Dutzende Österreicher im Dienst des CSSR-Geheimdienstes

Helmut ZilkDie kommunistischen Regime des ehemaligen Ostblocks zeichneten sich durch Repression gegen die eigene Bevölkerung und rege Spionagetätigkeit in westlichen Ländern aus. Dicht gewoben war ein Netz aus Agenten und Informanten, die alles und jeden überwachten und die gewünschten Informationen auftragsgemäß weiterleiteten.

 

Für die ehemalige Tschechoslowakei stellte kürzlich der Historiker Lubomir Morbacher von der slowakischen Behörde für Geheimdienstunterlagen UPN Nachforschungen über österreichische Agenten in kommunistischen Diensten an und kam zu bestürzenden Erkenntnissen. Unter den Dutzenden  Österreichern, die gegen Entgelt für den kommunistischen Geheimdienst tätig waren, befanden sich nämlich nicht nur Privatpersonen, sondern auch Polizei- und Zollbeamte.

Österreicher am Tod von 40 Menschen beteiligt

Vajtundbrajt

Helmut Zilk

Dem Ostspion Helmut Zilk wurde in Wien sogar ein Platz gewidmet.
Foto: Guenther Z/Wikimedia

Für viele Flüchtlinge hatte die Spitzeltätigkeit der Österreicher fatale Folgen. Morbacher berichtet, dass die angeworbenen Österreicher halfen, Fluchtversuche von Tschechen und Slowaken zu vereiteln und Informationen zu jenen Flüchtlingen lieferten, denen die Flucht über die Grenze gelungen war. Indirekt waren sie damit auch am Tod von mehr als 40 Menschen beteiligt, die beim Fluchtversuch über die tschechisch-österreichische Grenze getötet wurden.

Prominentester Ostspion: Helmut Zilk

Von größtem Interesse waren für den Geheimdienst natürlich Informationen über politische Entscheidungsprozesse. Auch hier war man auf österreichische Spitzel angewiesen.
Prominentester dieser Informanten war der mittlerweile verstorbene ehemalige Bürgermeister Wiens, Helmut Zilk, alias „Holec“, der von Dezember 1965 bis Juni 1968 für den Geheimdienst der CSSR gegen Honorar und Geschenke Spitzeldienste verrichtete. Pikanter Weise waren belastende Akten im Innenministerium auf wundersame Art verschwunden und nicht mehr auffindbar, doch basierend auf tschechischen Akten ließ das Nachrichtenmagazin profil Zilks schändliches Verhalten auffliegen. Bundeskanzler Faymann lehnte 2009 dennoch die Einsetzung einer Historikerkommission, die alle erhobenen Vorwürfe wissenschaftlich aufarbeiten sollte, ab.

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