Türken überschätzen die Schulleistungen ihre Kinder

Türkische SchülerEine solche Fehleinschätzung findet man nicht alle Tage. Türkische Eltern streben für ihre Sprösslinge einen höheren Abschluss an als einheimische Eltern. Anwalt oder Arzt sind die am häufigsten genannten Berufswünsche für die Kleinsten. Zugleich liegen aber die Leistungen und Kompetenzen der eigenen Kinder deutlich unter dem Durchschnitt.

Eine noch unveröffentlichte Studie der Universität Bamberg zeigt, dass Türken zu übertriebenen Erwartungen ans deutsche Bildungssystem neigen. Bei 2.000 hessischen und bayerischen Schülern wurden Kompetenztests und qualitative sowie quantitative Interviews mit den Eltern durchgeführt – mit kuriosem Ergebnis. Vor allem wenig gebildete türkische Zuwanderer wünschen sich, dass ihre Kinder ein Studium absolvieren. Und sie sind schneller als andere Eltern davon überzeugt, dass ihre Kinder das Abitur schaffen und generell Freude am Lernen haben. Dennoch verlassen die Kinder die Schule überdurchschnittlich nach der Hauptschule oder ganz ohne Abschluss. Aktuelle PISA-Testergebnisse zeigen, dass Kinder türkischer Zuwanderer beim Lesen einen Rückstand von mehr als zwei Schuljahren vorweisen.

Kinder sollen Ziele der Eltern erreichen

Türkische Schüler

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Türkische Eltern bewerten die schulische Leistung ihrer Sprösslinge falsch.
Foto: Sameer Vasta / flickr

Woran die Fehleinschätzung liegt? Migranten haben eine höhere Erwartung in die Bildung ihrer Kinder. Sie sollen jene Ziele nachholen, die sie selbst nicht erreichen konnten. Der ehrgeizige Wille zum sozialen Aufstieg war nämlich oft auch der Grund ihrer Einwanderung. Die Wissenschaftler sprechen von einem so genannten „Immigrant Optimism“. Besonders die erste Zuwanderergeneration, meist Arbeiter, überträgt den Ehrgeiz auf die nächste Generation. „Eigene unerreichte Bildungs- und Berufsziele sollen somit über die Kinder nachgeholt werden“, heißt es in der Studie.

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Des weiteren überschätzen Zuwanderer das deutsche Bildungssystem und halten häufig allein das Abitur für ausreichend. Sie gehen davon aus, dass die Schulen ihren Kindern gute Möglichkeiten geben, einen hohen Abschluss zu erreichen. Die geringen Kenntnisse über die Gerechtigkeit des Schulsystems sorgen in der Realität dann für Diskrepanzen. Und auch die Leistungen ihrer Sprösslinge können sie mangels eigener Erfahrung nur sehr schlecht einschätzen, heißt es in der Bamberger Studie. „Migranten nehmen die Selektionsmechanismen in Form von Schulnoten und ihre eingeschränkte Wahlfreiheit beim Übertritt in die weiterführenden Schulformen weniger wahr als einheimische Eltern“, urteilen die Wissenschaftler.

Eigene Informationskanäle für Migranten geplant

Nun wollen die Kultusminister der Bundesländer verstärkt Migranten für die Lehrer-Laufbahn gewinnen und auf diese Weise für mehr positive Vorbilder in den Klassenzimmern sorgen. Pädagogen werden auch angehalten, türkische Eltern zu Hause zu besuchen, weil diese nicht zu regelmäßigen Informationsabenden in die Schulen kämen. Türkische Einwanderer will man jetzt auch besser über das deutsche Schulsystem informieren. Besonders Imame und Vertreter türkischer Organisationen könnten dabei in Zukunft eine große Rolle spielen und mehr Einfluss in die Bildungspolitik bekommen, heißt es

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