(Ex-)Kommunist auf dem Sprung zum Ministerpräsidenten

Winfried KretschmannNach rund zwanzig Jahren Unterbrechung könnte schon bald wieder ein Teil Deutschlands von einem Kommunisten regiert werden. Waren Ulbricht, Honecker und Co. das Produkt der Blockteilung Europas und Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg, so darf sich Winfried Kretschmann auf das Ergebnis freier Wahlen berufen. Der in den Medien als netter Chemie-Professor geführte Spitzenkandidat hat den Grünen in Baden-Württemberg zu einem fulminanten Wahlsieg verholfen und könnte schon bald an der Spitze einer grün-roten Regierung in Stuttgart sein Amt antreten.

Winfried Kretschmann

Winfried Kretschmann

Netter Professor oder getarnter Kommunist? Winfried Kretschmann
Foto: GRÜNE Baden-Württemberg / flickr

Winfried Kretschmann war während seiner Studienzeit an der Universität Hohenheim als Kommunist Vorsitzender des Allgemeinen Studierendenausschusses ASTA – des deutschen Pendants zur ÖH. Er war zudem Mitglied des Kommunistischen Bundes Westdeutschland (KBW), einer maoistischen Splittergruppe, die zwar in Worten den kapitalistischen Klassenfeind erbittert bekämpfte, in Taten aber sich seines Systems virtuos bediente und stattliche Millionenvermögen erwirtschaftete, wie Der Spiegel im Jahr 1979 minutiös darlegte. Viele einstige Mitglieder des KBW haben den Marsch durch die Institutionen geschafft und es sich in den etablierten Parteien bequem gemacht. Die prominenteste ist die ehemalige SPD-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, die nach Auffliegen der Affäre um ihren in Spanien gestohlenen Dienstwagen im Jahr 2009 auf Raten zurücktreten musste.

Läuterung in der katholischen Kirche

Auch Kretschmanns „Läuterung“ passt ins Bild. Mittlerweile wird er als Vertreter des „wertkonservativen Flügels“ der Grünen präsentiert – ein Umstand, der wohl maßgeblich zum Wahlerfolg der alles andere als bürgerlichen Partei bei den konservativen und streng leistungsorientierten Schwaben beigetragen hat. Kretschmann hat sich für seinen Selbstreinigungsprozess die Katholische Kirche ausgesucht. Er ist Mitglied im Diözesanrat der Erzdiözese Freiburg und in weiteren kirchlichen Organisationen. Zudem singt er im Kirchenchor. Kretschmann hat also einen leicht zu beschreitenden Weg durch die Institutionen gefunden, ist das Wertbewusstsein in weiten Teilen der Kirche doch bereits auf ein Minimum reduziert. Selbst als Kommunist muss man sich da kaum verbiegen.

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Freilich ist nicht auszuschließen, dass Kretschmann sich nicht bloß zum Schein gewandelt hat. Doch selbst dann muss er sich den ohnehin nur vereinzelt geäußerten Vorhalt seiner kommunistischen Vergangenheit gefallen lassen. Ein geläuterter Neonazi würde es in Union oder FDP schließlich nicht einmal bis zu einer Gemeinderats-Kandidatur schaffen.

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