Österreich-Vignetten: Im Jänner kleben, im Dezember zahlen

Es gibt kaum eine Tageszeitung in der heimischen Medienlandschaft, die den Leser nicht für sein neu abgeschlossenes Abonnement mit einem kleinen Werbegeschenk belohnt. Ob Reisekoffer, Manikürset, Musikspieler oder Mikrofasertücher für die Hausfrau – dem Erfindungsreichtum der Verleger und ihren Marketingabteilungen sind keine Grenzen gesetzt.


Um die schrumpfende Stammleserschaft bei Laune zu halten und am hart erkämpften Markt neue Zeitungsleser zu gewinnen, greift man auch zu hochpreisigen Prämien: Autobahnvignetten für das kommende Jahr. So bietet die Tageszeitung "Österreich" auch heuer wieder ein 12-Monats-Abo inklusive kostenloser Autobahnvignette für das Jahr 2010 um 17,90 Euro pro Monat an. Die Versandspesen miteinbezogen bezahlt der Neukunde daher insgesamt 219,80 Euro.

Ein lukratives Angebot für Autofahrer – und natürlich auch für den Verlag. Bei immerhin über 4 Millionen zugelassenen PKWs in Österreich kann sich der auf eine Welle von Neu-Abos freuen. Oder auf den von der Asfinag georderten Vignetten sitzen bleiben, was offenbar im vorigen Jahr geschah, weil die Straßenbaugesellschaft wegen offener Rechnungen in der Höhe von 1,5 Millionen Euro eine Klage gegen die Tageszeitung "Österreich" einbringen musste. In Summe wurden Vignetten im Wert von 7,74 Millionen Euro eingekauft, jedoch nicht vollständig bezahlt. Österreich-Chef Wolfgang Fellner dementierte prompt, sprach von nichtbezahlten Inseraten der Asfinag und ortete einen "Saldenstreit" der von der Konkurrenz herbeigeführt wurde. Das wiederum lies die Straßenbaugesellschaft nicht auf sich sitzen und klagte gegen die nach ihren Angaben falschen Behauptungen.

Ab 1. Dezember sollen die fliederfarbenen Pickerl fürs Jahr 2010 an die Leserschaft zugestellt werden – pünktlich wurde deshalb auch der Vignettenstreit beigelegt. Der ausstehende Betrag werde samt Zinsen bis Jahresende beglichen, teilt die Asfinag mit. Die Geschäftsbeziehung soll überdies wieder freundschaftlich fortgeführt werden. Über die Zahlungsfrist würde sich freilich auch der gemeine Autofahrer freuen. Vielleicht wäre das ja auch ein Werbeslogan für die Asfinag: "Im Jänner kleben – im Dezember zahlen".

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