200 Jahre Staatsbankrott Österreichs

19. Februar 2011 - 10:07

Am 20. Februar 1811, also vor 200 Jahren musste Österreich zum ersten Mal den Staatsbankrott erklären. Schuld daran waren explodierende Ausgaben für oftmals glücklose Kriegsführung und Militär. Die damalige Situation ist der heutigen hinsichtlich der Ausgaben ähnlich, wenn auch für das aktuelle Defizit sicherlich nicht hohe Militärausgaben verantwortlich gemacht werden können.

Bis heute kollabierten Österreichs Finanzen insgesamt fünfmal, im Schnitt alle 40 Jahre. Statistisch gesehen, wäre es wieder soweit. Finanzminister Josef Pröll gibt sich jedenfalls alle Mühe, es dazu wieder – wenn auch mit Verzögerung – kommen zu lassen.

Das erste Papiergeld beschleunigte den Bankrott

 

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Österreichs erstes Papiergeld.
Foto: Wikimedia

Die Wurzeln des Bankrotts von 1811 reichen 100 Jahre, bis etwa 1711, zurück. Die Staatsausgaben begannen auszuufern, doch die Einnahmen konnten nicht mithalten. Innerhalb von 30 Jahren verdreifachte sich die Staatsverschuldung. Doch bei dieser Zunahme sollte es nicht bleiben. Die Geschichte meinte es nicht gut mit dem Kaiserreich und seinen Finanzministern. 1762 musste unter der Herrschaft Maria Theresias erstmals Papiergeld ausgegeben werden. Der Siebenjährige Krieg gegen Friedrich II. von Preußen überstieg die Wirtschaftskraft des in vielerlei Hinsicht rückständigen Österreich. Die Büchse der Pandora war geöffnet. Von da an bediente man sich immer öfter der Geldpresse. Der ökonomischen Folgen waren sich die Verantwortlichen mangels Erfahrung nicht bewusst. Schon 1771 und 1785 wurde weiteres Papiergeld ausgegeben. Der Türkenkrieg 1788 und der Kampf gegen das revolutionäre Frankreich nur vier Jahre später stellten den Staatshaushalt erneut vor eine Zerreißproben. Vor dem Jahr 1788 hatten die Ausgaben rund 90 Millionen Gulden umfasst, zehn Jahre später lagen sie schon bei 572 Millionen.

Niederlage gegen Napoleon als Anfang vom Ende

Dann kam Napoleon. Im Frieden von Schönbrunn wurde Österreich gezwungen, weite Gebiete abzutreten und Reparationszahlungen zu leisten. 1794 lag die im Umlauf befindliche Geldmenge bei 94 Millionen Gulden, 1810 waren es bereits über eine Milliarde Gulden. Ende des Jahres verhängte die Regierung ein Zahlungsmoratorium. Die Zinszahlungen auf Staatsanleihen wurden zwangsweise halbiert und das umlaufende Papiergeld wurde abgewertet. Doch es war bereits zu spät: Am 20. Februar musste der Staatsbankrott erklärt werden.

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Zu den Opfern waren nicht bloß sozial Schwache und der Mittelstand zu zählen. Der ehemals reichste Mann der Monarchie, Fritz von Fries, endete in einem Pariser Armenasyl. Beethoven soll aus Frust über seine finanziellen Einbußen die "Wut über den verlorenen Groschen" verfasst haben.


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