Das Ernst-Kirchweger-Haus: Linksextremes Basislager im roten Wien

EKHIn der vor allem von der Wiener SPÖ gepflegten linken Erinnerungskultur stößt man immer wieder auf Eigenwilligkeiten. Neben Stalin-Gedenktafel und Che-Guevara-Büste zählt dazu auch das Ernst-Kirchweger-Haus in Wien Favoriten. Benannt nach einem Alt-Kommunisten, der in den 60iger Jahren unter tragischen Umständen den Tod fand, ist es bis heute vor allem ein linksextremes Basislager.

1945 unter dubiosen Umständen an die KPÖ

Eigentlich wurde das Gebäude in der Wielandgasse 2-4 im 10. Bezirk Ende der zwanziger bis Anfang der dreißiger Jahre als Komensky-Schule für Kinder von Slowaken und Tschechen in Wien erbaut. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges fiel das in der sowjetischen Besatzungszone gelegene Gebäude unter dubiosen Umständen ins Eigentum der sowjetischen Satellitenpartei KPÖ. Die KPÖ spielte ihre Rolle als kapitalistischer Hausbesitzer bis Ende der Achtziger sehr unauffällig und unter Ausschluss der Öffentlichkeit. 2004 musste sie die Liegenschaft schlussendlich aus Geldmangel an private Immobilienbetreiber veräußern.

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Benannt nach Alt-Kommunisten Ernst Kirchweger

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Das Ernst-Kirchweger-Haus: Brutstätte des militanten Linksextremismus.
Foto: kf / wikimedia

Am 23. Juni 1990 wurde das Haus Wielandgasse 2-4 durch verschiedene linksextreme Gruppierungen besetzt. Mit dieser Besetzung kam es auch zur Umbenennung des Gebäudes in Ernst Kirchweger Haus. Der Alt-Kommunist Ernst Kirchweger war im Jahr 1965 eigentlich ein Opfer einer Kampagne linker Gruppierungen gegen die Universitätsautonomie und wurde in einer massiven Auseinandersetzung zwischen Studenten und universitätsfremden Gruppierungen so schwer verletzt, dass er später verstarb. Das SPÖ-Zentralorgan Arbeiterzeitung kampagnisierte fortan mit der Person Ernst Kirchweger gegen Rechts und stilisierte ihn zum ersten antifaschistischen Opfer der Zweiten Republik hoch.

Linksextremes Basislager im Herzen von Favoriten

Die Hausbesetzung und Umbenennung 1990 war die Grundlage für die Etablierung eines linksextremen Basislagers in der Wielandgasse in Favoriten. Nach und nach siedelten sich Gruppierungen und Initiativen wie etwa das Tatblatt, Rosa Antifa, die anarchistische Schwarze Distel, die Föderation der Arbeiter, Arbeiterinnen und Jugendlichen aus der Türkei in Österreich, Verein für audiovisuelle Selbstbestimmung, die Deserteurberatung, Volxtheater und Volxbibliothek hier an. Einzelne dieser Initiativen stehen immer wieder unter Observation der Sicherheitsbehörden, da Verbindungen etwa zu den Urhebern des gescheiterten Anschlags von Ebergassing angenommen wurden. Trotzdem wurden und werden mehrere Projekte des Hauses bis heute von der roten Gemeinde Wien mitfinanziert. Als linke Enklave von Gnaden der Wiener SPÖ soll es offensichtlich weiterhin die Heimstatt für eine linksextreme Reservearmee darstellen, die man auf Zuruf für „spontane“ Demonstrationen und Einsätze verwenden kann. Und das lässt man sich auch subventionspolitisch etwas kosten.

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