Wirbel um Wohnung für „rote Gabi“ in Salzburg

Burgstaller und FaymannGenossin im Genuss der Genossenschaft. Luxus-Haus zum Spottpreis. Affäre könnte „rote Gabi“ den Kopf kosten – Die Schlagzeilen in den Medien über die luxuriöse Genossenschaftswohnung von Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) zum Sozialtarif überschlugen sich förmlich. Mit recht: Denn Burgstaller und ihr Ehemann Anton Holzer, er ist Landesrettungskommandant, verdienen gemeinsam rund 20.000 Euro pro Monat, zahlen für ihr Domizil aber nur 300 Euro (so der Kurier) oder 600 Euro (so die Salzburger Nachrichten).

Im Mai durfte Österreich erfahren, wie vorbildlich Salzburg beim Thema leistbares Wohnen sei. Landeshauptfrau Gabi Burgstaller: „Die Kosten für das Wohnen betreffen jede Salzburgerin und jeden Salzburger. Wir arbeiten hart daran, dass Wohnen leistbar bleibt."?Leistbares Wohnen. Zumindest für Gabi Burgstaller gilt diese Parole mit Sicherheit. Salzburgs First Lady darf besonders preisgünstig wohnen  – in einem Haus in Hallein, das eigentlich für sozial Bedürftige gedacht wäre. Gabi Burgstaller nutzt mit ihrem Mann insgesamt drei Etagen, Dachterrasse inklusive.

„Inhaltlich falsch und grob irreführend. Es gibt weder rechtlich noch politisch oder moralisch fragwürdige Punkte, was die private Wohnsituation von Landeshauptfrau Burgstaller betrifft.“ So lautete der Kommentar aus dem Büro von Burgstaller. Sie selbst weist die Darstellung „auf das Schärfste zurück“. Ein Anwalt wurde eingeschaltet, berichteten die Salzburger Nachrichten.

Burgstaller: „Aus Liebe zu meinem Mann gezogen“

Anton Holzer habe die Wohnung seit 1992 gemietet – und mit eigenem Geld saniert, heißt es. 2008 sei diese Wohnung mit einer zweiten zusammengelegt worden. In die Sanierung der Substanz habe Holzer nochmals 60.000 Euro gesteckt. Die Miete für die jetzt 115 m2 große Wohnung sei „erheblich höher als 300 Euro“. Die Rede ist von rund 600 Euro – ohne Strom und Heizung. Im Kurier äußerst sich Gabi Burgstaller rührend: „Ich bin einfach aus Liebe zu meinem Mann gezogen. Das kann man mir doch nicht vorwerfen."

Die „Gemeinnützige Ein- und Mehrfamilien Baugenossenschaft“ (EBG) in Wien betont, dass es sich nicht um eine geförderte Wohnung handle. Deshalb unterliege sie auch keinen Einkommensobergrenzen. Die EBG stellt „unmissverständlich fest, dass sie völlig statutenkonform gehandelt hat“.

Kanzler Faymann als Heckenschütze?

Burgstaller und Faymann

Burgstaller und Faymann

Gabi Burgstaller steht wegen ihrer Genossenschaftswohnung in der Kritik.
In der SPÖ scheinen sich manche deswegen die Hände zu reiben.
Foto: Johannes Zinner / Werner Faymann / flickr (CC BY-ND 2.0)

Höflich formuliert handelt es sich um eine eher unglückliche Außenwirkung, zumal es sich bei Frau Burgstaller um die Frontfrau der österreichischen Sozialdemokratie handelt. Als solche wird sie Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) offenbar zu gefährlich, weshalb dieser  – geschickt im Hintergrund – auf die „rote Gabi“ medial schießen lassen könnte. Bereits im Landtagswahlkampf 2004 wurde übrigens versucht, die Wohnsituation Burgstallers in ein schiefes Licht zu rücken. Damals wurden derartige Behauptungen sogar bis ins Plenum des Nationalrats getragen und die Vorwürfe kamen von anderen Parteien, diesmal könnten die eigenen Genossen dahinter stecken. Aus folgenden Gründen: So stellte sich Burgstaller bei der Absetzung von Generalstabschef Edmund Entacher gegen Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ). Sie kann sich auch entgegen der Parteilinie Studiengebühren vorstellen. Wen wunderts, dass die von Regierungsinseraten abhängige Tageszeitung Österreich schreiben darf, dass Burgstaller für die SPÖ zur Belastung werde und dass diese Aussage der Zeitung aus der Bundes-SPÖ zugeflüstert worden sei.

Ungeklärte Rolle bei Osterfestspiel-Affäre

Schaut nach einem internen Machtkampf bei den Roten aus. Doch darf diese Schlacht zwischen Faymann und Burgstaller nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Affäre um Gabis Luxus-Bleibe zum Spottpreis eine problematische Optik ergibt. Die so genannten kleinen Leute, denen leistbares Wohnen verwehrt bleibt, fühlen sich gefrotzelt. Außerdem ist es nicht das erste Mal, dass die Landeshauptfrau ins Fettnäpfchen tritt: Im Zuge der Affäre um die Osterfestspiele kam zutage, dass Burgstaller bei der Beschaffung der österreichischen Staatsbürgerschaft für einen russischen Millionär und Mäzen der Festspiele als Mittelsfrau fungiert haben soll. Entsprechende Ermittlungen wurden jedoch eingestellt.

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