Das Café Hawelka konnte es sich nicht richten!

Café HawelkaMit einem Trick wollte das legendäre Café Hawelka in der Wiener Innenstadt das Nichtraucherschutz-Gesetz umgehen. So hatte die Familie Hawelka bereits im Sommer des Vorjahres einen Antrag auf Denkmalschutz gestellt, um damit den Gästen das „Pofeln“ wieder zu erlauben. Stünde das Kaffeehaus nämlich unter Schutz, dürfte im Lokal kein Umbau erfolgen – also auch nicht eine Abtrennungsscheibe zwischen dem Raucher- und Nichtraucherbereich errichtet werden.

Café Hawelka

Café Hawelka

Das Hawelka bleibt Nichtraucherlokal, weil kein Denkmalschutz gewährt wurde.
Foto: Wikimedia

Ein schöner Versuch, der aber scheiterte. Landeskonservator Friedrich Dahm vom Denkmalamt lehnte den Antrag mit der Begründung ab, dass sich die kulturhistorische Bedeutung des Lokals materiell, also in dessen Ausstattung, nicht genügend niederschlage. Der Entscheidung des Bundesdenkmalamts sei eine lange Diskussion vorangegangen. Bis zuletzt habe man debattiert, versichert Dahm. „Die kulturhistorische Bedeutung des Cafés ist unbestritten“, so der Beamte. Allerdings sei diese Bedeutung im Kaffeehaus nicht „dinghaft manifest“ – also etwa in Form von wertvollen Originalmöbeln oder innerarchitektonischer Besonderheiten erkennbar. Deshalb entschied sich das Bundesdenkmalamt letztendlich gegen eine Unter-Schutz-Stellung.

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„Das ist eine Schocknachricht. Ich bin sehr enttäuscht und traurig,“ war die Reaktion des Geschäftsführers Michael Hawelka auf diese Nachricht. Der Enkel des Kaffeehausgründers Leopold Hawelka bedauerte, nun leider ein Nichtraucherlokal bleiben zu müssen. Um die Umsatzausfälle durch das ausbleibende rauchende Publikum zu kompensieren, sei nun an die Errichtung eines Wintergartens gedacht. Dort soll das Rauchen dann möglich sein.

Vier Kaffeehäuser unter Denkmalschutz

Café Landtmann

Café Landtmann

Das Landtmann steht unter Denkmalschutz, hat dennoch Nichtraucherzonen.
Foto: Andrea Schaufler / Wikimedia

In Wien stehen derzeit nur vier Kaffeehäuser unter Denkmalschutz. Neben dem Café Prückel auch noch das Sperl, das Ritter und das Café Landtmann.  Das Nichtraucherschutzgesetz spielte aber bei keinem dieser Fälle eine Rolle. Das Sperl wurde bereits 1980 unter Schutz gestellt – vor allem aufgrund der Thonet-Möbel und der alten Stukkaturdecke. Auch beim Café Prückel, ebenfalls seit 1980 unter Denkmalschutz, war die Einrichtung im Stil der 1950er Jahre ausschlaggebend. Das Ritter in der Mariahilfer Straße bekam sein „Schutzschild“ im Jahr 2010, um hier die Weiterführung als Kaffeehaus zu sichern. Eine Privatstiftung, die im Besitz des Hauses ist, wollte die Räumlichkeiten einer Textilhandelskette verkaufen.

Am längsten unter Denkmalschutz steht das Café Landtmann. Das Ringstraßen-Kaffeehaus mit der Originaleinrichtung aus den 1920er Jahren sollte eine Bankfiliale werden.  Dies wusste das Bundesdenkmalamt im Jahr 1975 zu verhindern, indem man das Lokal unter Schutz stellte. „Nichtraucherzonen haben wir trotzdem“, sagt Anita Querfeld gegenüber Unzensuriert.at. „Es ist sowieso nur noch eine Frage der Zeit, bis das Nichtrauchen flächendeckend kommt.“ Ihrer Wahrnehmung nach würde die Gruppe der Nichtraucher zunehmen, die der Raucher immer kleiner werden.  

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