China rüstet Saudi Arabien mit neuen Raketen auf

Dongfeng 21Laut jüngsten Meldungen versucht Saudi Arabien sein Raketenarsenal zu erweitern und zu modernisieren. Erst letztes Jahr schloss der größte Erdölexporteur der Erde einen 60 Milliarden US-Dollar schweren Waffenhandel, der moderne Flugzeuge und Kampfhubschrauber einschließt, mit den USA ab. Mit dem derzeitigen Ankauf chinesischer Mittel- und Kurzstreckenraketen könnte der reiche Wüstenstaat sein strategisches Potential weiter ausbauen – nicht unbedingt zur Freude aller Staaten der Region.

China lieferte bereits früh erste Mittelstreckenraketen an Saudi Arabien

Bereits 1988 lieferte China erstmals Raketentechnik nach Saudi Arabien. Mit seiner Forderung nach Mittelstreckenraketen war das wahabitische Königreich bei den verbündeten US-Amerikanern zunächst abgeblitzt, die sich aus Rücksicht auf Israel weigerten, derartige Waffensysteme an arabische Staaten abzugeben. Nach dieser Absage wandten sich die Saudis an das kommunistische China, zu dem damals nicht einmal diplomatische Beziehungen bestanden. Die Chinesen lieferten schließlich für geschätzte drei Milliarden Dollar etwa 60 Dongfeng 3 (NATO Code CSS 2) Mittelstreckenraketen mit maximal 4000 Kilometer Reichweite (Einsatzreichweite 2500 Km). Offiziell sollten sich diese Waffen gegen den schiitischen Erzfeind Iran richten, dennoch erwogen die Israelis einen Präventivschlag wie gegen den Atomreaktor Osirak im Irak 1982.

Neue Raketen für König Abdullah

Dongfeng 21

Dongfeng 21

Die Donfeng 21 Mittelstreckenrakete kann von mobilen
Rampen abgefeuert werden
Foto: Terrorfalc / Wikimedia

Die Dongfeng 3 ist in der Lage, neben konventionellen auch atomare oder chemische Sprengköpfe zu tragen, galt aber Ende der 1980er Jahre bereits als veraltet und wenig effektiv. Auf Grund ihrer großen Ungenauigkeit ist diese Rakete zum Einsatz gegen militärische Ziele kaum geeignet, nur ein Einsatz als Terror- und Vergeltungswaffe scheint sinnvoll. Mit ihrer Reichweite wären die Waffen aber in der Lage, sowohl den Iran als auch Israel zu treffen.

Die Dongfeng 21 (NATO Code CSS 5) ist wesentlich moderner und dementsprechend zielgenauer. Bei einer Einsatzreichweite von ebenfalls 2500 Kilometern erreicht sie eine wesentlich höhere Treffergenauigkeit und kann zudem von mobilen, mit LKWs gezogenen Abschussbasen abgefeuert werden; die Zeit von der Fahrtunterbrechung bis zum Abschuss liegt unter einer Stunde. Die Dongfeng 15 (NATO Code CSS 6) ist eine zielgenaue, mobile Kurzstreckenrakete mit einer Einsatzreichweite von 600 Kilometern, ebenso wie die Dongfeng 21 kann sie mit Nuklearsprengköpfen bestückt werden. Sollten diese beiden Modelle wie berichtet an Saudi Arabien geliefert werden, so würde dies die ohnehin bereits  große Schlagkraft der königlich-saudischen Armee deutlich erhöhen.

Saudi Arabiens atomare Bestrebungen

Seit längerem wird über die atomaren Bestrebungen Saudi Arabiens spekuliert. Vor allem das pakistanische Atom- und Raketenprogramm wurde massiv mit saudischen Petrodollars mitfinanziert, Kontakte zwischen den Saudis und dem Vater der islamischen, pakistanischen Atombombe, Abdul Khan, sind bestätigt. Saudi Arabien könnte aus Pakistan Atomwaffen erwerben, auch die Lieferung chinesischer Nuklearwaffen über ein Mittelsland – hier ist wieder Pakistan im Gespräch – scheint möglich. Für Peking, das inzwischen der größte Importeur saudischen Erdöls ist, könnte dies eine Möglichkeit sein, seinen Einfluss in dieser Region weiter auszubauen.

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Sollte nach Israel auch der Iran in den Besitz der "Bombe" gelangen, könnte dies für Saudi Arabien der endgültige Anstoß sein, sich ebenfalls dieser Technologie zu bemächtigen. Da es an finanziellen Mitteln nicht mangelt, wäre dies für die Saudis nur ein Frage der Zeit.

Sind die saudischen Ambitionen eine Gefahr für die USA?

König Abdullah

König Abdullah

König Abdullah verstärkt seine Streitkräfte
Foto: Cherie A. Thurlby / Wikimedia

Dass Peking in den beiden wichtigsten islamischen Bündnispartner der USA – Saudi Arabien und Pakistan – mehr und mehr Einfluss erringt, lässt in Washington naturgemäß die Alarmglocken schallen. Insgesamt entwickelt sich die Situation im Nahen und Mittleren Osten nicht unbedingt günstig für die US-Amerikaner. Die Lage in ihren beiden Protektoraten Irak und Afghanistan hat sich so weit zugespitzt, dass den Strategen im Pentagon nur mehr der geordnete Rückzug bleibt; Pakistan wird mehr und mehr zum hochgerüsteten Risikofaktor, während das Regime in Teheran weiter fest im Sattel sitzt. Wohin sich Ägypten entwickeln wird, ist unklar, auch wenn derzeit noch die US-freundliche Armeeführung das Sagen hat. Wie schnell die USA ihren Verbündeten Hosni Mubarak fallen ließen, mag König Abdullah von Saudi Arabien zu denken gegeben haben.

Ein Rückzug der USA aus Saudi Arabien steht momentan dennoch für beide Seiten nicht zur Debatte. Weiterhin agiert Washington entsprechend der Carter-Doktrin: "Jeder Versuch einer auswärtigen Macht, die Kontrolle über den Persischen Golf zu erlangen, wird als Angriff auf die vitalen Interessen der USA betrachtet und … mit allen erforderlichen Mitteln, einschließlich militärischer, zurückgeschlagen werden" Aber auch für das saudische Regime steht Angesichts der Unruhe in der Umgebung zu viel auf dem Spiel, um es sich mit der mächtigen Supermacht völlig zu verderben. Eine Ausweitung der sich anbahnenden Allianz mit China könnte Saudi Arabien aber mehr Gestaltungsmöglichkeiten in seiner Außenpolitik ermöglichen und seinen Status als Regionalmacht weiter unterstreichen.

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