Im Unzensuriert-Bankentest: Bank Austria

Der Unzensuriert-Bankentest prüft die Qualität der Anlageberatung heimischer Banken. Nach eigenständiger Recherche im Internet und Studium der in den Filialen aufliegenden Prospekte holt ein 23jähriger Student persönlich genaue Informationen zu komplexen Anlageprodukten ein. Der erste Weg führt in die Bank Austria. Dort schildert er sein Anliegen. 10.000 Euro – von der Großmutter in Form eines Sparbuchs geschenkt – möchte er in den S.M.I.L.E Garant II investieren. Die Eigenschaften des Produkts knapp zusammengefasst: 11 Jahre Laufzeit, 110%ige Auszahlung am Laufzeitende; Kapitalgarantie und garantierter Inflationsausgleich. Zusätzlich profitiert man vom Wertzuwachs von Aktien und Gold. Als Lebensversicherung bietet das Produkt 110% Ablebensschutz. Hier der Bericht unseres Testkunden:

Kaum habe ich mein Anliegen am Schalter deponiert, werde ich auch schon in den zweiten Stock geleitet, wo die Schreibtische der Privat- und Firmenkundenbetreuer stehen. Sehr höflich und zuvorkommend wird mir von meinem Berater ein Kaffee gebracht. Ich erzähle meine Geschichte: „Meine Oma hat mir vor kurzem ein Sparbuch geschenkt mit 10.000 Euro. Dieses Geld möchte ich mit mehr Ertrag anlegen und bin im Internet auf den S.M.I.LE. Garant II gestoßen." Nach unauffälligem Durchatmen holt der Berater eine Broschüre hervor. Er versucht, mir bis ins letzte Detail das von mir als Laie vorgeschlagene Produkt zu erklären. Ich lasse mich schon einige Minuten berieseln und warte noch auf einige wichtige Fragen, wie zum Beispiel welche Ansparprodukte ich bereits habe oder was ich später mit dem Geld vorhabe. Aber die erste Phase des Beratungsgesprächs, die Analyse, fällt zur Gänze aus. Die Informationen, die mir über den S.M.I.L.E. Garant II gegeben werden, sind allerdings sachlich sehr gut und auch ausgezeichnet aufbereitet. Ich bin mir nicht zu hundert Prozent sicher, aber ich denke, ich habe verstanden, wie diese Anlagemöglichkeit funktioniert. Zwischendurch kommen auch immer wieder kleine Zwischenfragen, die nichts mit meinem Anliegen zu tun haben: Wo ich mein Studentenkonto habe und warum ich nicht hier Kunde bin. Diese Fragen blende ich aus und mache den Berater auf das Kleingedruckte im Prospekt aufmerksam machen und frage nach dessen Bedeutung. Leichtes Stottern, durchatmen, Räuspern, und er gesteht. "So ganz genau weiß ich das jetzt auch nicht, aber haben Sie sonst noch Fragen die ich Ihnen beantworten könnte?" Die habe ich nicht. In einem kurzen Smalltalk über Studentenleben und Nebenjobs fragt der Berater dann beiläufig, ob ich auch noch anders spare. Das hätte er erwartet, bevor er 25 Minuten lang das Produkt erklärt. Einen zweiten Kaffee später verlasse ich die Bank und rekapituliere gedanklich, dass ich jetzt jede Menge über den S.M.I.L.E Garant II weiß, jedoch der Bankberater so gut wie nichts über mich. Nicht wie viel ich verdiene, nicht ob ich das Geld vielleicht schon in 5 Jahren brauche und nicht erst in 11, nicht ob ich überhaupt ein Garantieprodukt haben will oder vielleicht doch lieber ein risikoreicheres.

Zusammengefasst war das Gespräch sehr informativ, der Berater war sehr höflich und hat ausführlich und anschaulich erklärt. Im Großen und Ganzen habe ich mich wohl gefühlt, allerdings hat der Berater nicht das getan wofür es ihn eigentlich gibt, nämlich beraten anstatt zu erklären.

Die schriftlichen Informationen verdienen die Note 2, fürs Beratungsgespräch gibt s eine klare 3, ermittelt aus einer detaillierten Bewertung einzelner Kriterien. Die Gesamtnote der Bank Austria erfahren Sie am Montag in der Zusammenfassung der Testergebnisse.

Morgen im Unzensuriert-Bankentest: Die Erste Bank mit dem "Best Garant Nachhaltigkeit II".

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