Bunkermuseum: Besitzer nach Darabos-Weisung ausgesperrt

Andreas SchererNorbert Darabos hatte gegenüber dem FPK-Bundesrat Peter Zwanziger ein Versprechen abgegeben, das Bunkermuseum auf dem Kärntner Wurzenpass entgegen anderslautender Medienberichte nicht zu zerschlagen. Doch jetzt zeigt sich, was das Wort des Verteidigungsministers wert ist: genauso viel wie sein Bekenntnis zur allgemeinen Wehrpflicht noch vor nicht einmal einem Jahr, also nichts. Andreas Scherer, dem Besitzer und Initiator des Museums, wird mittlerweile der Zutritt zu seinem Grundstück verwehrt. Er will sich juristisch zur Wehr setzen.

Scherer hat das Museum in der größten Verteidigungsanlage aus dem Kalten Krieg in Privatinitiative mit öffentlicher Unterstützung eingerichtet. Seit der Eröffnung 2005 kamen 22.500 Besucher. Ermöglicht wurde dieses einzigartige Projekt mit öffentlichen Subventionen (248.500 Euro) von EU, Bund, Land und Gemeinde sowie durch Unterstützungsleistungen des Bundesheeres im Gegenwert von 400.000 Euro.

Andreas Scherer

Andreas Scherer

Andreas Scherer vor den verschlossenen Toren seines Bunkermuseums.
Er vermutet einen Rachefeldzug aus dem direkten Umfeld des Ministers.
Foto: Scherer / Bunkermuseum

Das alles soll ein Ende haben, wenn es nach dem Verteidigungsministerium geht. Scherer wurde aufgefordert, die ausgestellten militärischen Geräte abzutransportieren – auf seine Kosten. 276.000 Euro würden dafür anfallen. „Das wäre das Ende des Museums und mein Konkurs“, so Scherer. Hintergrund: Das Verteidigungsministerium hat dem Museumsbetreiber mit Bescheid vom 19.10.2010 unter höchst fragwürdigen Bedingungen seine „waffenrechtliche Verlässlichkeit“ aberkannt. Die ausgestellten Geräte sind allerdings ohnehin nicht funktionsfähig. Seither darf Scherer sein eingezäuntes Grundstück nur betreten, wenn zugleich das Militärkommando Kärnten das zusätzlich angebrachte Schloss aufsperrt. Jetzt ist auch das nicht mehr möglich: Am 4. April wurde das Militärkommando durch das Ministerium angewiesen, Scherer den Zutritt gänzlich zu verwehren. Gemeinsam mit einem Journalistenteam stand er vor den verschlossenen Toren seines Privatbesitzes.

Feldzug gegen einen Entacher-Vertrauten?

Scherer – übrigens ehemaliger Kommunikationschef des Ministeriums und Stellvertreter des abgesetzten Generalstabschefs Entacher – will jetzt rechtliche Schritte gegen das Kabinett des Bundesministers und insbesondere gegen Kabinettschef Stefan Kammerhofer ergreifen. Er wirft ihm Amtsmissbrauch vor. Es gilt due Unschuldsvermutung. Beim Verfassungsgerichtshof hat der Museumsbetreiber zudem eine Beschwerde gegen den Bescheid bezüglich seiner waffenrechtlichen Verlässlichkeit erhoben.

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Am 7. April wird sich ein Ausschuss des Kärntner Landtages mit dem Bunkermuseum befassen: Neben Scherer sind die Generäle Entacher, Segur-Cabanac, Schneider und Ebner sowie der Kärntner Militärkommandant Brigadier Spath und der Zeithistoriker Univ.-Doz. HR Dr. Schmidl (Landesverteidigungsakademie Wien) um Teilnahme als Auskunftsperson ersucht worden. Zuvor hatte der Kärntner Landtag zwei einstimmige Beschlüsse pro Bunkermuseums gefasst. Er  kämpft gemeinsam mit der Landesregierung und mit der Marktgemeinde Arnoldstein für den Erhalt dieses einmaligen, zeithistorischen Dokuments als Mahnmal des Kalten Krieges im friedlich vereinten Europa.

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