Österreich und der Slowenien-Krieg

Bundesheer in SpielfeldDer Zerfall Jugoslawiens, der am 25. Juni 1991 durch die Unabhängigkeitserklärung von Slowenien und Kroatien entscheidend beschleunigt wurde, hatte auch Auswirkungen auf Österreich. Das Bundesheer verhinderte durch starke Präsenz im südlichen Grenzgebiet ein mögliches Übergreifen der Konflikte auf österreichisches Staatsgebiet.

Lesen Sie hier: Der Zerfall Jugoslawiens begann vor 20 Jahren

Bundesheer in Spielfeld

Bundesheer in Spielfeld

Bundesheer-Soldaten beim Überwachen des Grenzübergangs Spielfeld im Juni
1991. Die JNA versuchte, Sloweniens Grenzen unter Kontrolle zu bringen.
Foto: Bundesheer

Bereits seit 1989 wurden die Entwicklungen in Jugoslawien von den Geheimdiensten des Österreichischen Bundesheeres aufmerksam beobachtet. Im Juni 1991 führte das Bundesheer größere Übungen in Kärnten durch, Teile des Heeres wurden an die Grenze verlegt und scharfe Munition wurde ausgegeben. Am 27. Juni wurden die grenznahen Garnisonen in Kärnten und der Steiermark in Alarmbereitschaft versetzt, Panzer fuhren an der Grenze auf. Entsprechend der Einschätzung des Heeresnachrichtendienstes, dass der Konflikt in Slowenien räumlich und zeitlich begrenzt bleiben würde, verzichtete die Bundesregierung jedoch auf eine Mobilmachung, erließ allerdings eine Urlaubssperre für Soldaten und alarmierte die für eine Mobilmachung maßgeblichen Verbände. Mit einer Mobilmachung sollte außerdem die JNA nicht provoziert werden, was in der Steiermark und Kärnten teilweise für Unverständnis sorgte. Mehrere jugoslawische Soldaten wurden interniert, Luftraumverletzungen durch ein MIG-Kampfflugzeug und Kampfhubschrauber konnten jedoch nicht verhindert werden.

Ansehen des Bundesheeres stieg, neue Panzer als Dank

Obwohl es zu keinen Kampfhandlungen in Österreich kam, sorgte das Bundesheer für große Beruhigung der Bevölkerung in den grenznahen Gebieten. Das Ansehen des Bundesheeres stieg durch diesen Einsatz. Außerdem wurde erkannt, dass auch im Europa des ausgehenden 20. Jahrhunderts Kriege nicht ausgeschlossen waren. Ein neues Einsatzkonzept für das Bundesheer sowie die Aufrüstung des Heeres unter anderem mit dem Kampfpanzer Leopard waren teilweise auch eine Folge des Konfliktes.

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Österreich stand der slowenischen Unabhängigkeit von Anfang an positiv gegenüber und leistete hinter den Kulissen auch verschiedene Hilfestellungen. Drei von fünf Delegationen bei der Unabhängigkeitserklärung Sloweniens wurden von österreichischen Landeshauptleuten gestellt (Wien, Steiermark, Kärnten). Der ORF sagte den Slowenen die Nutzung seiner Infrastruktur zu, sollte die JNA die slowenischen Sendeeinrichtungen übernehmen oder zerstören. Zumindest auf informeller Ebene gab es von Anfang an gutes Einvernehmen zwischen österreichischen und slowenischen Behörden. Insgesamt schätzt der damalige slowenische Informationsminister Jelko Kacin den Beitrag Österreichs als sehr hoch ein. „Ich glaube, dass Österreich als erstes Land verstanden hat, worum es geht“, erklärte Kacin jüngst gegenüber der APA.

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