Deutschland soll für Studenten zahlen – Türkei für Schüler auch?

Deutschland soll für seine Studenten zahlen. Losgetreten vom Innsbrucker Uni-Rektor Töchterle ist eine absurde Diskussion entflammt, die dem ÖVP-Wissenschaftsminister Johannes Hahn erneut Gelegenheit gibt, seine untauglichen alten Rezepte zu präsentieren: Studiengebühren und Zulassungsbeschränkungen. Die SPÖ träumt hingegen davon, die Deutschen zur Kasse zu bitten und verkleidet dieses Anliegen in die Forderung nach einem EU-weiten Ausgleichsmodell.

Nur einer sieht keinen Grund für Änderungen: FPÖ-Wissenschaftssprecher Martin Graf freut sich darüber, wenn viele ausländische Studenten kommen. Sie seien eine Bereicherung, würden die "Marke Österreich" in ihren Heimatländern bekannt machen und überdies hier durch Konsum und Wohnungskosten auch Steuern zahlen. Wegen 7 oder 8 Prozent deutscher Studenten ein solches Theater zu machen, hält Graf für grotesk: In Deutschland etwa gibt es 178.000 Bildungsausländer.

Die Forderung nach Ausgleichszahlungen hält Graf für völlig abwegig: "Da müssten wir ja auch von der Türkei kassieren für die vielen Schüler mit türkischer Staatsbürgerschaft in unseren Volks- und Hauptschulen."

Tatsächlich ist die Knappheit an Studienplätzen zum Teil künstlich geschaffen. Die Engpässe ergeben sich durch ein zunehmend verschultes Universitätswesen. Wenn die Professoren den Begriff "Lehre" ernster nehmen würden, wäre auch schon geholfen. Viele widmen sich mit Vorliebe ihren Nebentätigkeiten. So mancher Professor der Universität Wien ist öfter an der Donau-Uni in Krems anzutreffen.

Die Diskussion beschäftigt seit einigen Tagen auch die bundesdeutschen Zeitungen. Besonders intensiv recherchiert hat die "Frankfurter Rundschau" für ihren Artikel. Trotz halbstündigem Telefonat mit Martin Graf fand die FPÖ-Position keinen Niederschlag im Bericht. Die Stellungnahmen von SPÖ und ÖVP waren da offenbar interessanter, denn deren Pläne gehen zu Lasten der deutschen oder gar aller Studenten.

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