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Was kostet die Energiewende?

25. Mai 2011 - 14:21

AtomausstiegSeit dem Unfall im Kernkraftwerk Fukushima ist besonders in Deutschland die Energiewende in aller Munde. Im Gegensatz zum großen Nachbarn ist der Ausstieg aus der Atomkraft in Österreich mangels Atommeilern natürlich kein Thema, doch auch hierzulande wird verstärkt der Umstieg auf erneuerbare und saubere Energiegewinnungsformen gefordert. Sowohl in Österreich als auch in Deutschland sind sich die Experten in zwei Fragen einig. Technisch sind ein Atomausstieg bis 2020 und eine Umstellung auf erneuerbare Energie machbar. Was dieser Umstieg wirklich kosten und welche wirtschaftlichen Auswirkungen er haben wird, ist dagegen nicht abzuschätzen.

Anteil erneuerbarer Energie stark gestiegen

Atomausstieg

Atomausstieg

Der Ruf nach Ausstieg aus der Atomkraft ist nach wie vor in aller Munde.
Doch was kostet uns die Energiewende?
Foto: Michaela Mügge / flickr

Der Anteil erneuerbarer Energie ist bereits stark angestiegen, in Deutschland allerdings stärker als in Österreich, das seit langem einen großen Teil seines Stromes aus Wasserkraft bezieht. In Österreich wurden 2009 55 Prozent des Stroms aus Wasserkraft erzeugt, 34 Prozent aus fossilen Energiequellen und je 5 Prozent aus Windkraft und Biomasse, ein Prozent wird importiert, vornehmlich aus Deutschland und Tschechien. In Deutschland dominieren hingegen klar fossile Energien (55 %), wobei der Anteil der Kohle mit 42 Prozent im Förderland Deutschland besonders hoch ist. An zweiter Stelle steht Atomstrom mit 23 Prozent, erneuerbare Energien machen nur 16 Prozent der Stromgewinnung aus. Der Anteil der erneuerbaren Energien ist in beiden Ländern in den letzten zehn Jahren allerdings stark angestiegen, insgesamt hat er sich ungefähr verzehnfacht, wobei besonders Windenergie immer stärker vertreten ist.

Massiver Netzausbau nötig

Wind- und Solarenergie sind starken Schwankungen unterworfen, weshalb deren Nutzung besonders hohen logistischen Aufwand verursachen. Spitzenzeiten sind nicht vorhersehbar, außerdem werden beide Energieformen derzeit vor allem dezentral gewonnen. Ein großzügiger Ausbau der Leitungsnetze ist bei weiterer Forcierung erforderlich, wogegen sich immer mehr lokaler Widerstand bildet. Dazu sind intelligente Netze, die auf die Schwankungen reagieren, und Speichermöglichkeiten für Stromüberschüsse nötig. Eine Möglichkeit Strom zu speichern, sind Speicherwasserkraftwerke. Insgesamt schwanken die Schätzungen zwischen 200.000 und 380.000 Kilometern neuen Netzleitungen, die nötig sind. Die Kosten dürften je nach Berechnung zwischen 13 und 27 Milliarden Euro betragen.

Viel Raum und Geld ist für neue Energiegewinnung nötig

Dazu benötigen erneuerbare Energieformen sehr viel Raum. Wollte Deutschland seine AKW durch Windkraft ersetzen, wäre eine Fläche von der Größe des Saarlandes nötig; für Speicherkraftwerke müssen ganze Täler geflutet werden. Windparks in der Nordsee und Speicherkraftwerke in den Alpen wären Lösungsmöglichkeiten, bedingen jedoch weitere Starkstromleitungen. Große Sonnenkraftwerke wären in Mitteleuropa unrentabel, anders ist dies in südlichen Staaten, wobei auch hier wieder die Transportkapazitäten massiv ausgebaut werden müssten. Die besonders weit verbreiteten Solarzellen sind dagegen wirtschaftlich besonders unrentabel. Obwohl Photovoltaik großzügig gesponsert wird, liegen die Steigerungsraten bei erneuerbarer Energie vor allem in den Bereichen Windkraft, Wasserkraft und Biomasse. Da es aber Abnahmegarantien für Solarstrom gibt, subventionieren die Endverbraucher die Eigentümer der Solarzellen.

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Der Ausbau erneuerbarer Energieformen wird Deutschland wesentlich teurer kommen – geschätzte 20 Milliarden Euro pro Jahr, doch auch auf Österreich kommen enorme Kosten zu.

Strompreissteigerungen stehen ins Haus

Je nach Sichtweise stehen Endverbrauchern und Industrie mehr oder weniger hohe Strompreissteigerungen ins Haus. Besonders im hochindustrialisierten Deutschland wird die Debatte heftig geführt. Gegner der Atomenergie führen die bisherigen Subventionen für Atomstrom ins Feld, so errechnet Greenpeace, dass Atomstrom etwa doppelt so teuer wie Strom aus Wasserkraft sei. Energiekonzerne warnen dagegen von 70 Prozent Preissteigerung, was 18 Euro mehr pro Monat und Bürger bedeuten würde. Von einer Preissteigerung gehen dabei sogar scharfe Atomkraftgegner wie Jürgen Trittin aus. Da Österreich derzeit Strom aus dem Nachbarland importiert, hätte eine dortige Strompreiserhöhung natürlich Auswirkungen. Problematisch könnte eine Strompreiserhöhung vor allem für die Industrie werden, die massiv an Wettbewerbsfähigkeit einbüßen würde. Für hoch industrialisierte, exportorientierte Staaten wie Deutschland und Österreich wäre das eine große Belastung.

Alternativen bis zum Umstieg gesucht

In der Übergangszeit bis zum Umstieg auf erneuerbare Energie sind dazu Alternativen gefragt, wobei ein völliger Verzicht sowohl auf fossile Brennstoffe als auch auf Atomkraft auch längerfristig nicht in Frage kommt. Strom könnte importiert werden; derzeit ist allerdings Frankreich, das auf Atomenergie setzt, Europas größter Stromexporteur. Eine andere Möglichkeit wäre ein verstärkter Einsatz von Kohle und Gas, doch gerade die in Deutschland reichlich verfügbare Braunkohle ist nicht besonders umweltfreundlich.

Obwohl mehr und mehr in Formen des Energiesparens investiert wird, in Österreich beispielsweise vor allem in die thermische Sanierung, gehen alle Experte weiter von Verbrauchssteigerungen aus. Auf jeden Fall wird es nicht einfach, bei steigendem Verbrauch auf alternative Energiegewinnungsformen umzusteigen und dabei gleichzeitig unseren hohen Lebensstandard sowie die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft zu bewahren. Angesichts schwindender Vorräte fossiler Brennstoffe und der Gefahren der Atomkraft stellt sich jedoch die Frage, ob es andere Alternativen gibt. Die Zukunft der Energiegewinnung wird jedenfalls auch maßgeblich unsere Zukunft bestimmen.

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