Parlaments-Architekt Theophil Hansen starb vor 120 Jahren

ParlamentDer dänische Architekt Theophil Hansen hat das Erscheinungsbild Wiens geprägt wie wenige andere. Unter all den Kirchen, Palais und öffentlichen Gebäuden, die er Wien hinterlassen hat, sticht doch eines besonders heraus und kann als sein Lebenswerk bezeichnet werden: das ehemalige Reichsratsgebäude, das heutige Parlament. Am 17. Februar 1891 verstarb Hansen in Wien.

Erste Bautätigkeiten in Athen

Theophil Hansen

Theophil Hansen

Der Architekt Theophil Hansen prägte Wien eindrucksvoll
Foto: Wikimedia

Theophil Edvard Hansen wurde 1813 in Kopenhagen geboren und wandte sich bereits früh der Architektur zu. Nach Lehrjahren in Dänemark und Deutschland, unter anderem bei Karl Friedrich Schinkel, dem bedeutendsten Vertreter der preußischen Klassizismus, folgte er dem Ruf seines Bruder Christian nach Athen. In der dortigen europäischen Künstlerkolonie, die nach der Griechischen Unabhängigkeit entstanden war, machte sich Hansen schnell einen Namen; die sogenannte Athener Trilogie – Universität, Akademie und Nationalbibliothek – sind Zeugen seiner Tätigkeit.

Der Architekt nahm auch an Ausgrabungen teil und beschäftigte sich intensiv mit klassisch-griechischer und byzantinischer Architektur. Diese Einflüsse sollten sich in seinem späteren Werk widerspiegeln.

Akademie Athen

Akademie Athen

Die Akademie in Athen gehört zu den frühen Werken Hansens
Foto: Maksim / Wikimedia

Rege Bautätigkeit in Wien

1846 übersiedelte Theophil Hansen nach Wien, wo er zunächst mit seinem Schwiegervater Ludwig Förster arbeitete. In dieser Phase entstand das Wiener Arsenal mit dem k. u. k Waffenmuseum, dem ältesten als solchem konzipierten Museum Österreichs. Typisch für die Phase des Historizismus, zu deren Vertretern Hansen zählt, ist die Arbeit nach architekturhistorischen Vorbildern – bei diesem Museum war es das Arsenal in Venedig.

Die meisten seiner späteren Bauwerke waren im Stil des an der Renaissance orientierten strengen Historizismus gehalten. Hansen galt dabei als unglaublich detailbesessen und kümmerte sich bis hin zur Inneneinrichtung um alles.
Zu seinen Werken zählt das Gebäude des Wiener Musikvereins, dessen Konzertsaal wegen der besonderen Akustik noch heute immer wieder nachgeahmt wird.

Musikvereinssaal

Musikvereinssaal

Der goldene Saal im Musikverein setzte Maßstäbe durch seine Akustik
Foto: Hieke / Wikimedia

Daneben gehen die Wiener Börse, die Akademie der Bildenden Künste sowie mehrere Palais und Kirchen auf Hansen zurück.

Das Parlament – Hansens Meisterwerk

In jeder Hinsicht wurde das Parlament Hansen Meisterwerk. Auf Initiative des Wiener Bürgermeisters Cajetan Felder wurde das Exerzierfeld zwischen der Inneren Stadt und der Josefstadt zur Bebauung freigegeben. Die drei Gebäude – neben dem Parlament auch das Wiener Rathaus und die neue Universität -, die dort entstanden, symbolisierten die neue Macht des Bürgertums sowie ein neues Staatsverständnis. Während sich das Rathaus als Kopie des Brüsseler Rathauses auf die Macht des mittelalterlichen flämischen Bürgertums bezog, sollte das Parlament an die Geburtsstätte der europäischen Demokratie, das antike Griechenland, erinnern.

Parlament

Parlament

Das Reichsratsgebäude – heute Parlament – war Hansens Lebenswerk
Foto: Christian Hidake / Parlamentsdirektion

In vielen Details des an einen griechischen Tempel erinnernden Gebäudes spiegelt sich das Verständnis von Demokratie und Gewaltenteilung wider. Bereits der Brunnen vor dem Parlament, der erst nach Hansens Tod streng nach seinen Plänen erbaut wurde, steckt voller Symbolik. Zu Füßen der griechischen Göttin der Weisheit Pallas Athene symbolisieren zwei Figuren die gesetzgebende und die ausführende Gewalt, wobei hier Exekutive – symbolisiert durch ein Schwert – und Judikative – symbolisiert durch eine Waagschale –  zusammengefasst sind. Dass Pallas Athene dem Parlament den Rücken zuwendet, sorgte bei den spöttischen Wienern allerdings immer wieder für bösartige Kommentare. Neben dem Motiv der Gewaltenteilung, das sich ihn mehreren Darstellungen findet, werden auch die verschiedenen Teile der damaligen Monarchie dargestellt, so beispielsweise beim Brunnen und auf dem Dach des Parlamentsgebäudes. Neben Griechenland wird auch das alte Rom als Vorbild für ein demokratisches Staatswesen angesprochen, wobei griechische Darstellungen auf der linken, römische der rechten Seite des Parlaments (vom Ring aus gesehen) zu finden sind.Die Quadrigen auf dem Dach stehen für den Sieg des Parlamentarismus über den Absolutismus.

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Reichsratssaal

Reichsratssaal

Der historische Reichsratssal wird mit einem ausgeklügelten System belüftet
Foto: Mike Ranz, Parlamentsdirektion

Neben den zahlreichen symbolischen Darstellungen ist das Gebäude auch technisch sehr gut durchdacht. Hansen folgte dabei dem Prinzip der Autarkie, sodass ein Betrieb auch in Krisenzeiten möglich sein soll. Daneben soll ein ausklügeltes System an Schächten und Klappen im Keller, die auch heute noch in Betrieb sind, die Zufuhr von Frischluft gewährleisten. Durch verschiedene Lichtschächte und Glasdächer sollte das Gebäude mit teilweise buntem Licht durchflutet werden.

Ein Plan, der nicht verwirklicht wurde, ist die bunte Gestaltung der Außenfassade. Theophil Hansen wollte dies ebenfalls von den Griechen übernehmen, deren Tempel ursprünglich in verschiedensten Farben erstrahlten. Hansen konnte sich damit aber nicht durchsetzen, bunte Fassaden galten damals als unzivilisiert; der Plan wurde offiziell aus Geldmangel verworfen.

1884 wurde das Parlament offiziell fertiggestellt, doch kleiner Arbeiten waren noch ausständig. Theophil Hansen, der ein eigenes Artelier im Parlament hatte arbeitete bis zu seinem Tod, an seinem Lebenswerk weiter.

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