Marx als Karls Vordenker für Studiengebühren

Karl Marx & Beatrix KarlDie umstrittene Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP), die in immer kürzeren Intervallen den Studenten den Zugang zur Bildung erschwert, ist offenbar längst nicht am Ziel angelangt. Im Rahmen eines Vortrags beim „Liberalen Klub“ rechnete sie mit dem freien Hochschulzugang ab: „Was hat er uns schon gebracht? Es gibt immer noch zu wenig soziale Durchmischung an den Universitäten, und wir zahlen den Preis der schlechteren Qualität der Unis“, so Karl.

Karl Marx & Beatrix Karl

Karl Marx & Beatrix Karl

Beatrix Karl und Karl Marx: Bei den Studiengebühren gemeinsamer Ansicht.
Foto: michaelthurm / flickr & Kentin / Wikimedia

Ihre Antwort sind Zugangsbeschränkungen – möglichst flächendeckend. Die würden nämlich die Studienabbrecherquote signifikant senken, wie das Beispiel Finnland zeige. Den Einwand, man solle wenigstens dezentrale Aufnahmeverfahren durchführen, sodass etwa die Chance bestehe, in Wien, Graz und Innsbruck den Test für Medizin zu wagen, konterte Karl mit einer haarsträubenden Ansage: Wer durchfällt, der könne ja einmal ein Jahr lang Biologie studieren und dann versuchen, sich dafür etwas in Medizin anrechnen zu lassen, sollte er beim zweiten Aufnahmeversuch erfolgreich sein.
 
Die wenigen, die noch an die Unis dürfen, müssen selbstverständlich auch anständig dafür bezahlen. Studiengebühren sind für Karl ein absolutes Muss. Schließlich habe sich schon der politisierende Industriekapitän Claus Raidl gefragt, wie seine Böhler-Arbeiter dazu kämen, das Studium seines Sohnes zu finanzieren. Und wer sich von Raidls schlauen Sprüchen nicht überzeugen lässt, dem wirft Karl noch Marx nach, der auch schon gemeint habe, ein kostenloses Studium sei eine soziale Ungerechtigkeit.

Doch keine Studienplatzfinanzierung?
 
Die von vielen Rektoren blockierte und daher wieder auf das Ende der Legislaturperiode verschobene studienplatzbezogene Finanzierung dürfte Karls Ausführungen zufolge gar nicht mehr geplant sein. Sie sprach nur noch von einer studienrichtungsbezogenen Finanzierung, die gegenüber den jetzigen Gesamtbudgets für die Universitäten kaum eine Weiterentwicklung darstellen würde. Flexibilität bringt das keine – im Gegenteil: Für die einzelnen Studienrichtungen soll es nicht nur ein fixes Budget, sondern auch eine fixe Anzahl an Plätzen geben – selbstverständlich nötigenfalls durch Zugangsbeschränkungen geschützt.

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Der Präsident des Liberalen Klubs, der FPÖ-Nationalratsabgeordnete Peter Fichtenbauer, betonte, dass er früher nicht nur Studiengebühren, sondern davor im Gymnasium sogar Schulgeld zu zahlen hatte. Nach kurzer Diskussion fasste er gegenüber der Ministerin zusammen: „Sie haben gesehen, dass das bürgerliche Publikum, das wir hier repräsentieren, keine gegensätzliche Position zu Ihnen einnimmt.“ Im Nationalrat hatten Fichtenbauer und seine FPÖ-Kollegen zuletzt allerdings gegen die von Karl vorgelegte Verschärfung der Studieneingangsphasen gestimmt, die nur noch einmaliges Wiederholen mancher Prüfungen vorsieht. Hauptanliegen der Freiheitlichen im hochschulpolitischen Bereich ist die Wiederherstellung des freien Hochschulzugangs – eine Forderung, die den Vorhaben der Wissenschaftsministerin diametral entgegenläuft. Erst wenn dieser verwirklicht sei und auch die Studienbedingungen entscheidend verbessert sind, könne man gegebenenfalls über eine finanziellen Beitrag aller Studenten diskutieren, so die offizielle FPÖ-Position.

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