Totgesagte leben länger: Das abenteuerliche Leben einer Schaustellerin

Viel hat Stefanie Schauberger zu erzählen aus ihrem langen Leben. Sie ist die älteste aktive Schaustellerin Salzburgs und wahrscheinlich auch Österreichs. Die rüstige Dame ist quicklebendig, wie sich Unzensuriert.at anlässlich ihres Besuchs in Wien überzeugen konnte. Dennoch wurde sie vor drei Jahren von der Post für tot erklärt.

Im Jahr 1926 wurde Stefanie Schauberger in Linz in eine Artistenfamilie hineingeboren. Schon damals ist sie im Pferdewagen von Ort zu Ort mitgereist und hat bereits als kleines Mädchen in Gastwirtschaften Kunststücke vorgeführt. Ein Bär und ein Affe waren die große Attraktion des kleinen Familienunternehmens. Oft hat die Familie im Heustadel eines Bauern übernachtet. Eine Schule konnte sie durch die Reisetätigkeit nur fallweise besuchen, doch trotzdem kann sie heute besser rechnen und schreiben, als so mancher Pflichtschulabsolvent der heutigen Zeit. Sie weiß auch vom alliierten Bombenterror des Zweiten Weltkriegs zu berichten, oder von den harten Nachkriegsjahren. Sieben Kinder hat sie unter schwierigen Bedingungen aufgezogen, wohnte zeitweise in Baracken und wusch Sommer wie Winter im oft eiskalten Wasser eines Baches die Wäsche. Wenig Verständnis hat sie daher für Frauen, die sich heutzutage beschweren, eine Waschmaschine bedienen zu müssen.

Artistenfamilie

Artistenfamilie

Die kleine Stefanie im Kreis ihrer Artistenfamilie
Foto: Schauberger

Schon mit 17 Jahren hat sie ihren ersten Gewerbeschein erhalten und ist seither selbstständig als Schaustellerin tätig. Früher war sie noch mit einer Schießbude, einem Karussell und Schaukeln unterwegs. Heute bietet sie auf den Jahrmärkten Süßwaren feil. Und bis heute ist ihre Arbeit, wie sie sagt, ihr Lebenselixier. Sie kann und will sich kein anderes Leben vorstellen. Von Ruhestand und Hände in den Schoß legen will sie nichts wissen. Im Gegenteil, ihr Terminkalender ist stets voll. Stolz präsentiert sie Dankesurkunden für ihre jahrzehntelange Treue und Bereicherung jedes Ortsfestes, denn nach all den Jahren zählt sie mit ihrem Süßwarenstand zum festen Bestandteil jedes Kirtags und Feuerwehrfestes der Region. Jahr für Jahr fährt sie schon frühmorgens am Steuer ihres Klein-LKWs durchs Land und baut am Festgelände routiniert ihren Stand auf. Ob Lebkuchenherzen, Zuckerwatte oder Schaumrollen, ihre frischen Waren sind stets gefragt.

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Die Post lässt Frau Schauberger sterben

Frau Schauberger

Frau Schauberger

Die von der Post totgesagte Stefanie Schauberger auf Besuch im Parlament.
Foto: Unzensuriert.at

"Die Post bringt allen was" war eine Werbebotschaft der österreichischen Post AG. Allerdings nur jenen, die sie nicht für tot erklärt. Denn genau das passierte Frau Schauberger im Jahr 2008 und zählt seither zu einer ebenso ungewöhnlichen wie skurrilen Episode ihres abwechslungsreichen Lebens. Dazu gekommen war es dadurch, dass ein Briefträger Zuschriften der deutschen Pensionsversicherung mehrmals mit dem Vermerk "Empfänger verstorben" an den Absender zurück sandte, was zur Folge hatte, dass sie plötzlich keine weiteren Geldleistungen ihrer Witwenpension ausbezahlt bekam. Da sie den kleinen Betrag von monatlich 45,38 Euro nur alle paar Monate behebt, war ihr dieser Umstand auch nicht aufgefallen. Groß war daher die Überraschung, als sie einen Anruf der österreichischen Pensionsversicherung erhielt. Nachdem sich die deutsche Versicherung in Österreich nach dem Ableben Schaubergers erkundigte, war man bei der PVA zunächst erstaunt, da sie ihre hiesige Pension natürlich wie gewohnt ausbezahlte. Noch erstaunter war Stefanie Schauberger selbst, als sie einen Anruf der PVA bekam und man ihr von ihrem angeblichen Ableben berichtete. Auf eine Entschuldigung der Post wartet sie noch bis heute.

Unzensuriert.at wünscht Frau Schauberger jedenfalls noch viele gesunde Lebensjahre und dass sie noch lange Zeit ihrer Berufung und Leidenschaft nachgehen kann. 

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