Kehrforce und Testimonials: Deutsch als Fremdsprache

KehrforceBei der ORF-Diskussion über die Türken vor wenigen Tagen wurde von allen Politikern mit Ausnahme der Grünen betont, deutsch zu lernen und zu sprechen sei ein wesentlicher Faktor zur Integration. Dass gerade die Gemeinde Wien unter Bürgermeister Häupl  auch in dieser Integrationsfrage wenig vorbildlich ist, mag kaum verwundern. Die hauptsächlich verwendete Fremdsprache Englisch bringt dem Großteil der Zuwanderer genauso wenig wie den gebürtigen Wienern.

Kehrforce

Kehrforce

Die Kehrforce ist keine amerikanische Spezialeinheit.
Foto: Christian Fürthner / PID

Wenn man sich den Internetauftritt der Stadt Wien ansieht, wimmelt es nur von Begriffen, die absolut nichts mit der deutschen Sprache zu tun haben. Aus den Straßenkehrern wurde erst jüngst eine von Stadträtin Ulli Sima angeführte „KEHR FORCE“ wobei man sich nicht einmal über die Schreibweise der deutsch-englischen Missbildung einig sein dürfte: Im Markenzeichen (LOGO) wird das Kennwort getrennt geschrieben, im darunter anschließenden Fließtext heißt es jedoch: „Die Kehrforce ist eine aus rund 30 Fachkräften bestehende schnelle und mobile Eingreiftruppe der Abteilung Abfallwirtschaft.“

Vielleicht können die „WASTE WATCHER“ da weiterhelfen. Sie sind doch dazu da, um auf solchen und ähnlichen Mist aufzupassen und ihn wegzuräumen. Nach der Definition der Gemeinde sind sie „Überwachungsorgane der öffentlichen Aufsicht zur Einhaltung des Wiener Reinhaltegesetzes“. Man müsste das Gesetz um die Aufgabe erweitern, Sprachschrott zu entfernen. Den ersten Teil hat jedoch schon der Wiener Volksmund erledigt, denn der nennt diesen neuen Spezialtrupp nur noch „Hundstrümmerlpolizei“.

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Damit das mit dem Dreck wegräumen auch ohne Kehr Force und Waste Watcher funktioniert, muss man den Menschen das vernünftig vermitteln. Dazu gibt es die „TESTIMONIALS“  von Prominenten. Es wäre doch nicht „COOL“ genug, wenn man, den allen verständlichen Begriff „Empfehlungsschreiben“ verwenden würde. Vor allem wenn solche Stars wie Christian Clerici, Roland Düringer, Alfons Haider, Richard Lugner oder Barbara Stöckl der Gemeinde Wien Lob hudeln!

Genderneutrale Visionen am Life-Ball

Alljährlich im Rathaus zu Gast und damit eng mit der Gemeinde verbunden ist der "LIFE BALL". Damit auch die Dümmsten den Sinn dieser Veranstaltung verstehen, erklärt man dies unter dem Begriff "VISION & MISSION". Das ginge zwar auch als deutsch durch, wird aber sicherheitshalber englisch ausgesprochen, und dort erfahren wir: „Der Life Ball ist eine der größten AIDS CHARITY EVENTS“.  Wäre man bei der Wohltätigkeitsveranstaltung geblieben, hätte es die Probleme mit dem Artikel nicht gegeben. Denn es ist wohl eher das Event und nicht die Event, aber die Geschlechter sind beim Life Ball traditionell eher unwichtig.

Das Chaos wäre perfekt, wenn die WASTE WATCHER und die KEHR FORCE, gemeinsam mit den Organisatoren des LIFE BALLS über den SKY WALK flanieren würden und uns dabei ihre VISION & MISSION zum größten CHARITY EVENT möglichst COOL TRANSMITTEN könnten. Sollten sie dabei noch auf E-BIKES eine ROADSHOW organisieren und uns erklären, was eigentlich ein FLY OVER ist, hätten wir wahrscheinlich viel gelernt – alles, nur nicht deutsch.

Gender Mainstreaming

Gender Mainstreaming

Ob Mann mit Baby leichter an einen Sitzplatz kommt ?
Foto: Chrigel Ott / PID

Das schönste aber zum Schluss: das ach so modern von der Gemeinde beworbene „GENDER MAINSTREAMING“ in Wien mit der aktuellen  Kampagne: "Keine Ausreden! Wien ist Gender Mainstreaming." (erinnert sehr an die BILD-Überschrift als Kardinal Ratzinger zum Papst gewählt wurde: “Wir sind Papst“). Im Pressetext ist Stadträtin Frauenberger hilflos bemüht, den Bürgern zu erklären, was Gender Mainstreaming überhaupt sein soll, was angesichts der offiziellen Definition tatsächlich schwierig ist, denn:

„Gender Mainstreaming bedeutet, bei allen gesellschaftlichen Vorhaben die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern von vornherein und regelmäßig zu berücksichtigen, da es keine geschlechtsneutrale Wirklichkeit gibt.“

Womit bewiesen wäre, dass man sich durchaus auch der deutschen Sprache bedienen kann, wenn man unverständlich bleiben will. Denglisch klappt das aber meistens noch besser.

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