Paraguay kommt dank Itaipú ganz ohne Atomstrom aus

Itaipu-StaumauerDie Atomkatastrophe in Japan bestätigt einmal mehr, dass Paraguay schon vor Jahrzehnten auf das richtige Pferd bei der Wahl der Stomversorgung gesetzt hat: auf Wasserkraft. Dies wurde der Österreich-Delegation, der Politiker und Vertreter der Wirtschaft angehören, beim Besuch des größten Wasserkraftwerkes der Welt, Itaipú, einmal mehr bewusst. Der Dritte Nationalratspräsident Martin Graf, Nationalratsabgeordneter Gerhard Deimek, EU-Abgeordneter Andreas Mölzer und der Zweite Wiener Landtagspräsident Johann Herzog, zeigten sich vom Jahrhundertbauwerk im Dreiländereck Paraguay, Brasilien und Argentinien schwer beeindruckt.

Itaipu

Itaipu

Jede einzelne der zwanzig Turbinen produziert 700 Megawatt pro Stunde.
Foto: Unzensuriert.at

Mathias Reichhold, Ex-Infrastrukturminister und heute im Dienste eines deutsch-österreichischen Energieunternehmens, konnte es kaum fassen: „Eine Turbine von Itaipú erzeugt mehr Strom als die Kelag in Kärnten“, so Reichhold, der die Leistung der insgesamt 20 Turbinen mit 14.000 Megawatt nicht glauben konnte. Im Vergleich: Die Kelag produziert 400 Megawatt .

Jeder Vergleich hinkt freilich. Itaipu mit einem Energieversorger eines österreichischen Bundeslandes in Konkurrenz zu stellen, ist vermessen, zeigt andererseits aber auch die Dimension jenes Wasserkraftwerkes, das imstande ist, ganz Paraguay mit der notwendigen Energie zu versorgen. Warum dies in der Praxis nicht funktioniert, liegt am schlechten Verteilernetz. Die 20 Turbinen gehören je zur Hälfte Paraguay und Brasilien, aber für den eigenen Stromhaushalt nützt Paragay bisher nur eine einzige Turbine. Der Großteil des Stroms fließt ins Ausland, wird in die umliegenden Länder exportiert.

36.000 Tiere vor dem Wasser gerettet

Die Entscheidung, Itaipú zu bauen, fiel mit dem „Protokoll von Iguazú“ im Jahr 1966, in dem sich Brasilien und Paraguay über die Errichtung einigten. Der endgültige Vertrag zwischen den beiden Ländern wurde aber erst 1974 unterzeichnet, 1975 war Baubeginn, die Fertigstellung des Staudammes erfolgte im Jahr 1992. Während der Errichtung gab es einen Beschäftigungs-Höchststand mit 32.000 Mitarbeitern, heute arbeiten permanent 4000 Menschen in Itaipu, einem Wunderwerk der Technik, das sich die Wasserkraft der beiden Flüsse Parana und Foz de Iguazú zunutze machte.

Itaipu-Staumauer

Itaipu-Staumauer

Die Dimensionen sind enorm, die Itaipú-Staumauer ist acht KIlometer breit.
Foto: Unzensuriert.at

Ganz ohne Zerstörung der ursprünglichen Flusslandschaft ging das natürlich nicht. Von Anfang an wurde das Projekt aber mit Umweltschutzmaßnahmen begleitet: Vor dem Aufstau gelang die Rettung von 36.000 Tieren, nach der Inbetriebnahme installierte die Regierung ein Fischzuchtprogramm unter universitärer Aufsicht. Gleichzeitig entstanden rund um die berühmten Wasserfälle von Iguazú einzigartige Naturschutzgebiete, die jährlich Millionen Touristen aus aller Welt anziehen. Der Staudamm und die damit zusammenhängenden Maßnahmen sorgten so für einen grandiosen Aufschwung sowohl auf brasilianischer, als auch auf paraguayischer Seite. Anders als sonst in den beiden Ländern herrscht hier zumindest sichtbarer Mittelstand. Bei den schön asphaltierten Straßen und gepflegten Parks bemerken die Besucher den Unterschied zu den anderen Gegenden am schnellsten.

Staudamm-Breite beträgt acht Kilometer

Was Itaipú für jeden, der den Staudamm näher betrachtet, so einmalig und sensationell macht, sind die Zahlen: So hat der Staudamm eine Breite von sage und schreibe acht Kilometern, misst an der höchsten Stelle 196 Meter, und die Mauer ist 35 Meter dick. Kaum zu glauben: Ein einziger Generator kann 1,5 Millionen Einwohner versorgen. Damit wird klar, warum selbst das riesige Brasilien seinen Strombedarf mit dem Itaipú-Kraftwerk zu 25 Prozent abdecken kann, die Paraguayer – trotz der bekannten Netzprobleme – zu 75 Prozent. Ein immensen Wettbewerbsvorteil in dieser krisengeschüttelten Welt!

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