Junge Frauen contra etablierte Frauenpolitik: Wer sieht hier alt aus?

Die Ergebnisse des jüngst vorgestellten „Jugendmonitors“ bestätigen (wie übrigens auch frühere Studien), was ich in persönlichen Gesprächen mit jungen Menschen stets höre: Österreichs Jugendliche haben vernünftige und vor allem zukunftsichernde Ansichten zu den Themen Familie, Kinder, Kinderbetreuung und Beruf.

Gastkommentar von Barbara Rosenkranz

Die große Mehrheit wünscht sich jedenfalls einmal eine eigene Familie, mehrere Kinder, die sie dann zumindest bis zum dritten Lebensjahr selbst zu Hause betreuen will. Und das, obwohl die etablierten Politiker seit längerem alles versuchen, ihnen durch die realen, äußerst schlechten Rahmenbedingungen und durch Diffamierung dieses „Rollenbildes“ ihre Wünsche auszutreiben. „Konservativ“, „traditionell“ seien diese Ansichten, „alte Rollenbilder“ hätten die jungen Menschen – so titeln auch die führenden Tageszeitungen ihre Kommentare zu der Studie. Und die Politiker denken nicht daran, ihre Politik an diesen Ansichten zu orientieren: Es sei „unrichtig“, nur wegen dieser Ansichten den Ausbau der Kleinstkinderbetreuungsplätze zu stoppen, meint etwa der Wirtschaftsminister. Die Grünen orten „Handlungsbedarf“ und fordern einen „Aktionsplan“, um die „Tendenz zu Rollenklischees und Abhängigkeitsverhältnissen“ endlich auszuradieren.

Ein Erlebnis aus dem Landtagswahlkampf 2008 zeigt deutlich die Kluft zwischen den vernünftigen, zukunftsorientierten Jugendlichen und den alten, in ihrem ideologischen Denken oftmals gefangenen Politikern: Eine Schule lud Politikerinnen zu einer Diskussion zu dem Thema „Familie und Beruf“ ein. Ich stellte mich mit Vertreterinnen von ÖVP, SPÖ und Grünen dieser Debatte. In den Wortmeldungen der schwarzen, roten und grünen Politikerinnen wurde propagiert, was die Politik seit langem umzusetzen bemüht ist: Abkehr von den „traditionellen“ Rollenbildern, Ausbau von Kleinst- und Kleinkinderbetreuungsplätzen; rascher Wiedereinstieg der jungen Mütter in den Beruf, und zwar möglichst Vollzeit und möglichst vor dem dritten Lebensjahr des Kindes; Verpflichtung zur Väterkarenz als ein Steuerungsmittel, diese Ansichten durchzusetzen. Das seien die Eckpfeiler eines jungen, modernen Weltbildes, meinten die Politikerinnen. In der folgenden Diskussion meldete sich ein junges Mädchen zu Wort: Sie verstehe nicht, warum man so vehement versuche, die natürlicherweise enge Beziehung zwischen Mutter und Kind, die ja neun Monate lang eine Einheit waren, zu unterbinden, warum man danach strebe, die kleinen Kinder möglichst bald von ihren Müttern zu trennen. Damit ließ das 17-jährige Mädchen die Politikerinnen – wir alle waren Frauen um die 50 – recht alt aussehen.

Die Reaktion auf solche Erlebnisse und auf Studien wie der „Jugendmonitor“ kann nur heißen: Orientieren wir unsere Politik an den Wünschen der jungen Menschen! Sorgen wir für echte Wahlmöglichkeiten für junge Eltern, für eine gerechte Besteuerung, für Wiedereinstiegshilfen und Alterssicherung auch für Mütter, und geben wir endlich in den Medien den Familien das ihnen gebührende Ansehen!

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