Horror im Gemeindebau – Ratten, Kot und Krieg um die Waschmaschine

Der Wiener SPÖ-Wohnbaustadtrat Michael Ludwig ist glücklich. Seine zwölf Ordnungsberater touren durch 2.000 Gemeindebauten und sorgen angeblich dafür, dass die Hausordnung eingehalten wird, Missstände ausgeräumt und Streitfälle beseitigt werden. Bei Verstößen gegen das Reinhaltegesetz darf die Truppe sogar Strafen zwischen 36 und 74 Euro aussprechen. „Wir leisten mit den neuen Ordnungsberatern einen wichtigen Beitrag zu noch mehr Wohnqualität“, gibt sich Ludwig selbstsicher in Zeitungsartikeln.

Allerdings dürften die Saubermacher von Wiener Wohnen nicht überall angekommen sein. Im Josef Bohmann-Hof, einer Wohnanlage im 22. Bezirk mit über 5.000 Bewohnern, hat man sich mittlerweile an die Alltagsprobleme im Gemeindebau gewöhnt, oder besser gesagt: Man hat bereits resigniert. Hausrat auf der Straße, Einkaufswägen in der Botanik, Kühlschränke, Waschmaschinen und ganze Schlafzimmereinrichtungen liegen verstreut in den Müllinseln – so sieht der ganz normale Alltag vieler Wiener aus. Im Altpapiercontainer sorgt der Mix aus Papier, Glas, Koch- und Speiseresten oder Sondermüll wie Speiseöl und Autobatterien für betörende Düfte und ungewohnt hervorragende Lebensqualität für kleine Nagetiere.

„Interventionen bei Wiener Wohnen zu diesen Problemen werden konsequent ignoriert. Stattdessen folgt eine weitere saftige Gebührenerhöhung für die Mieter“, zeigt sich ein langjähriger Bewohner des Hauses empört. Nach der Renovierung im Jahre 2004 wurden die durchschnittlichen Mieten bereits von 400 Euro auf über 600 Euro erhöht, und das ohne Warmwasser, Strom oder Heizung. Verständlich sind also die enttäuschten Reaktionen aus der Bevölkerung, die mit der Sauberkeitspropaganda des Stadtrates für Wohnen, Wohnbau und Stadterneuerung nur wenig anfangen können.

Besonders unappetitliche Unsitten spiele sich neuerlich im Inneren des Hauses ab: Die Notdurft wird nunmehr mitten im Stiegenhaus hinterlassen. Ein diesbezüglicher Anruf bei der Servicehotline von Wiener Wohnen an einem Samstag um 15 Uhr schilderte ein Mieter so: „Die Scheiße wird entfernt, es wird aber ein paar Stunden dauern“. Nachdem nichts geschah, ein neuerlicher Anruf am Sonntag Vormittag: „Regen Sie sich nicht auf, die Auskunft des Kollegen gestern war falsch, es gibt für diese Dinge keinen Wochenenddienst. Sie müssen sich schon bis Montag gedulden!“ Neben dem zentimeterdicken Taubenkot auf Fenstern, Balkonen, Hauseingängen und Spielplätzen und dem freundlichen „Leben’s damit!“ aus der Servicehotline ein neuer Höhepunkt der prophezeiten herausragenden Wohnqualität im Wiener Gemeindebau.

Durch den Zuzug vieler ausländischer Mieter kommt es immer öfter zu Spannungen zwischen den Hausparteien. Nächtelange Streitereien und hysterisches Geschrei gehen mit orientalischen Feiern bis in die Morgenstunden Hand in Hand. Die Waschküchen sind nach Einteilung in ein Zeitsystem und der Übergabe in die Selbständigkeit der Mieter zur freien Kampfzone geworden. Oft sind sie tagelang besetzt, an Sonn- und Feiertagen im Dauerbetrieb und werden zum Mittelpunkt von Auseinandersetzungen. Ein besonders skurriler Fall ereignete sich vor wenigen Wochen: Eine verschleierte Frau, die nach Angaben mehrerer Mieter nicht in dieser Stiege wohnte, nahm die halbgewaschene Wäsche einer in den dort aufliegenden Kalender ordentlich eingetragenen Mieterin aus der Waschmaschine und warf diese in den Mülleimer. Bei Wiener Wohnen kam dazu die prompte Antwort, man solle sich doch an die Polizei wenden.

In den Augen vieler alteingesessener österreichischer Mieter ist weder ein Integrations- noch ein Anpassungswille von den vielen neu eingebürgerten Mietern und ihren ausländischen Mitbewohnern bemerkbar. Im Gegenteil: Die Probleme des Miteinanders sind überhaupt nicht gelöst. Das wird sich auch durch die SPÖ-Alibiaktionen nicht ändern. Die wirklichen Ärgernisse, mit denen jeder Wiener Gemeindebaubewohner tagtäglich konfrontiert ist, werden durch Häupl, Ludwig und andere rote Rathausfunktionäre weiterhin ignoriert.

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