Dieter Stein: Griechen stehen gegen Euro-Zwangssystem auf

Dieter SteinDieter Stein, Gründer und Chefredakteur der Jungen Freiheit sieht die Leser seiner Zeitung als Multiplikatoren politischer Ideen und die deutsche Parteienlandschaft nur duch die etablierten Parteien reformierbar. In der Europapolitik hofft er auf den Einfluss patriotischer Kräfte, die in vielen Staaten an Gewicht gewinnen. Es müssten einige Länder aus der Euro-Gemeinschaft austreten, die auch ihren zunehmend zu Widerstand neigenden Bürgern immer mehr Lasten aufbürde. Deutschland müsse zwar offenbar, sagt Stein im Unzensuriert-Interview anlässlich 25 Jahre JF, den Euro als Preis für die deutsche Einheit weiter stützen, eine führende Rolle werde das Land dennoch nicht spielen.

Wie wird sich die Euro-Krise auf Deutschland auswirken?

Das Verrückte ist, dass wir in Deutschland derzeit einen Wirtschafts-Boom haben und dass Deutschland mehr durch fremde Risiken bedroht ist, als durch Kredite, die wir für Griechenland übernehmen. Hier macht sich insofern auch keine Unruhe breit, außer unter Experten, die wissen, was das vielleicht langfristig wirtschaftlich bedeutet. Es ist also nicht so, dass unter der Bevölkerung derzeit mit massenhaften Protesten zu rechnen wäre.

Meinen Sie, dass Deutschland sich weiterhin zur Europäischen Union bekennen wird oder dass die nationalen Kräfte zu größerer Stärke gelangen werden?

Dieter Stein

Dieter Stein

Dieter Stein will eine verkleinerte Euro-Gemeinschaft und mehr
Kompetenzen für die Nationalstaaten innerhalb der EU.
Foto: Junge Freiheit

Es ist nicht unsere Linie, die Auflösung der Europäischen Union oder den EU-Austritt Deutschlands voranzutreiben. Aber die Kompetenzen der EU müssen stark begrenzt werden. Mehrere Länder müssen den Euro verlassen, wenn sie es nicht schaffen, ihre Haushalte zu sanieren. Und es wäre zu begrüßen, wenn möglichst viele Aufgaben wieder nationalstaatlich gelöst werden, die Brüssel momentan an sich gezogen hat.

In Europa sind gerade die patriotischen Kräfte am Aufsteigen: die FPÖ in Österreich, der Front National in Frankreich oder die Wahren Finnen. Wird das auf die europäische Gesamtpolitik Einfluss haben?

Ich kann es nur hoffen. In Holland ist ja jetzt von der Koalition angekündigt worden, dass sie nicht noch weitere Garantien für Griechenland übernehmen wollen. Sicherlich ist das eine erfreuliche Entwicklung, dass sich jetzt auch nationale Bedenken politisch artikulieren.

Baby-Walz Sicherheit

Wie beurteilen Sie das in Zusammenhang mit den Aufständen in der arabischen Welt, die sich ja jetzt auch auf Spanien und Griechenland ausgeweitet haben?

Wir haben auf jeden Fall funktionierende Demokratien in Griechenland und Spanien, im Gegensatz zu den arabischen Staaten. Es gibt also dort nicht einen Aufstand gegen das System, sondern wenn, dann einen Aufstand gegen ein unterträgliches Euro-Zwangssystem, das untragbare Lasten aufbürdet und die Wirtschaft erdrosselt. Die politischen Systeme müssen gar nicht geändert werden, die Länder müssen nur aus dem Euro austreten. Und das ist das Problem: Deutschland scheut sich, da politisch Druck auszuüben. Man sagt also, Deutschland soll keine Alleingänge machen, das sei auch der Preis für die deutsche Einheit, den wir angeblich bezahlen müssen durch die Durchsetzung des Euro-Projekts. Also es ist ja insofern auch erfreulich, wenn von anderen Ländern hier nationale Vernunft durchdringt.

Denken Sie, dass sich die Stärke Deutschlands in einem anderen Gebiet der Europapolitik niederschlagen wird? Bei einer gemeinsamen Rolle Europas in der Weltpolitik etwa, von der man wie das Beispiel Libyen zeigt ja weit entfernt ist.

Da müsste Europa eigentlich eine Linie finden, aber in dem Punkt gibt es ja einen krassen Gegensatz, weil die Franzosen für  ein militärisches Eingreifen waren und Deutschland nicht.  Und es sieht auch nicht so aus, als ob wir uns da durchsetzen würden. Da war ja Deutschland eher isoliert mit dieser Nicht-Unterstützung.

Weitere Auszüge aus dem Unzensuriert-Interview mit dem JF-Gründer:
Dieter Stein: JF-Leser als Multiplikatoren einer Idee
 Dieter Stein: Keine Strukturen für deutsche Partei rechts der Union

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