Der gläubige Sozialist Hundstorfer duldet keine Blasphemie

Wenn im Nationalrat pointierte Reden verlangt werden, kann die österreichische Sozialdemokratie einen nicht von der sonst oft menschenleeren Regierungsbank fernhalten: Sozialminister Rudolf Hundstorfer. Der 58-jährige ÖGB-Präsident, der seine Karriere als Jugendreferent in der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten begann, hüllt sich nicht wie die meisten seiner Kollegen in rhetorische Stilformulierungen, sondern bedient die Abgeordnetenschaft mit kantigen Sprüchen.

„Ich weiß schon, was Sie wollen, ich bin ja nicht auf der Nudelsuppe dahergeschwommen“, dröhnte es in einer von der FPÖ beantragten Sondersitzung des Nationalrats am 15. Oktober zum Thema „Soziale Verantwortung statt sozialistischem Versagen in der Arbeitsmarktpolitik und in der Armutsbekämpfung“. Und auch in der Sitzung am 22. Oktober griff der Soziaminister tief in seine rhetorische Repertoirekiste und bezichtigte die Kritik der Freiheitlichen an den fehlenden Lehrstellen am heimischen Arbeitsmarkt als „Blasphemie und Populismus“.

Das Wort „Blasphemie“ hat seinen etymologischen Ursprung in Griechenland und setzt sich aus den Wörtern „Ruf“ sowie „Schaden bringen“ zusammen. Ursprünglich wurde mit dem Begriff „Gotteslästerung“ oder Herabwürdigung religiöser Traditionen und Wertorientierungen innerhalb einer Gesellschaft verbunden. Dem Alten Testament kann entnommen werden, dass im Volk Israel auf Blasphemie die Todesstrafe durch Steinigung folgte. Seltsam mutet dieser historische Abriss im politischen Vergleich mit den Aussagen des Ministers an. Glaubt Hundstorfer etwa, neue Werte in der Gesellschaft gefunden zu haben, die ähnlich wie die religiöse Würde unantastbar sind – oder eben im Falle einer Infragestellung mit Sanktionen aufrecht erhalten werden?

Dass die knapp 5.000 fehlenden Lehrstellen in Österreich für viele junge Menschen ein trauriger Status Quo sind, sollte auch dem roten Redenschwinger ins Gedächtnis gehen. Mit der berechtigten Oppositionskritik an der derzeitigen Bundesregierung besteht zumindest die Hoffnung, den Dornröschenschlaf im Sozialbereich dem Ende nahezubringen.

Doch offenbar ist in gewissen Teilen der Sozialdemokratie bereits das Dogma des Sozialismus in Stein gemeißelt und dient als Religionsersatz. Ganz nach dem Motto: Es ist zu glauben, dass nur die SPÖ richtige Arbeitsmarktpolitik macht. Wer deren verheerende Auswkrungen wie den Trend zur steigenden Jugendarbeitslosigkeit kritisiert, ist ein Ungläubiger, ein Ketzer. Prediger wie Hundstorfer könnten sich allerdings am Realitätssinn des Souveräns schon bald die Zähne ausbeißen. Der Versuch ideologische Weltanschauungen in der Gesellschaft zu manifestieren, obwohl realistische Grundlagen dafür fehlen, führte bereits in der Vergangenheit zu erschreckenden Resultaten.

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