Wenn sich Linke über die Empörung empören

Gestern Abend strömten ein paar Leser zu uns, die sich sonst kaum hierher verirren. Sie kamen vom Jugendkultur-Radiosender FM4, auf dessen Webseite sich der schon etwas ältere Herr Martin Blumenau den Frust von der Seele schrieb, den ihm der Konsum von Medienberichten über den „Model-Rassismus-Sager“ bereitet hatte.

Dass wir auf Unzensuriert den scheinheiligen Umgang des Privatsenders Puls 4 mit der von ihm selbst verursachten künstlichen Aufregung bereits treffend analysiert hatten, ist Blumenau nicht entgangen, weshalb er unseren Artikel – neben jenem von Hans Rauscher im Standard – als die einzige von ihm gefundene Veröffentlichung bezeichnet, „die die Causa in klarer Sprache auf den Punkt bringt“ – eine Causa, die Blumenau als „bigotte Empörungs-Bewirtschaftung“ bezeichnet.

Es wäre eine gute Analyse geblieben, wenn Blumenau dann nicht dem ersten Kommentator auf den Leim gegangen wäre. „Helge“ (Fahrnberger, der unlängst das Vorwahlen-Theater der Wiener Grünen maßgeblich inszeniert hat, Anm.) beschwert sich: „Ich habe nichts gegen den Link und deinen Kommentar dazu, aber zu verschweigen, dass dieses Blog kein solches ist, sondern ein von einer Burschenschafter-Truppe rund um Martin Graf betriebenes Onlinemagazin, das gern und oft haarscharf an einschlägiger Gesetzgebung vorbei schrammt, finde ich eigenartig.“ Womit der gute Mann, der zwar mangels Anwesenheit nicht beurteilen kann, ob und wie viele Burschenschafter bei unseren Redaktionssitzungen rund um Martin Graf herumsitzen, selbst haarscharf an einschlägiger Gesetzgebung vorbeischrammt. Es sei ihm geschenkt.

Blumenau wird sofort zum Opfer des gerade von ihm selbst entzauberten Systems und ändert seinen Text, indem er dem Lob über unsere Veröffentlichung den Hinweis anfügt „und die kommt leider aus dem rechten Eck“ und dann noch völlig aus dem Zusammenhang einen recht wirren Schlussabsatz nachschiebt über „nationale Kräfte“, die diese Diskussion angeblich populistisch ausschlachten wollen.

Rollenverteilung: Kasperl und das Krokodil

Die Entstehung des FM4-Artikels folgt somit dem gleichen Schema wie die Erregung über den „Neger-Oide-Sager“. Blumenau (in der Rolle von Puls 4) tut etwas Verpöntes, indem er auf die böse Unzensurert-Seite linkt. Fahrnberger (in der Rolle der anderen Medien) stellt sofort empört fest, dass Unzensuriert böse ist. Blumenau rudert zurück und sanktioniert das Böse mit der Etikettierung als „rechtes Eck“. Jetzt finden wahrscheinlich noch ein paar Tage lang empörte Betroffenheitsdiskussionen über diesen Fauxpas im Forum statt, und dann fliegen wir aus dem Artikel wie das Möchtegern-Model aus der Show.

Und die einzigen, die das Spiel durchschaut haben, sind schon wieder wir.

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