Wienerwald: Fest von Häupl und Pröll kostete 165.000 Euro

BiosphärenparkDer Wiener Bürgermeister, Michael Häupl (SPÖ) und der Landeshauptmann von Niederösterreich, Erwin Pröll (ÖVP), sind nicht nur gute Freunde, wie sie bei jeder Gelegenheit beteuern, sondern sie verstehen es offenbar auch, große Feste zu feiern. Besonders feucht-fröhlich geht es dann zu, wenn die Rechnung der Steuerzahler übernimmt. Jetzt hat das Kontrollamt aufgedeckt, dass Häupl und Pröll bei einem Event am Cobenzl rund 165.000 Euro auf Kosten ihrer Bürger ausgegeben haben.

Kennen Sie den Biosphärenpark Wienerwald? Er ist 105.645 Hektar groß und liegt zu 91 Prozent in Niederösterreich. Häupl und Pröll gründeten im Jahr 2006 die „Biosphärenpark Wienerwald Management Gesellschaft m.b.H.“, um dieses Naturgebiet zu schützen. Ein Geschäftsführer und sieben Mitarbeiter sollten dafür sorgen. An und für sich eine gute Idee, doch kommt es immer auf die Ausführung an. Diese aber hat offenbar grobe Mängel, wie das Kontrollamt der Stadt Wien und der NÖ Landesrechnungshof unisono feststellen. In einem 93 Seiten starken Bericht üben sie zum Teil heftige Kritik an der Geschäftsgebarung, und auf Seite 63 ist ein besonderes Schmankerl zu finden: die Feier von Häupl und Pröll auf der Festwiese am Wiener Cobenzl im Juli 2008.

Stadt Wien Marketing mit großer "Reserve" 

Biosphärenpark

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Ein Fest für Groß und Klein im Biospärenpark kostete stolze 165.000 Euro.
Foto: Pressefoto Votava

Lustig wird es schon beim Vergabeauftrag an die Stadt Wien Marketing GmbH (STWM). Das ist jene Veranstaltungsorganisation, bei der schon die unrühmliche Ex-Vizebürgermeisterin Grete Laska (SPÖ) ihre Ex-Mitarbeiter mit fetten Gagen untergebracht hat. Die STWM organisiert viel in Wien. Zum Beispiel den “Eistraum“ auf dem Rathausplatz oder den „Silvesterpfad“. Warum also nicht auch gleich ein ganztägiges Fest für den Biosphärenpark um 140.000 Euro organisieren? Doch der Preis schien der Gesellschaft zu hoch, weshalb man vorschlug, die exorbitant hohe Summe von mehr als 37.000 Euro, die für Werbung ausgegeben werden sollte, zu streichen, stattdessen die Bewerbung des Festes an die Länder Wien und NÖ abzugeben. Zitat aus dem Kontrollamtsbericht: „Die Angebotssumme verminderte sich aber dadurch nicht. Die dafür veranschlagten Kosten […] wurden in der vorliegenden Kalkulation […] nun der sogenannten ‚Reserve’ zugerechnet.“

Kurios: Forstamt erteilte Auftrag

Seriöse Geschäftspraktiken sehen anders aus. Und es geht lustig weiter. Weil sich die Gesellschaft zierte, den Auftrag zu erteilen, übernahm dies schließlich das Forstamt (Magistratsabteilung 49), das auch die Mittelreservierung aus seinem Budget tätigte. Dazu das Kontrollamt: „Da die STWM im alleinigen Eigentum der Stadt Wien steht, ist die Beauftragung durch die MA49 als ‚In-House-Vergabe’ zu werten.“ Sofort erklärten sich die Länder Wien und NÖ bereit, jeweils 50.000 Euro des Fest-Budgets zu übernehmen, die Gesellschaft ebenso 50.000, wobei 20.000 davon zu erbringende Eigenleistungen sind. Jetzt zahlten alle mit, Wien, NÖ und die Gesellschaft – was so viel bedeutet, dass die Rechnung am Ende dem Steuerzahler präsentiert wurde. Und wie! Denn plötzlich machten die Festkosten nicht mehr 140.000 Euro aus, sondern 165.000. Warum, konnten selbst die Kontrolleinrichtungen nicht nachvollziehen. Auch blieb geheim, wie viele Menschen die Feier am Cobenzl besuchten. Wurde im Vorfeld die Besucherzahl von der STWM noch auf 5.000 Personen geschätzt, so hieß es im nachhinein nur lapidar, dass „das Besucherinteresse aufgrund der Witterungsbedingungen nicht den Erwartungen entsprach“.

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Macht nichts. Hauptsache Häupl und Pröll, die im Zuge des Festes Teilnehmern an Wettbewerben Preise übergaben, hatten ihre Gaudi. Wenigstens einmal. Denn aufgrund des Flops soll es so ein teures Fest auf Kosten der Steuerzahler dem Vernehmen nach nicht mehr geben.

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