ÖVP-Papier: So klein und schon ein Bildungskonzept

HauptschuleDie ÖVP hat heute ihr oft und lange angekündigtes Bildungspapier präsentiert. Die Medien verkaufen die Bereitschaft, alle Hauptschulen in „Neue Mittelschulen“ umzuwandeln, als großen Meilenstein. In Wahrheit ist das für als Vision für die österreichische Bildungspolitik doch ein recht dürre Sache.

Hauptschule

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ÖVP-Bildungskonzept: Aus für die Hauptschule, Gymnasium soll bleiben.
Foto: pilot_micha / flickr

Die Neue Mittelschule soll, geht es nach Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ), der Ersatz für Hauptschule und Unterstufe des Gymnasiums werden – die von den Sozialisten seit jeher geforderte Gesamtschule also. Die ÖVP geht nun zwar von der 10-Prozent-Beschränkung für diesen Schultyp ab, beharrt jedoch darauf, dass die NMS nur die Hauptschule ersetzen soll, nicht aber das Gymnasium. Damit würde sich gegenüber den aktuellen Zustand kaum etwas ändern außer dem Namen der Schule. Dass es im Kindergarten Sprachstandsfeststellungen geben muss und in der Volksschule eine verpflichtende Sprachförderung für jene Kinder, die nicht ausreichend Deutsch können, sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Dem Regierungspartner SPÖ muss man es offenbar dennoch ausrichten.

Was heute als bahnbrechend verkauft wird, nämlich dass die NMS mit einer mittleren Reife endet und diese auch in der Gymnasiums-Unterstufe abgelegt werden muss, um sich für eine weitere Schulkarriere zu qualifizieren, die zur Matura führt, ist an sich eine Selbstverständlichkeit. Schon jetzt haben leistungsstarke Hauptschulabgänger die Möglichkeit, in eine zur Matura führende Schule zu wechseln – etwa in ein BORG oder in eine BHS. Und schon jetzt verlassen leistungsschwache Gymnasiasten nach der Unterstufe den Weg zur Matura, beginnen eine Lehre oder besuchen eine Fachschule.

 

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Walter Rosenkranz (FPÖ): "Nicht jeder in der NMS kann die Matura ablegen!"
Foto: Parlamentsdirektion / Mike Ranz

Positiv reagiert FPÖ-Bildungssprecher Walter Rosenkranz auf das ÖVP-Papier – weniger wegen des schmalen Inhalts, sondern wegen der Grundsatzentscheidung, weiterhin eine Leistungsdifferenzierung für 10- bis 14jährige zuzulassen. Der neue Name für die Hauptschulen stört den Freiheitlichen nicht: „Vor allem in Wien hat die SPÖ den Ruf der Hauptschulen derart ruiniert, dass das unumgänglich war.“ Rosenkranz warnt jedoch davor, falsche Hoffnungen zu wecken: „Es muss klar sein, dass sich jeder in der Neuen Mittelschule auf eine Matura zusteuert. Es muss daher auch schon vorbereitende Elemente für künftige Facharbeiter im Lehrplan enthalten sein.“

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Kräftig mitgemischt bei dem Positionspapier hat Wissenschaftsministerin Beatrix Karl. Mit ihrem Wunsch, alle 10- bis 14jährigen in einen einheitlichen Schultyp zu stecken, hat sie sich jedoch nicht durchgesetzt. Und in jenem Bereich, wo sich langsam Karl Zuständigkeit ergibt, fehlt jeder Ansatz, nämlich in der Oberstufe. Dort könnte man durch eine Reform und eine Vorauswahl der späteren Studiums auch hochschulpolitische Akzente setzen. Karl scheint sich darum nicht zu kümmern und mit Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen ihr Allheilmittel gefunden zu haben. Das Bildungskonzept der ÖVP endet somit bei den 14jährigen.

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