Wirbel im roten Betriebsrat der Linz AG

Linz AG AutoDer jüngste Skandal um einen  Betriebsrat der Linz AG ermöglicht einen Einblick in erstarrte und in sich abgeschlossene Systeme. Ein Mitglied des Betriebsrates eines Tochterunternehmens soll Geld aus der Betriebsratskasse abgezweigt haben. Eigentlich ein Skandal, seine Kollegen sehen das allerdings anders. Der Betriebsrat löste sich zwar auf, aber nicht wegen der mutmaßlichen Selbstbereicherung, sondern weil jemand gepetzt haben muss. Wer möchte schon in einem Nest wohnen, in dem eine Krähe der anderen ein Auge auspickt? Sozialdemokratische Arbeitervertreter jedenfalls nicht.

Die Rede ist laut einer Aussendung der FPÖ Oberösterreich vom roten Betriebsrat und gelernten Maurer, Manfred Stellnberger, der seit ca. 20 Jahren in der Linz AG beschäftigt ist. Dort war er Betriebsratsvorsitzender des Teilunternehmens Linz Service GmbH. Zudem ist Stellnberger auch roter Arbeiterkammerrat. Dem Vernehmen nach geht es um Ungereimtheiten in der Betriebsratskasse. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Mann und hat bereits Hausdurchsuchungen, unter anderem im Büro des Betriebsrates, vorgenommen. Es gilt für ihn die Unschuldsvermutung.

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Die Linz AG gibt sich grün, ist aber tiefrot und könnte nach dem Skandal
im Betriebsrat ihr blaues Wunder erleben.
Foto: Ars Electronica / flickr

"Wir wollen, dass alles möglichst rasch geklärt wird, rechtlich ist das eine Angelegenheit des Betriebsrates. Darauf haben wir in der Unternehmensleitung keinen Einfluss“, rechtfertigt sich Linz-AG-Generaldirektor Alois Froschauer. Der betroffene Betriebsrat sei bereits seit mehreren Monaten im Krankenstand gewesen und konsumiere nun seinen Resturlaub. Anschließend werde sich Stellnberger im Alter von 56 Jahren ganz den Freuden der  – eher weniger als mehr – verdienten Pension hingeben. Auch die Arbeiterkammer will nichts bemerkt haben. Man prüfe regelmäßig den Betriebsratsfonds und habe bei der letzten Prüfung keine Unregelmäßigkeit feststellen können, erklärte Oberösterreichs AK-Chef Johann Kalliauer.

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Der freiheitliche AK-Rat Manfred Pühringer befürwortet die Betriebsratsauflösung in der Linz Service GmbH, wenn auch aus anderen Gründen als die roten Genossen. Er sieht die anstehenden Neuwahlen als große Chance für eine gesicherte, zukünftige Versorgung Linzer und kündigt eine Kandidatur der Freiheitlichen Arbeitnehmer an. Vermutlich werden sie auch gewinnen. Denn der bisher ausschließlich rote Betriebsrat war wohl zu sehr damit beschäftigt zu mauscheln, als sich um die Interessen der Angestellten zu kümmern.

Versorgungsunternehmen – auch für gescheiterte Politiker

Die Service-Gesellschaft der Linz AG besteht aus Müllabfuhr, Wasserver- und Abwasserentsorgung, Bädern, Hafen und Bestattung. Mit 698 Bediensteten ist sie die größte der fünf Gesellschaften der Linz AG, die zu 100 Prozent der Stadt Linz gehört. Insgesamt hat die Linz AG 2668 Bedienstete. Im Vorstand versorgt wird seit Oktober 2010 auch der frühere Landeshauptmann-Stellvertreter und SPO-Obmann Erich Haider, der nach dem Debakel bei den jüngsten Landtagswahlen zurücktreten musste.

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