Dieter Stein: JF-Leser als Multiplikatoren einer Idee

BildAnlässlich des heutigen 25-Jahre-Jubiläums der stärksten konservativen Zeitung Deutschlands hat sich Unzensuriert.at mit dem Gründer und Chefredakteur der Jungen Freiheit unterhalten. Im Interview erfuhren wir interessante Hintergründe der Zeitungsgeschichte, traurige Fakten der deutschen Parteilandschaften und über die Zukunft derEuropäischen Union und des Euro. Ausgangspunkt war, so Stein, sein politisches Engagement, das die immer mehr werdenden Leser mittragen und die Zeitung daher zu einem großen Teil finanziell unterstützen. Stein sieht seine Leser als Multilikatoren der politischen Ideen der JF und Wachstum nicht als Selbstzweck.

 

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Dieter Stein kündigt an, zukünftig immer mehr Leser zu gewinnen.
Foto: Junge Freiheit

Welche Vision hatten sie, als sie die JF gegründet haben?

Ich bin Mitte der achtziger Jahre aus der Jungen Union kommend über den Umweg der Republikaner bei einer Parteiabspaltung gelandet, die sich nach dem Vorbild der FPÖ "Freiheitliche Volkspartei" genannt hat. Und da ich eben noch jung war, wollte ich mit anderen Jugendlichen eine Jugendorganisation für diese Partei gründen, die nannten wir Freiheitliche Jugend Deutschlands. Und für die Jugendorganisation sollte es eine Zeitschrift geben. Deswegen auch der Name "Junge Freiheit".

Das parteipolitische Engagement hat sich aber ganz früh schon zerschlagen: Die erste JF-Ausgabe erschien im Juni 1986, im Herbst waren Landtagswahlen in Bayern, bei der die Republikaner, aber auch die FVP, angetreten sind. Die Republikaner haben damals unter Franz Schönhuber 3 Prozent bekommen, die FVP ist sang- und klanglos mit 0,4 Prozent baden gegangen. Von der Gruppe, die sich gerade zusammengefunden hatte in Freiburg, sind dann alle enttäuscht ausgetreten – weil es absehbar war, dass da nichts draus wird.  Ich habe mir überlegt: Wie machen wir weiter? Da hatten wir schon ein paar Ausgaben der JF rausgebracht, das Zeitung-Machen hat mir auch Spaß gemacht. Ein kleiner Kreis von Lesern hatte sich bereits zusammengefunden. Und die Grunderfahrung, die wir gesammelt hatten, war: Wenn man etwas politisch ändern will, sind die Medien ganz wichtig. Wir erkannten, dass es auf der konservativen, rechten Seite zu wenige unabhängige Medien gibt, die auch wohlwollend über solche Initiativen berichten. Das ist der Ausgangspunkt gewesen zu sagen: „Das Projekt betreiben wir weiter.“ Bevor wir uns parteipolitisch bei irgendwelchen erfolglosen Unternehmungen verschleißen, wollen wir versuchen, ein Medium durchsetzen: Eine Plattform, auf der sich Konservative austauschen können. Die Junge Freiheit.

Sie haben sich auf sehr persönliche Art bei den Lesern Ihrer Zeitung bedankt. Haben Sie eine besondere Beziehung zu den Lesern, anders als bei anderen Zeitungen?

Das Besondere an der JF ist, dass dahinter keine politische Organisation stand und kein großer Verlag oder Investor, der von vorneherein eine größere  Summe Geld reingesteckt hätte, sondern es war eine reine Basisinitiative. Wir hatten einen Versuch unternommen, Geldgeber zu bekommen, also Unternehmer, denen man nachgesagt hatte, eine entsprechende politische Einstellung zu haben. Damit sind wir aber gescheitert. Aus der Not heraus sind wir dann an die Leser herangetreten und haben sie aufgefordert, Anteile zu zeichnen an unserer Kommanditgesellschaft. Auch damit haben wir nur einen Bruchteil von dem Geld bekommen, das nötig gewesen wäre –  und waren deshalb in den ersten Jahren im Grunde genommen ständig Pleite. 1996 haben wir angefangen, um Spenden bei unseren Lesern zu werben, und das hat sich als wunderbares Projekt herausgestellt, wir nannten das dann „Freunde der JF“ –  das sind mittlerweile 5000 Leser, die uns mit großen und kleinen Spenden unterstützen. Und das hat dann dazu geführt, dass es nicht irgendwelche kühl kalkulierenden Investoren gibt, die vielleicht nach einem Jahr die Lust verlieren oder denen plötzlich der politische Kurs nicht zusagt. Das ist eben das Phänomenale, dass wir nicht die Leser als reine Konsumenten haben, sondern dass jeder Vierte davon sich in diesem Kreis der „Freunde der JF“ engagiert als Förderer der Zeitung und politischer Missionar für eine Idee.

Ziel: Jedes Jahr 1500 Leser mehr

Sie planen ja in der nächsten Zeit die Leser noch mehr einzubinden und die Gemeinde zu vergrößern. Was sind die konkreten Pläne?

Wir werden diesen Kurs weiterfahren und werben auch weiter um Beteiligung am Verlag, eben als Kommanditist oder als Spender, mit dem Ziel, die Zeitung weiter wachsen zu lassen. In 5 Jahren soll die Abonnentenzahl jährlich um 1.500 steigen. Das ist nicht als Selbstzweck gedacht, denn die politischen Ideen, die wir vertreten, brauchen einen großen Resonanzkörper. Gegen die etablierten Zeitgeist-Medien muss es gelingen, eine Zeitung durchzusetzen, die auch eine entsprechend große Zahl von Lesern erreicht, die als Multiplikatoren diese Ideen weitervertreten, damit auch irgendwann für eine politische Veränderung die Basis breit genug ist. Zum Vergleich: Die linke Tageszeitung taz hier in Berlin, die parallel zu den Grünen entstanden ist, hat 50.000 zahlende Leser, wir haben etwas weniger als die Hälfte. Aber das ist eine Zielmarke, die wir uns langfristig setzen, gleichauf mit der taz zu liegen und eine ähnliche Funktion wahrzunehmen. Was fehlt, ist eine erfolgreiche Partei, die in ganz Deutschland konservative oder freiheitliche Ideen engagiert und glaubwürdig vertritt – wie in Österreich die FPÖ.

Weitere Auszüge aus dem Unzensuriert-Interview mit dem JF-Gründer:
 
Dieter Stein: Keine Strukturen für deutsche Partei rechts der Union

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