Simbabwe – Staatsbankrott droht binnen Jahresfrist

DemonstrationBis in die 1990er Jahre wäre wohl niemand auf die Idee gekommen, Simbawe als gescheiterten Staat zu bezeichnen. Nach dem Regierungsübergang von der weißen Regierung Ian Smiths an den schwarzen Rebellenführer Robert Mugabe galt das Land als politisch stabil, die Wirtschaft florierte und das Zusammenleben zwischen schwarzer Mehrheit und weißer Minderheit verlief reibungslos. 1999/2000 änderten sich die Umstände innerhalb kürzester Zeit. Nach der Enteignung der weißen Farmer brach die Wirtschaft des Landes völlig zusammen, die Opposition wurde brutal unterdrückt. Die Macht des Diktators Mugabe ist dennoch nicht mehr gefestigt, zeitweise kam es zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen. Das ehemalige Südrhodesien befindet sich im Aufruhr.

Cecil Rhodes – Vordenker des britischen Imperialismus

Der Namensgeber von Rhodesien, heute Sambia (Nordrhodesien) und Simbabwe (Südrhodesien), war nicht nur ein Vordenker des britischen Imperialismus, sondern setzte wesentliche Akzente in der britischen Kolonialpolitik des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Von ihm stammt der Satz, dass er auch die Sterne annektieren würde, wenn dies möglich wäre. Seiner Vorstellung nach war die angelsächsische Rasse allen anderen überlegen und dazu ausersehen, die Welt zu beherrschen.

Cecil Rhodes

Cecil Rhodes

Cecil Rhodes erwarb Rhodesien für das Empire.
Foto: Wikimedia

Eine Allianz des britischen Empire, der USA und möglicherweise des Deutschen Reiches, das er bewunderte, sollte als Weltordnungsmacht Frieden und Sicherheit schaffen.
Abseits dieser utopischen Ziele engagierte sich Rhodes für ein durchgehendes britisches Kolonialgebiet von Südafrika bis Ägypten. In diesen Zusammenhang fiel sein Erwerb der Gebiete des späteren Rhodesien für das Vereinigte Königreich; auch die Burenkriege und die Annexion der Burenrepubliken waren Teil dieses Plans. Finanziert von Lord Nathan Rothschild, gründete Rhodes die DeBeers Gruppe, die heute eine dominierende Stelle in der Diamantengewinnung und im Handel einnimmt.

Südrhodesiens weißer Weg in die Unabhängigkeit

Im Zuge der Entkolonialisierung trennten die Briten Süd- und Nordrhodesien, die Übergabe der Macht an die schwarze Mehrheitsbevölkerung stand bevor. Die weiße Minderheit in Südrhodesien wollten dies nicht hinnehmen und erklärte Südrhodesien im Dezember 1965 als Rhodesien einseitig für unabhängig, 1970 wurde Rhodesien zur Republik erklärt. Die Regierung unter Ian Smith wurde nur von Südafrika anerkannt und war wegen der internationalen Isolierung stark von diesem abhängig. Zur Sicherung seiner Nordflanke unterstützte Südafrika Rhodesien wirtschaftlich und militärisch. Mit der ZAPU (Zimbabwe African People’s Union), die vom Ostblock unterstützt wurde, und der ZANU (Zimbabwe African National Union), die von China unterstützt wurde, begannen bereits 1965 zwei Rebellenorganisationen die rhodesische Regierung in Salisbury zu bekämpfen. Militärisch blieb ihr Kampf gegen die Regierungstruppen erfolglos, insbesondere die Eliteverbände der Rhodesian Light Infantry waren bei der Guerillabekämpfung höchst erfolgreich.

Leopard

Leopard

Spezialfahrzeug "Leopard" der rhodesischen Armee zur Guerilliabekämpfung.
Foto: NJR ZA / Wikimedia

Dennoch band der Kampf enorme wirtschaftliche Ressourcen, sodass sich in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre der wirtschaftliche Zusammenbruch Rhodesiens abzeichnete. Ian Smith sah sich gezwungen die Macht abzugeben, sein Nachfolger wurde 1980 ZANU-Führer Robert Mugabe.

Zwei Jahrzehnte Unabhängigkeit

Im Westen wurden die Bestrebungen Mugabes, eine Aussöhnung zwischen Schwarzen und Weißen, aber auch unter den verschiedenen schwarzen Volksgruppen zu erreichen, ausdrücklich gelobt. Trotz seiner marxistischen Rhetorik nahm der neue Machthaber keine schwerwiegenden Eingriffe in die Wirtschaft vor, es gab keine Racheaktionen an Vertretern des alten Systems.

Mugabe

Mugabe

Robert Mugabe klammert sich seit 31 Jahren an die Macht.
Foto: Mangwanani / Wikimedia
 

Die Armee sollte aus den ehemaligen Rebellen und der alten rhodesischen Armee gebildet werden, Peter Walls, Armeekommandant der alten Streitkräfte, verblieb auf seinem Posten. Dabei wird oft übersehen, das es bereits im ersten Jahrzehnt der Unabhängigkeit zu heftigen Konflikten, die teilweise bewaffnet ausgetragen wurden, kam. Schon bei den Wahlen 1980 wurden Manipulationsvorwürfe laut, Walls wurde noch im selben Jahr seines Postens enthoben. Zwischen der neuen Regierung und Anhängern der ZAPU kam es zu Gefechten, erst 1987 wurde der Konflikt beigelegt, die ZAPU in die regierende ZANU integriert.

Anfang der 1990er Jahre war Simbabwe ein Ein-Parteien-Staat, Mugabe autokratischer Herrscher. Gegen seine Herrschaft regte sich jedoch Widerstand, insbesondere in den Städten. Neben Studenten waren vor allem Gewerkschaften die Träger des Widerstands. Um die Bevölkerung zu besänftigen und seine Anhänger zufriedenzustellen, führte Mugabe 2000 eine Landreform durch, die Folgen waren katastrophal.

“Landreform” – Simbabwe schlittert in die Katastrophe

Der Großteil des Farmlandes befand sich im Besitz eine kleinen weißen Elite, die damit den Großteil des Bruttoinlandsproduktes erwirtschaftete. Agrargüter waren Simbabwes Hauptausfuhrgüter. In den Jahren internationaler Isolation von 1965 – 1980 hatte sich dazu eine für das südlichere Afrika gut entwickelte Industrie entwickelt, sodass Simbabwe vergleichsweise wirtschaftsstark war. Reiche Bodenschätze trugen außerdem zum wirtschaftlichen Aufstieg Simbabwes bei.

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Demonstration

Demonstration

Die Unzufriedenheit mit Mugabe entlädt sich in Demonstrationen.
Foto: Two Wings / Wikimedia

Die 1998 beschlossene Landreform wurde 2000 unter chaotischen und gewalttätigen Umständen durchgeführt, insgesamt handelte es sich dabei um eine Enteignung. Begünstigt wurden Mugabes Anhänger, organisiert im Kriegsveteranenverband. Die neuen Eigentümer der Farmen hatten weder das Wissen und in vielen Fällen auch nicht die Absicht, die Farmen weiter zu bewirtschaften, sodass die Agrarwirtschaft innerhalb weniger Monate fast völlig zum Erliegen kam. Simbabwe, das als Brotkorb des südlichen Afrikas bezeichnet wurde, muss inzwischen Nahrungsmittel importieren, große Teile der Bevölkerung sind unterernährt. In Folge der wirtschaftlichen Misere nahm der Widerstand gegen Mugabes Regime immer mehr zu. International, insbesondere im Westen, geriet der Autokrat in die Isolierung. Das kostspielige militärische Engagement Simbabwes in den Kongowirren der 1990er und 2000er Jahre verschärfte die Krise des Landes weiter. Die Opposition sammelt sich inzwischen im Movement for Democratic Change (MDC) und in den Gewerkschaften, Morgan Tsvangirai ist ihr Anführer.

Tsvangirai

Tsvangirai

Morgan Tsvangirai ist Anführer der Opposition.
Foto: Mangwanani / Wikimedia

Trotz brutaler Repression entglitt Mugabe die Macht immer mehr, so dass er 2008 die Beteiligung von Oppositionspolitikern an der Regierung zulassen musste; da diese aber kaum reale Macht besitzen, wird dies als Alibiakt gesehen.

Simbabwe heute – zwischen Arbeitslosigkeit und HIV

Die Arbeitslosigkeit in Simbabwe beträgt derzeit knapp 80 Prozent, die Infizierungsrate mit HIV liegt bei einem Drittel der Bevölkerung, eine der höchsten weltweit. Simbabwe steht heute trotz reicher Bodenschätze und fruchtbarem Land vor dem Kollaps, der greise Diktator Mugabe klammert sich verzweifelt an seine Macht. Fürchterlich ist vor allem die finanzielle Situation. Nachdem Mitte 2008 eine Inflationsrate von mehr als 10 MIllionen Prozent(!) im Jahr erreicht war, wurde diese Entwicklung durch eine Währungsreform eingedämmt. Simbabwe hat aber nach wie vor Auslansschuslden von rund sieben Milliarden Dollar, die sich bis 2013 verdoppeln werden, wenn bis dahin nicht der unausweichliche Staatsbankrott erklärt wird. Geld, um Medikamente für die Bevölkerung zu kaufen, fehlt völlig, was sich neben den immensen HIV-Problems auch im Zuge einer Cholera-Epidemie im Jahr 2009 auswirkte.

Besondere Brisanz gewinnt die Situation in Simbabwe durch seine Nachbarschaft zu Südafrika. Südafrikas Machthaber halten bisher immer noch treu zu Mugabe, ohne ihre Unterstützung wäre sein Sturz kaum aufzuhalten. Würde die Regierung in Pretoria ähnliche Schritte wie Mugabe setzen, hätte dies in dem reichsten afrikanischen ernste Konsequenzen und könnte das ganze südliche Afrika vollends in Chaos stoßen.

Unzensuriert-Serie über "Failed States"

Unzensuriert.at stellt wöchentlich einen gescheiterten Staat vor. Bisher veröffentlicht:

Somalia – Nummer eins unter den gescheiterten Staaten
Guinea – Mit dem Sozialismus in die Armut
Sudan – Abspaltung vom islamistischen Araber-Regime
Liberia und Sierra Leone – Heimat der Blutdiamanten
Kongo – Das Herz der Finsternis

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