Acht Seiten bezahlter Sportteil für „Heute“

Heute SportJe näher der Sommer rückt, desto dünner ist das Inseraten-Aufkommen in den Zeitungen. Die Gratis-Tageszeitung Heute, die in Wien vor allem bei U-Bahn-Stationen verteilt wird, braucht sich da wenig Sorgen zu machen: Wenn es geschäftlich nicht so läuft, springt regelmäßig die Stadt Wien in die Bresche. Eindrucksvoll: In der Ausgabe vom 20. Mai hat Sportstadtrat Christian Oxonitsch sage und schreibe acht Seiten geschaltet.

Heute Sport

Heute Sport

Acht Seiten Lobhudelei über den Wiener Sport in Heute. Besonders sportlich,
weil am öftesten fotografiert: SPÖ-Stadtrat Oxonoitsch. (rechts oben).
Foto: Unzensuriert.at

Natürlich auf Kosten der Steuerzahler, natürlich mit seinem Konterfei auf jeder dritten Seite und natürlich bei einem befreundeten Medium, wie Heute es eben ist. Laut einer Studie des VÖZ (Verband Österreichischer Zeitungsherausgeber) ist diese Gratis-Tageszeitung bei den Regierungen im Bund und im Land Wien äußerst beliebt. Demnach sollen 29 Prozent der bezahlten Anzeigen in diesem Medium direkt von den roten Ministerien und Bundeskanzler Werner Faymann bzw. von den roten Stadträten in Wien und Bürgermeister Michael Häupl kommen. Faymann und Häupl sind sich der positiven Berichterstattung des Blattes sicher. Sie brauchen sich nicht zu fürchten, dass Eva Dichands Barakuda-Redakteure auf sie losgehen.

Dichand und Faymann als Drahtzieher 

Die Nähe der Zeitung Heute zu Faymann und zu den Roten sowie zum Haus Dichand ist bekannt. Nicht zufällig sitzen in der Geschäftsführung die Schwiegertochter des verstorbenen Hans Dichand, der als eigentlicher Drahtzieher des Nachfolgeblattes der ursprünglich von der Mediaprint herausgegebenen und schwer defizitären U-Bahn-Zeitung gilt, und der frühere Büroleiter des damaligen Wiener Wohnbaustadtrates, Werner Faymann, Wolfgang Jansky. Wie die Eigentumsverhältnisse genau sind, ist bis heute ein gut gehütetes Geheimnis. Als sicher kann dagegen angenommen werden, dass Heute mit Inseraten, die Rekordsummen einbringen und von der Bevölkerung bezahlt werden müssen, zugepflastert wird. Ein weiterer Höhepunkt dieses unverschämten Vorgangs: Die achtseitige Strecke am 20. Mai, die eine Unmenge an Geld verschlungen haben muss und in der über Sportmöglichkeiten in Wien berichtet wird. Mit bunten, übergroßen Bildern und der Erkenntnis: „Fußball fasziniert die ganze Welt!“ Das Ganze nennt sich „Sport in Wien spezial“ und zeigt den zuständigen Stadtrat drei Mal im Bild, zudem darf er in einer zweiseitigen Selbstbelobigung zahlreiche gescheite Sätze sagen.

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Bei solcher Unverfrorenheit ist es nicht verwunderlich, dass Staatssekretär Josef Ostermayer sich mit dem Gesetz  für eine transparente Werbung durch Bund und Länder Zeit lässt. Nicht überraschend war auch die ablehnende Haltung der SPÖ-regierten Stadt Wien zu diesem Vorhaben. Kontrolle und Transparenz wären für die Sozialisten Gift. Denn dann könnten sie sich nicht mehr auf den Datenschutz berufen, wenn Anfragen zu solchen Anzeigen-Strecken in Zeitungen kommen. Es würde sich auch als schwieriger erweisen, die Redaktionen durch Inseraten-Booms am Gängelband zu halten. 

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