Wien als Ort der Denkmalpflege für kommunistischen Diktator

BildKurios mutet im Jahre 2011 ein Denkmal der besonderen Art in der schönen Wiener Stadt an. So findet sich in der Schönbrunner Schloßstraße 30 im 12. Wiener Gemeindebezirk eine Gedenktafel für Josef Stalin, den kommunistischen Diktator der Sowjetunion der Jahre 1922 bis 1953. Enthüllt wurde diese Marmortafel mit Bronzerelief am 21.Dezember 1949. Sie zeigt das Portrait Stalins und dazu die Textzeile: In diesem Haus wohnte im Jänner 1913 J.W. Stalin. Hier schrieb er das bedeutende Werk „Marxismus und nationale Frage“.

 

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Die Stalin-Gedenktafel in Wien-Meidling.
Foto:GuentherZ / Wikimedia (CC BY-SA 3.0)

Im Jahre 1949 war Österreich vierfach besetzt. Auch wenn der 12. Wiener Gemeindebezirk damals in der britischen Besatzungszone lag, so hatte die Sowjetische Besatzungsmacht im Osten Österreichs sehr großen Einfluss. Darüber hinaus stand die SPÖ damals vor dem Faktum, dass mit der KPÖ links von ihr eine Partei im Nationalrat und Wiener Landtag vertreten war, die etwa 1949 bei den Bezirksratswahlen in Meidling immerhin noch über 8% der Stimmen auf sich vereinen konnte. Dass man damals besondere Signale wie die Huldigung Stalins aus parteitaktischen Gründen gegenüber der extremen Linken setzen wollte, ist aus damaliger SPÖ-Perspektive nachvollziehbar. Aber seit damals ist die Geschichte weitergegangen. Es kam zum kommunistischen Putschversuch des Jahres 1950 in Österreich, man erfuhr nach und nach vom Schicksal vieler Schutzbundmitglieder, die ihre Flucht in die Sowjetunion unter Stalin Ende der 30iger Jahre mit dem Leben bezahlen mussten.

Und nach dem Tod Stalins 1953 kam das Ausmaß des stalinistischen Terrors nach und nach an die Öffentlichkeit. Eine verlässliche Gesamtzahl der Stalinopfer ist nicht bekannt, Annahmen von Historikern reichen aber von mindestens etwa 3 Millionen Toten bis hin zu weit über 20 Millionen Toten im Laufe seiner 31 jährigen Schreckensherrschaft. Seine Nachfolger, wie etwa Nikita Chruschtschow, distanzieren sich von diesen Verbrechen und von der Person Stalins. So wird 1961 der Leichnam Stalins aus dem Mausoleum am Roten Platz in Moskau entfernt und an die Kremlmauer umgebettet.

Auch Sowjets wollen Tafel weg haben – SPÖ dagegen

Die Wiener Gedenktafel für den kommunistischen Diktator ist bereits damals die einzige Stalin-Gedenkstätte westlich des Eisernen Vorhangs. So wird in Folge sogar Chruschtschow selbst gegenüber Österreich diplomatisch aktiv und ersucht um Entfernung der Stalin-Gedenktafel in Wien. Mehr als 30 Jahre später nach Ende des Eisernen Vorhangs und Zusammenbruch des Sowjetkommunismus wird in dieser Sache im Jahre 1991 noch einmal Außenminister Eduard Schewardnadse aktiv. Widerstand gegen die Entfernung kommt jedes Mal von der Wiener SPÖ. Verwiesen wird dabei auf den Art 19 des Staatsvertrages. Dass dies ein vorgeschobenes Argument ist, wird beim Studium des Artikels klar.

Österreich verpflichtet sich, die auf österreichischem Gebiet befindlichen Gräber von Soldaten, Kriegsgefangenen und zwangsweise nach Österreich gebrachten Staatsangehörigen der Alliierten Mächte und jener der anderen Vereinten Nationen, die sich mit Deutschland im Kriegszustand befanden, zu achten, zu schützen und zu erhalten; desgleichen die Gedenksteine und Embleme dieser Gräber sowie Denkmäler, die dem militärischen Ruhm der Armeen gewidmet sind, die auf österreichischem Staatsgebiet gegen Hitler-Deutschland gekämpft haben.

Nicht einmal zur Anbringung einer Zusatztafel, die die gesamte Persönlichkeit Stalins behandelt, wie etwa von der FPÖ Wien seit vielen Jahren beantragt, konnte sich die SPÖ Wien bisher durchringen. Man ist in einer Partei, deren ehemaliger Vorsitzender Alfred Gusenbauer als Juso sogar die sowjetische Erde geküsst hat, wohl doch auf dem linken Auge immer noch blind und schwelgt weiterhin in Staliniaden. Und deshalb betreibt man auch Denkmalpflege für einen kommunistischen Diktator, wo eigentlich längst Anlassfall und Publikum abhanden gekommen sind.

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