Stadt lässt Mieter in der Sonnensiedlung frieren

SonnensiedlungDie so genannte Sonnensiedlung im 22. Wiener Gemeindebezirk sollte ein Vorzeigeprojekt für die Stadt Wien werden. Vor allem was das alternative Energieversorgungssystem anbelangt: Denn für die 89 Wohnungen wurde eigens eine Biomasseheizanlage errichtet. Vollmundig kündigte SP-Wohnbaustadtrat Michael Ludwig an, dass die Mieter nicht nur eine umweltfreundliche Heizwärme geliefert bekämen, sondern auch eine kostengünstige. Doch das Gegenteil ist der Fall.

Sonnensiedlung

Sonnensiedlung

In der schmucken Sonnensiedlung in Wien-Donaustadt müssen die Mieter
an manchen Tagen stundenlang ohne Heizung auskommen.

Im April 2009 standen sie für die Pressefotografen breit grinsend in der ersten Reihe: Der rote Wohnbaustadtrat Ludwig und der rote Bezirksvorsteher Norbert Scheed präsentierten die von der Stadt Wien mit 184.000 Euro unterstützte Anlage mit den beiden Pelletskesseln. Inzwischen ist den beiden das Lachen aber vergangen. Denn die Bewohner der Sonnensiedlung in der Lobau- und Heustadelgasse sind – gelinde ausgedrückt – empört über die Zustände im Genossenschaftsbau der „Altmannsdorf + Hetzendorf“.

Hier funktioniert kaum noch etwas, am wenigsten die vorher so hoch gelobte Energieversorgung. So kann die Biomasseanlage die Heizwärme nicht immer liefern, und sie ist nach Rechnung der Betroffenen nicht günstiger, sondern wesentlich teurer als vergleichbare andere Energieversorgungen. In zwölf Punkten hat das Mieterforum die schwersten Mängel zusammengefasst, die Hausverwaltung und die Politiker um Hilfe gebeten. Doch die beiden Herren, die bei der Eröffnung so präsent waren, sind jetzt, wo die Bewohner um Hilfe bitten, so gut wie untergetaucht.

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Zustände wie im tiefsten Ostblock

Die Biomasseheizanlage ist tatsächlich das größte Problem. Sie fiel schon mehrmals stundenlang aus und konnte keine Wärme liefern. Die Mieter haben die Ausfälle penibel dokumentiert. Auch die Gründe dafür. Einmal war es Stromausfall, dann fiel der Sensor für die Brennstoffspeisung aus, dann wurde der Fehler dem Pelletslieferanten in die Schuhe geschoben, plötzlich tauchten Kesselprobleme auf, dann wieder fiel die Pelletsschnecke und somit die Brennstoffzufuhr aus, und zweimal war der Fehler nicht zu eruieren. Auf der von den Betroffenen aufgestellten Liste finden sich zehn Ausfälle. Immer vergingen mehrere Stunden, in denen nicht geheizt werden konnte. Im November, im Dezember, im Jänner und im Februar. Zustände wie im tiefsten Ostblock. Kaum vorstellbar, dass es so etwas auch in Wien gibt. „Die meisten haben sich bereits Elektro-Radiatoren zugelegt, sonst wären sie schon erfroren“, erzählt ein betroffener Mieter der Sonnensiedlung, über der jetzt tiefe Wolken liegen.

Horrende Heiz-Kosten für die Mieter  

Die im Vorfeld viel umjubelte Biomasseheizung funktioniert also nicht. Das ist für die Nutzer der Genossenschaftswohnungen schon schlimm genug. Aber weil die mit Pellets geheizten Kessel nicht lückenlos für Wärme sorgen können und das Warmwasser mit diesem so umweltfreundlichen System gar nicht aufbereitet werden kann , sondern mit Strom, werden die Mieter noch dazu massiv zur Kasse gebeten. Zitat aus dem Beschwerdebrief der Mieter: „Abgesehen davon, dass die Stromrechnung bei allen Haushalten unverhältnismäßig hoch ist, zahlen die Mieter für den Bezug der Heizleistung aus dem siedlungseigenen Heizwerk durchschnittlich 120 Euro pro Monat.“ Wir erinnern uns: SP-Wohnbaustadtrat Ludwig versprach bei der Eröffnung der Anlage, dass diese Heizung für die Mieter kostengünstig sei. Jetzt, wo es völlig anders läuft, lässt er die Bewohner der Sonnensiedlung im Stich.

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