewalt gegen koptische Christen sehr stark von der Muslimbruderschaft vorangetrieben, einer radikalen Männervereinigung. Wie stark schätzen sie den Einfluss dieser Muslimbruderschaft in Österreich und Europa ein.
W. T.: Die Muslimbruderschaft ist eine internationale Organisation, aber sie ist in Ägypten gegründet worden. Sie haben dort die Macht, sie haben viel Geld, und sie vernetzen sich weltweit sehr gut. Ich sehe sie auch als große Gefahr. 

Glauben sie, dass solche Leute hinter den radikalen Gruppen stehen, die dann Todesdrohungen ausstoßen
W. T.: Diese Webseite ist von Al-Kaida im Irak. Ich glaube, Al-Kaida ist eine Organisation, wo sich jede kleine Teilorganisation erst auf diesem Terrorismus-Markt bestätigen muss, aber es gibt ein Ziel und eine eigene Ideologie von allen Gruppen. Sie sind gegen die Andersgläubigen. Das ist das gemeinsame Ziel aller Gruppen, und durch das Angstmachen wollen sie diese Macht bekommen

Solche Todeslisten und Mordaufrufe tragen dazu bei, Menschen innerhalb der muslimischen Gemeinde zu radikalisieren, die dann gemeinsame Feinde erkennen. Sollte die offizielle Seite des Islam in Österreich da mäßigend eingreifen und zum Beispiel Präsident Schakfeh Stellung beziehen, wenn Menschen in Österreich von radikalen Muslimen bedroht werden?
W. T.: Was er sagen will, soll er sagen. Ich habe dazu keine Kommentare abzugeben.

Lesen Sie weiter: Wie sich W. T. für die Kopten in Ägypten einsetzt und was er von Österreich im Kampf gegen die Christenverfolgung erwartet.

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