Verblödungsfernsehen wirbt mit Neger-Spruch

Die Zurschaustellung von (Unter-)Durchschnittlichkeiten bestimmt die Programme eines Großteils der Fernsehsender, zumindest der privaten und in Österreich auch des öffentlich-rechtlichen. Die Konkurrenz auf diesem Gebiet ist mittlerweile so groß, dass nur Skandale die Quoten retten können. Puls 4 probiert es mit dem genüsslichen Ausweiden eines „Neger-Spruchs“, den der Blätterwald mit Rassismus-Geheule sofort brav transportiert, damit beim nächsten Mal auch wirklich jeder bei „Austria’s Next Topmodel“ einschaltet.

Die Geschichte ist recht unspektakulär: Eines der Möchtegern-Models, von denen man eigentlich gar nicht so genau wissen will, wie die ausgewählt werden, hat eine Konkurrentin als „Neger-Oide“ und eine weitere als „Deitsche“ (huch!) bezeichnet. Während man ihr im zweiten Fall nur die Verwendung des in der Model-Brache sicher recht verpönten Dialekts vorwerfen kann, geht ersteres natürlich gar nicht. Oide für ein 17jähriges Mädchen ist völlig unpassend, und statt Negerin hätte man sagen müssen. ja wie jetzt eigentlich? Schwarzafrikanerin (Kronen Zeitung), nigerianisch-stämmige Kandidatin (Kurier), etwas dunklere (Standard) bzw. schwarze Lydia (Presse) oder einfach nur Wienerin (News)?

Die inszenierte Aufregung wird dem Zielpublikum gerecht. Wer im Fernsehen freiwillig stundenlang Model-Castings über sich ergehen lässt, ist wohl auch imstande, sich über derlei Unfug ernsthaft zu empören. Etwas Intellektuellere merken schnell, was da gespielt wird: Der Sender macht mit der Unflätigkeit seiner Kandidatin gezielt Werbung und gibt sich dann auch noch gutmenschlich, indem sie deshalb selbstverständlich aus der Show geworfen wird. Hätte die geschmähte Schwarzafrikanerin / nigeriansch-stämmige Kandidatin / etwas dunklere bzw. schwarze Lydia / Wienerin ein wenig Rückgrat, würde sie nach dieser miesen Inszenierung auf ihre Kosten die Sendung freiwillig verlassen.

Was lernt der ORF aus der Affäre?

Wir sind neugierig, ob der ORF im Kampf um die Quote dieses Schauspiel noch toppen kann – etwa indem einer der Kandidaten bei der demnächst über uns hereinbrechenden Dancing-Stars-Staffel den aus Überzeugung einen Mann betanzenden Alfons Haider als „peinliche Schwuchtel“ bezeichnet. Empörung und Quote wären sichergestellt.

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