Wiener Magistrat: Wer krank wird, verdient weniger!

 MüllabfuhrWo Rot regiert, herrscht soziale Kälte. Meist trifft es die eigenen Mitarbeiter am schlimmsten. Über die Praktiken, wie die Stadt Wien speziell in der Magistratsabteilung 48 (Müllabfuhr) und Magistratsabteilung 67 (Parkraumüberwachung) mit den Bediensteten umgeht, hat Unzensuriert.at bereits berichtet. Aufgrund dessen melden sich immer mehr Betroffene, die über Missstände klagen. Ganz aktuell: „Ich würde Ihnen gern ein weiteres Minenfeld der Gemeinde Wien aufzeigen“, schrieb eine Leserin.

Es sei Praxis, so die Beschwerdeführerin, Mitarbeiter infolge von Krankenständen massiv unter Druck zu setzen – und zwar mittels so genannter „Niederschriften“, in denen ihnen die Krankenstandstage vorgehalten werden. Die Betroffenen würden aufgefordert, ihre Krankenstände künftig zu reduzieren, andernfalls müssten sie mit dienstrechtlichen Konsequenzen rechnen.

Finanzielle Einbußen für Mitarbeiter

In weiterer Folge würde dann auch ihre Leistungsbeurteilung herabgesetzt, was für die Bediensteten auch tatsächlich handfeste finanzielle Nachteile bringen würde, nämlich in Form des Verlustes der „Leistungszulage“. Diese Zulage, die -abhängig von der jeweiligen Verwendungsgruppe -unterschiedliche Summen ausmacht und z. B. bei einer gewöhnlichen Kanzleibediensteten in der Dienstklasse C III ca. 130 Euro beträgt, werde nur bei einer „sehr guten“ oder „ausgezeichneten“ Beurteilung gewährt.

Die MA67 (Parkraumüberwachung) habe da ein besonders perfides System, meint eine Insiderin. Da gebe es eine so gennannte Matrix, in der der Abteilungsleiter genau festhält, wie mit den Bediensteten im Falle von zu vielen Krankenständen zu verfahren sei. Wer erkrankt, dem wird also der Lohn gekürzt oder aber auch gleich mit Kündigung gedroht. Ein Mitarbeiter der MA48 sprach wohl nicht grundlos von "sozialen Zuständen wie im Mittelalter".

Vassilakou schweigt zu Krankenständen

Unzensuriert.at hat den Sprecher der MA67, Michael Hradil, am 5. April, 9.06 Uhr, um eine Stellungnahme zu diesen Vorwürfen gebeten, aber bis dato leider keine bekommen. Wir wandten uns deshalb auch an den Pressesprecher der Vizebürgermeisterin und zuständigen Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou, Andreas Baur. Doch weder das Mail vom 5. April, noch die Urgenz vom 7. April wurde beantwortet. Schweigen ist aber auch eine Antwort.

Müllabfuhr

Müllabfuhr

Bei der Müllabfuhr interessiert man sich sehr für die Krankheiten der Mitarbeiter.
Foto: Julian Turner / flickr

Unverständlich dabei ist, warum sich die Medien bei der Behandlung von Mitarbeitern durch die Stadt Wien so vornehm zurückhalten. Welchen Wirbel gab es, als 2009 bekannt wurde, dass die Bundesbahnen (ÖBB) illegaler Weise Krankendaten von Mitarbeitern sammeln? Dass z.B. auch die Wiener Müllabfuhr extrem neugierig auf medizinische Diagnosen ihrer Mitarbeiter ist, scheint den von Bürgermeister Michael Häupl dominierten Medien offenbar egal zu sein. Auch wenn die MA48 seit 2002 systematisch die Gründe von Fehlzeiten erhebt.

Verhalten bei Müllabfuhr besonders zynisch

Dabei ist das Verhalten der Vorgesetzten bei der Müllabfuhr ganz besonders zynisch: Müllaufleger klagten gegenüber Unzensuriert.at, dass sie, egal ob Sommer oder Winter, immer mit der gleichen Bekleidung ihren Dienst versehen müssten. Bis dato wäre es nicht gelungen, für die kältere Jahreszeit auch wärmere Kleidung durchzusetzen. Auf der anderen Seite würden Mitarbeiter gemobbt oder gekündigt, wenn sie zu viele Krankenstände hätten. 

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