Österreich morgen. Welche Gesellschaft wollen wir?

Wolfgang LutzDer prominente Bevölkerungswissenschaftler und Wittgenstein-Preisträger Wolfgang Lutz war das Aushängeschild einer Diskussion im Parlament, die heute, 12.4., um 22.15 und drei weitere Male im ORF-Spartenkanal TW1 ausgestrahlt wird. Unter dem Titel „Österreich morgen. Welche Gesellschaft wollen wir?“ gab Lutz den Zahlenrahmen vor und lieferte damit den Politikern der fünf Parlamentsparteien die Basis, auf der sie ihre Visionen für Österreich im Jahr 2030 kundtun sollten. Recht visionär war die Sache allerdings nicht, gilt doch in der Politik weiterhin der Vranitzky-Spruch „Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen“.

Wolfgang Lutz

Wolfgang Lutz

Wolfgang Lutz sieht die Bildung als Schlüssel für eine gute Zukunft.
Foto: Parlamentsdirektion / Bildagentur Zolles / Mike Ranz

Wolfgang Lutz stellte die Bildung als entscheidende Zukunftsfrage dar und verdeutlichte anhand von Vergleichen mit Südkorea und Finnland, dass Österreich diesbezüglich stagniere. Bildung sei schon heute entscheidend für den beruflichen Erfolg von Menschen. Jene, die nur die Pflichtschule abgeschlossen haben, sind seltener erwerbstätig als Menschen mit höherem Abschluss. Die wenig Gebildeten sind bei den Zuwanderern klar in der Überzahl, weshalb hier besondere Anstrengungen nötig seien. Lutz verdeutlichte auch den Zusammenhang zwischen dem Bildungsgrad und dem Stand der Demokratie in verschiedenen Ländern. Gerade n den arabische Staaten Nordafrikas herrsche hier eine große Differenz, wodurch auch der Drang der gut gebildeten, aber perspektivenlosen jungen Menschen zu einem Systemwandel erklärbar sei.

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Die SPÖ-Abgeordnete Elisabeth Hakel versuchte mit einigen naiven Wünschen zu punkten, denen sie durch eine Befragung ihrer Facebook-Freunde einen modernen Anstrich gab. Österreich solle ein Vorzeigeland in der EU werden und beim PISA-Test die Nummer eins. Ganz wichtig sei ihr zudem, dass sie im Jahr 2030 keine Initiativen zum Anti-Rassismus mehr unternehmen müsse. Gabriele Tamandl von der ÖVP forderte von den Unternehmen mehr Familienfreundlichkeit ein und schlug dazu ein nicht näher erklärtes Modell des „Karenzmanagements“ vor, das zum Ziel haben soll, die Auszeit von werdenden Eltern im Betrieb inklusive ihrer Rückkehr in die Arbeitswelt genau zu planen. Karl Öllinger von den Grünen wünscht sich künftig die Möglichkeit, dass Menschen nicht erst am Ende ihres Arbeitslebens in den Ruhestand treten, sondern sich auch zwischendurch eine Auszeit nehmen können, bezahlt mit Geld aus der Arbeitslosenunterstützung. Robert Lugar vom BZÖ  erklärte die demografische Entwicklung für einen entscheidenden gesellschaftlichen Faktor, der geeignet sei, Unruhen und soziale Revolten hervorzurufen, wenn die Politik die drohenden Folgen der Überalterung nicht in den Griff bekomme. Als Lösungsansatz präsentierte er längere Erwerbstätigkeit. Es dürfe nicht sein, dass – etwa bei den ÖBB – 50jährige in die Pension geschickt werden.

Anneliese Kitzmüller

Anneliese Kitzmüller

Anneliese Kitzmüller (FPÖ) sprach sich für bessere Famlienförderung aus
Foto: Parlamentsdirektion / Bildagentur Zolles / Mike Ranz

Auf dem Gebiet der demographischen Erneuerung aus eigener Kraft hatten die meisten Diskussionsteilnehmer inklusive Moderatorin Anneliese Rohrer (Die Presse) die Hoffnung bereits aufgegeben. FPÖ-Familiensprecherin Anneliese Kitzmüller war es daher vorbehalten, eine bessere Förderung von Familien zu fordern. Dies solle durch ein gerechteres Steuersystem in Form eine Splittung nach französischem Vorbild erfolgen. Auch Wissenschaftler Lutz und Diskussionsteilnehmer aus dem Publikum stimmten ihr zu, dass dieses Modell in Frankreich erfolgreich sei, was an der dort signifikant höheren Geburtenrate messbar ist. Kitzmüller war auch die einzige, die auf bessere Bildung der bereits im Land befindlichen Zuwanderer drängte. Jetzt nach qualifizierter Zuwanderung zu rufen, sei zu wenig. Man müsse auch jenen eine Perspektive bieten, die in den letzten Jahrzehnten trotz geringer Bildung ins Land geholt wurden.

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