Die menschenverachtende Abgehobenheit der Bettellobby

BettelverbotDer Kampf gegen das in der Steiermark seit 1. Mai gültige Bettelverbot ist für sozial engagierte Menschen Ehrensache. Immerhin schließt es die Schwächsten der Gesellschaft von der offenbar einzigen Möglichkeit aus, wie sie Geld für sich und ihre Familien „verdienen“ können. Da setzen sich dann auch gerne einmal ein paar Linksbewegte auf die Straße und betteln aus Solidarität mit den Armen.

Bettelverbot

Bettelverbot

Wieviel Menschlichkeit steckt hinter dem Kampf gegen das Bettelverbot?
Foto: herrklemann / flickr

Hans Winkler deckt heute in seinem Gastkommentar in der Presse die Heuchelei auf, die hinter der Empörung über das Bettelverbot steckt, von dem hauptsächlich Angehörige der Roma-Volksgruppe aus der Slowakei betroffen sind: „Es ist ja nicht ohne Ironie, dass jene, die vorgeben, es mit den Roma gut zu meinen, es für eine große Errungenschaft halten, wenn diese die entwürdigendste und ökonomisch unsinnigste Beschäftigung ergreifen dürfen, nämlich zu betteln.“ Sauer stößt Winkler auch auf, dass Menschenrechtsaktivisten das Recht zu betteln mit dem Recht auf Privatleben begründen: „Gemeint ist damit nicht, dass sie ein schönes Eigenheim in der Slowakei bekommen, sondern dass sich junge, kräftige Menschen bei Bruthitze und Eiseskälte zwölf Stunden am Tag auf die Straße setzen dürfen.“ Unerwähnt bleibt auch nicht, dass die Initiative, den Bettlern alternative, nach der Osterweiterung des Arbeitsmarkts legale Arbeitsplätze anzubieten, auf mäßige Gegenliebe stößt. Winkler äußert zudem den Verdacht, dass die Bettler von ihren Befürworern als Mitel zum Zweck missbraucht werden – als "Ankläger gegen die 'Verteilungsungerechtigkeit', gewissermaßen eine Antiglobalisierungs-NGO".

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Das Problem einer großen Bevölkerungsgruppe, die kaum in den Arbeitsmarkt integrierbar ist, lässt sich weder durch EU-weite Erwerbsfreiheit noch durch Reisefreiheit lösen, mittels derer insbesondere Rumänien und Bulgarien ihre Roma anderen Staaten überantworten. Lösungen, die diesen Menschen sozialen Aufstieg und damit bessere Lebensbedingungen ermöglichen, sind nur vor Ort möglich. Winkler lobt in diesem Zusammenhang das aktuell vielgescholtene Ungarn, das seinen Roma nun neben Bildung auch Arbeitsplätze im Staatsdienst und Stipendien für Gymnasien und Universitäten verschaffen will.

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