Marionettenspiel an der Elfenbeinküste

AbijanIn demokratischen Wahlen wird ein neuer Präsident gewählt, doch der abgewählte Amtsinhaber weigert sich seinen Sessel zu räumen und setzt Gewalt ein, um seine Macht zu verteidigen. Der neue Präsident muss nun das demokratische Wahlergebnis mit Waffengewalt gegen seinen diktatorischen Vorgänger durchsetzen, die westliche Staatengemeinschaft unterstützt ihn bei diesem legitimen Streben und möchte so zu Frieden und Sicherheit in dem Land beitragen. Zum Schutz der Zivilbevölkerung greifen auch die UNO und die ehemalige Kolonialmacht militärisch in den Konflikt ein. So wird der Bürgerkrieg in der westafrikanischen Elfenbeinküste in europäischen Medien präsentiert. Eine Darstellung, die zumindest angezweifelt werden darf.

Reichstes Land Westafrikas

Noch vor zwanzig Jahren war die Elfenbeinküste (offiziell Cote d'Ivoire) das reichste und stabilste Land Westafrikas. Die Herrschaft des Präsidenten Felix Houphouet-Boigny galt als vorbildlich, der Staat florierte. Als größter Kakaoexporteur der Erde erlebte die Elfenbeinküste seit ihrer Unabhängigkeit einen stetigen Aufstieg, auf sozialistische Experimente wurde dabei verzichtet. Daneben entwickelten sich im Klima der stabilen Marktwirtschaft auch das produzierende Gewerbe und die Industrie gut. Mit seiner Politik der engen Anlehnung an Frankreich bewahrte Houphouet-Boigny aber auch den Einfluss der ehemaligen Kolonialmacht in seinem Land.

Ungebremste Einwanderung führt zu Konflikten

Abijan

Abijan

Abijan, einst blühendes Zentrum der Elfenbeimküste, ist nun Schauplatz
schwerer Gefechte zwischen Anhängern von Gbagbo und Ouattara.
Foto: Zenman / Wikimedia

Die wirtschaftliche Prosperität des Landes zog mehrere Millionen Einwanderer an, die zum Großteil aus dem nördlichen Nachbarstaat Burkina Faso in die Elfenbeinküste kamen – geschätzte fünf Millionen Menschen alleine von dort. Im Gegensatz zu den christlichen Bewohnern der Cote d'Ivore waren die Zuwanderer fast ausschließlich Muslime, die sich vor allem im Norden des Staates niederließen. Die Massenzuwanderung brachte ethnische und religiöse Konflikte mit sich, zudem konnte die Wirtschaft des Landes den Ansturm kaum mehr bewältigen. Eine Rückkehr in die Herkunftsländer war aber nicht in deren Interesse, da diese so ihre Arbeitslosigkeit mindern konnten und die Abgewanderten ihre Heimatländer mit Transferleistungen unterstützten.

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Unterstützt von Burkina Faso rebellierten Soldaten aus dem Norden des Landes und Zuwanderer 2002 gegen die Zentralregierung, erst das Eingreifen ausländischer, vor allem französischer Soldaten konnte das Blutvergießen stoppen und einen Waffenstillstand vermitteln. Die Elfenbeinküste ist seither de facto zweigeteilt.

Ouattara – Marionette Frankreichs

Alassane Ouattara, ein Muslim aus dem Norden der Elfenbeinküste, dessen Vater aus Burkina Faso stammte, war bereits unter Präsident Houphouet-Boigny aktiv in der Politik und galt als besonderer Vertrauter des Westen, insbesondere Frankreichs. Der 69 jährige Wirtschaftswissenschafter war nach seinem Studium in den USA zunächst beim Internationalen Währungsfonds tätig. 1990 wurde er von Houphouet-Boigny zum Ministerpräsidenten berufen. In dieser Zeit wurden Wasser- und Stromwerke sowie die Eisenbahn der Elfenbeinküste privatisiert und von den französischen Industriellen Vincent Bolloré und Martin Bouygues übernommen, die seither die größten Unternehmer des Landes sind. Beste Beziehungen unterhält Quattara auch zu Frankreichs Präsident Nicholas Sarkozy, der 1990 ihn als Bürgermeister von Neuilly traute und auch zu den Ehrengästen der Hochzeitsgesellschaft zählte.

Einseitige Hilfe des Westens

Laurent Gbagbo

Laurent Gbagbo

In höchster Bedrängnis: Präsident Laurent Gbagbo schützt
sich in einem Bunker vor den Angreifern.
Foto: Zenman / Wikimedia

Zu der Zeit, als Quattara die Privatisierung in der Elfenbeinküste vorantrieb, war sein Widersacher der Geschichtsprofessor Laurent Gbago als politischer Gefangener inhaftiert. Auf Grund seiner Kritik an den harschen Strukturanpassungsmaßnahmen, die der Internationale Währungsfonds der Elfenbeinküste Anfang der 1990er Jahre verordnet hatte, war Gbago im Gegensatz zu Quattara dem Westen suspekt. Entgegen eines gegenseitigen Verteidigungsabkommens weigerte sich Frankreich 2002 dem Hilferuf des nunmehrigen Präsidenten Gbago Folge zu leisten und ihn gegen die Rebellen zu unterstützen. Erst als das Land völlig in Anarchie zu verfallen drohte griffen die Franzosen ein und errichteten einen Sperrriegel zwischen den Kontrahenten, der die Rebellen praktisch zu Herrschern des nördlichen Landesteils machte.

Eben in diesem Teil gab es bei den Präsidentschaftswahlen 2010 grobe Unregelmäßigkeiten. Obwohl der ivoirische Verfassungsrat dies bemängelte, erklärte die UN-Mission im Land Quattara rasch zum Wahlsieger.

Vor allem Frankreich unterstützt seit der Wahl Ouattara auch militärisch, was dessen derzeitigen Vormarsch erst ermöglichte. Die einseitige Hilfe der UNO, Frankreichs und des Westens erweckt in den Anhängern Gbagos den Eindruck, dass es eher um wirtschaftliche Interessen denn um Demokratie und Gerechtigkeit gehe. Angesichts der Vergangenheit Ouattaras und der plötzlichen Eile, mit der die internationale Staatengemeinschaft bestrebt ist, ihn zu unterstützen, scheint dieser Verdacht nicht zu Unrecht zu bestehen.

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