Songcontest: Nadine Beiler ein politisches Opfer?

BildWo die roten Macher die Finger im Spiel haben, geht meistens alles schief. Meint man damit den ORF, dann ist eine 100-Prozent-Quote wahrscheinlich. „Mitten im Achten“, „Chili“, „Wie bitte?“ und viele andere Eigenproduktionen haben Millionen gekostet, der Erfolg aber blieb aus. Zuletzt beim Songcontest kamen Generaldirektor Alexander Wrabetz und sein Team wenigstens mit einem blauen Auge davon.

Nadine Beiler

Nadine Beiler

Nadine Beiler setze sich im ORF-Ränkespiel durch.
Die internationale Songcontest-Politik war ihr zu hoch.
Foto: Frédéric de Villamil / flickr (CC BY-SA 2.0)

Nadine Beiler, die Österreich in Düsseldorf beim Songcontest vertrat und den 18. Platz belegte, sagte nach der enttäuschenden Platzierung mit ihrem sympathischen Tiroler Dialekt folgendes in die Kamera: „Man hat ja gesehen, dass es politisch zuging.“ Sie meinte damit, dass sich nahestehende Länder die Punkte gegenseitig zugeschoben haben und es so zum Sieg für Aserbaidschan kam. Kann schon sein, dass die Siegerin der Starmania-Talenteshow 2007 mit ihrer Replik recht hat, doch wenn schon so ehrlich geradeaus, dann gleich die ganze Wahrheit: Dass Beiler die Songcontest-Ausscheidung in Österreich gewonnen hat, ist nicht nur ihrer – zugegeben – tollen Stimme zuzuschreiben, sondern auch ihrem Mentor Thomas Rabitsch. Er gilt als eingefleischter Roter und als einer, „der gute Kontakte zum ORF hat“ (so Christoph Grissemann in der Presse). Das Urgestein des österreichischen Pop hat nicht nur den Song „The Secret of Love“ (Plagiatsvorwürfe wurden nie bestätigt) geschrieben, sondern Rabitsch war so ziemlich bei allem dabei, was beim ORF Geld brachte: als musikalischer Leiter der Shows „Starmania“ und „Dancing Stars“. So kann man als Musiker gut leben – sein Studio befindet sich in einem schmucken Haus am Fuße des Wilhelminenbergs in Wien.

Von Vetternwirtschaft in Österreich profitiert

Wenn Nadine Beiler sich also darüber mokiert, dass sie in Düsseldorf politisches Opfer im Sinne von Freunderlwirtschaft wurde, so muss sie auch ehrlicherweise zugeben, von der Vetternwirtschaft in Österreich profitiert zu haben. Genauso wie Lukas Plöchl, der Zweitplatzierte der ORF-Show „Helden von morgen“, der beim Österreich-Finale des Songcontests ebenfalls den zweiten Rang belegte. Oder Richard Klein, im wirklichen Leben FM4-Mitarbeiter, der von den schrulligen Moderatoren von „Willkommen Österreich“, Dirk Stermann und Christoph Grissemann, gepusht wurde.

Teilnehmer mit dem ORF verbandelt

Schwer zu übersehen: Alle, die beim Songcontest eine Rolle spielten, sind irgendwie mit dem ORF verbandelt. Wer an eine gerechte Vorauswahl glaubte, wurde schnell eines Besseren belehrt und fühlte sich nach dem undurchsichtigen Ö3-Voting nur noch als Kulisse der Beilers, Pöchls und Kleins. Jetzt kann man nicht einmal sagen, dass der ORF im Fall von Beiler total daneben griff. Im Gegensatz zu den vorherigen Versuchen des ORF, wo das Staatsfernsehen mit ehemaligen Starmania-Sängern nicht einmal das Finale erreichte. Die Tirolerin Beiler ist freilich eine liebreizende Erscheinung mit ihren großen Augen und ihrer frankophilen Pagenkopffrisur. Sie erhoffte sich mehr, der ORF wohl auch, vielleicht fehlte es an Originalität – doch gerade das lassen die Machthaber in dieser ORF-Abteilung nicht zu. Jedes Jahr wieder wollen sie Gesichter durchpeitschen, die der ORF gemacht hat. Und jedes Jahr erleben sie damit ein bitteres Erwachen. Das Schlimmste aber ist, dass sie aus den Fehlern nichts lernen.

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Es gibt auch Talente, die außerhalb des ORF reifen und lieber einen subversiven Weg gehen, als sich für eine Serie des Staatsfernsehens künstlerisch zu prostituieren.

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