Der Mentor der ägyptischen Revolution

Gene SharpDer schnelle – und verhältnismäßig unblutige – Fall Hosni Mubaraks kam für viele überraschend. Nicht so für die Planer der Revolte, zu denen unter anderen Ahmed Maher von der „Bewegung des 6. April“ zählt. Er hat Jahre für die Vorbereitung und Planung dieses erfolgreichen Aufstandes aufgewendet.

Er und andere „zornige junge Leute“ quer über den Globus studierten die Taktik der Anti-Milosevic-Bewegung in Serbien und stießen auf die dortige Widerstandsbewegung Otpor, die wiederum die Bücher des amerikanischen Politikwissenschafters Gene Sharp „The Politics of Nonviolent Action“ (1973) und insbesondere „From Dictatorship to Democracy“ (1983; Von der Diktatur zur Demokratie. Ein Leitfaden für die Befreiung. 2008) studiert hatten.

Gene Sharp

Gene Sharp

Gene Sharp ist der Mann hinter dem Umsturz.
Foto: Screenshot Youtube

In der Zeitung „Die Welt“ wird er als „Der Schreibtischtäter“ vorgestellt, den die Diktatoren der Welt fürchten, von Arabien über Burma und China bis Venezuela und Zimbabwe. Mit einem dünnen Büchlein gibt der 83-Jährige der Facebook- und Twitter-Generation praktische Anleitungen zum Sturz von gewalttätigen Regierungen. Auch verschiedene Fernsehredaktionen berichten über Sharp. Der arabische Sender aus dem Emirat Katar, Al Jazeera, brachte eine längere Reportage in Englisch über die Arbeit der ägyptischen Gruppe um Ahmed Maher während der entscheidenden Tage vom Tahrir-Platz in Kairo.

Nach diesen Darstellungen ist das Wesentliche an einem erfolgreichen Aufstand gegen ein gewalttätiges diktatorisches Regime neben einer sorgfältigen Planung, guten Ausbildung der Aktivisten und Kontakten zu Militär und Polizei die unbedingte Gewaltlosigkeit der Demonstranten. Nur so könne das Regime gezwungen werden, seine Stärken und Waffen im Kampf nicht einzusetzen. Die Lehren von Mahatma Gandhi, dem „Erfinder des gewaltlosen Kampfes“ lassen sich also auch in die heutige Zeit transponieren. Diktaturen sind immer gut vorbereitet, einen Aufstand niederzuschlagen. Etwas anderes jedoch sind Demonstrationen – wenn der Diktator Gewalt gegen gewaltlose Demonstranten einsetzen will, läuft er Gefahr, dass über kurz oder lang sein Machtapparat ihm die Gefolgschaft verweigert. Denn dazu sind nur (gut) bezahlte Söldner bereit, wie sie derzeit in Libyen zum Einsatz kommen, nicht aber ein Volksheer.

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