Androsch-Volksbegehren: Chronik eines angekündigten Todes

Androsch und FaymannNovember 2010: Hannes Androsch, der Karl-Heinz Grasser des 20. Jahrhunderts (für Grasser gilt die Unschuldsvermutung!), kündigt ein Volksbegehren zur Rettung des österreichischen Bildungswesens an. Weil er sich anscheinend schwer konzentrieren kann, sucht er sich laufend neue Betätigungsfelder, der Pensionsschock wird dereinst milde ausfallen.

Jänner 2011: Unter großem Getöse werden viele Interessenvertreter stundenlang im Museumsquartier einquartiert und geben jeweils bekannt, unter welchen Bedingungen sie Androsch' Anliegen unterstützen werden. Als Flügeladjutant steht ihm Ex-Tabakgeneral und ÖFB-Präsident a.D. Beppo Mauhart zur Seite.

3. Februar 2011: Aus einem Bauchladen von vieldeutigen Phrasen, zusammengefasst vom „Bildungsexperten“ und ÖVP-Ruheständler Bernd Schilcher, können sämtliche österreichischen bildungspolitisch interessierten Gruppen das herauslesen, was sich am besten mit ihren eigenen Positionen in Einklang bringen lässt. Der Text, über den letzten Endes beim Volksbegehren abgestimmt werden soll, wird weiterhin geheim gehalten. Ob es ihn bereits gibt, darüber scheiden sich die Geister, manche wollen ihn aber schon gesehen haben.

Androsch und Faymann

Androsch und Faymann

Das Bildungsvolksbegehren entpuppt sich mehr und mehr als
roter Zwischenwahlkampf.
Foto: Werner Faymann / flickr

Irgendwann später im Jahr 2011: Das Bildungsvolksbegehren hat endlich Formen angenommen, und zwar die des SPÖ-Parteiprogramms. Die Grünen können damit leben, Hauptsache sie verärgern ihre potenziellen Koalitionspartner nicht. Alle anderen am ursprünglichen Brainstorming Beteiligten erkennen das Androsch-Volksbegehren als das, was es ist, nämlich als Zwischenwahlkampf der SPÖ, geführt unter Kostenbeteiligung auch von nicht-linken Organisationen wie Wirtschaftskammer, Industriellenvereinigung und anderen.

Gesamtschule: Nur das Wort fehlt

Nach den ersten drei Schritten ist nach der Präsentation des Textes auch das Ende der Chronologie absehbar. Denn schon jetzt werden Forderungen aus der Wirtschaft, etwa nach der Einführung von Studiengebühren, im Text ausgespart, da es sich hierbei lediglich um „Nebenschauplätze“ handle, während es die Gesamtschule über die Formulierung, dass eine „Trennung der Kinder erstmals am Ende der Schulpflicht erfolgen solle“ doch wieder reingeschafft hat. Auf den Terminus „Gesamtschule“ hat man generös verzichtet, um „keine Reizwörter einzubauen“. Und auch die – geht es nach den Wünschen Androsch' – zur Regelschule werdende Ganztagsschule ist ein alt bekanntes Element sozialistischer Familienzerstörungspolitik. Die Entscheidungsfreiheit, ob man seine Kinder in eine Ganztagsschule schicken möchte oder nachmittags lieber selbst betreuen will, ist für die Familien da nicht vorgesehen.

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Vollends in linke Träumereien gleiten die Androsch-Forderungen ab, wo ein Schulsystem gefordert wird, das Migranten faire Chancen eröffnet. So als wäre das System schuld, wenn Angehörige mancher Milieus, die nicht nur die deutsche Sprache kaum beherrschen, sondern auch die Sprache ihrer Eltern, am Arbeitsmarkt nur eingeschränkte Betätigungsmöglichkeiten vorfinden.

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