Humana: Niederösterreich unterstützt umstrittene Kleidersammler

Humana-ContainerWer kennt sie nicht, die Altkleidersammlung. Gebrauchte Kleidung kommt in einen Container am Straßenrand, und irgendwie hilft man damit angeblich Aids-Waisen und hungernden Menschen in der Dritten Welt. Vielleicht aber auch nicht, zumindest kaum, wenn sich der Sammelcontainer im Besitz von "Humana – People to People" befindet.

"Durch Kleidersammlung und -verkauf sowie durch Partnerschaften mit dem zivilen und öffentlichen Sektor unterstützt HUMANA Österreich die Selbsthilfe-Kapazität der ärmsten Menschen der Welt, gegen Armut und Ungleichheit, durch Verbreitung von Wissen, Gesundheit, Schutz der Umwelt, Schaffung von Arbeit und Einkommen für jedermann. Schaffung einer humanen Gesellschaft in einer einzigen Welt – das höchste Ziel", beschreibt die Organisation sich selbst.

Mini-Quote für humanitäre Projekte

Wer hehre Ziele verfolgt, muss auch entsprechende Mittel einsetzen. Das macht man bei Humana auch, allerdings mit Schwerpunkt in der Verwaltung. Der österreichische Ableger gibt kaum fünf Prozent des erwirtschafteten Umsatzes an Entwicklungshilfeprojekte weiter. Diese beeindruckend niedrige Quote ist nicht etwa aus der Luft gegriffen, die Zahl stammt von Henning Mörch, dem Kassier des Vereins, der dies gegenüber dem Magazin Datum eingestehen musste. Doch nicht einmal dieser geringe Betrag findet seinen Weg direkt nach Afrika. Vorher wird das Geld in die Schweizer Zentrale des Vereins geschoben und von dort dann an Projekte ausgeschüttet. Eher unübersichtlich, aber Transparenz haben sich die Mitarbeiter von Humana, wie's aussieht, ohnehin nicht auf ihre Fahnen geschrieben.

Humanes Scientology?

Humana-Container

Humana-Container

Nicht nur in Expertenkreisen erkennt man Ähnlichkeiten zwischen Humana
und einer Sekte – Protest kommt auch von Sprayern.
Foto: /tmp/ / flickr

Hinter den Kleidercontainern und Plakaten traurig blickender Kinder verbirgt sich nämlich mehr als menschenfreundliches Engagement im Geiste des Humanismus. Ein Blick hinter die Kulissen offenbart ein wahres Firmengeflecht, das mitunter sogar sektenähnliche Strukturen zu bieten hat. Mit Scientology und dessen legendären Gründer Ron Hubbard können die Damen und Herren nicht mithalten, die Republik Frankreich hält sie trotzdem für gefährlich. Schon vor mehr als fünfzehn Jahren stufte die dortige Nationalversammlung Humana als "sektiererische Bewegung" ein. Damit sind die Abgeordneten nicht allein. Friedrich Griess, Mitglied des Vorstandes der österreichischen Gesellschaft gegen Sekten- und Kultgefahren, kommt zu denselben Schlüssen. Allerdings wird er konkreter und bringt es mit der Bezeichnung "kommerzielle Sekte" auf den Punkt.

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Folgerichtig erhält Humana in Österreich auch keinerlei öffentliche Unterstützung – mit einer Ausnahme, die Datum herausfand: das Land Niederösterreich. Wieviel Geld wofür genau gezahlt wurde, vermochten aber auch die Journalisten nicht herauszufinden – weder bei Humana noch bei den verantwortlichen um Landeshauptmann Erwin Pröll und Finanzlandesrat Wolfgang Sobotka. Der FPÖ-Abgeordnete Leopold Mayerhofer half daher mit einer parlamentarischen Anfrage nach und bekam die Bestätigung aus dem Außenministerium: 2005 zahlte Niederösterreich 1500 Euro für den Ausbau der Wasserversorgung in Mosambik. 2010 war man wesentlich spendabler: 15.000 Euro für den Bau eines Gemeindezentrums im südafrikanischen Tubatse.

Slowenien: Keine Humana-Container auf öffentlichem Grund

Niederösterreich scheint es nicht zu stören, dass nur ein kleiner Bruchteil des Humana-Geldes den Weg in die karitativen Projekte findet. In ganz Österreich fehlt zusätzlich die Aufklärung darüber. Jeder Bürger vermeint, etwas Gutes zu tun, wenn er seine nicht mehr gebrauchten Kleidungsstücke in den Humana-Container wirft. Slowenien hingegen hat mit den Menschenfreunden abgerechnet. In der Hauptstadt Laibach wurde es Humana bereits untersagt, Container auf öffentlichem Grund zu positionieren.  Dort liegt die Tätigkeit der Vereinigung nicht im öffentlichen Interesse.    

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