Buchtipp: Patentöchter: Im Schatten der RAF

1977 ermordete ein RAF-Kommando unter der Beteiligung der beiden Top-Terroristen Ulrike Mohnhaupt und Christian Klar den Bankier Jürgen Ponto. Ponto war auf Grund seiner wirtschaftlichen wie auch gesellschaftlichen Stellung ein Objekt des Hasses der Wohlstandsterroristen aus der BRD. Gelingen konnte der Anschag nur durch Unterstützung aus Pontos direktem Umfeld. Die dritte Person des Kommandos, Susanne Albrecht, war seine Patentochter und ermöglichte Mohnhaupt und Klar den Zugang in das Haus.

Nun haben zwei Angehörige des Dramas ihr Schweigen gebrochen und in Form eines Briefwechsels eine Annäherung an die Geschichte des jeweilig anderen gewagt: Corinna Ponto, Tochter des ermordeten Bankiers, und Julia Albrecht, die jüngste Schwester von Susanne Albrecht, sind die Autorinnen von "Patentöchter: Im Schatten der RAF – ein Dialog". In ihren Briefen  sprechen sich die beiden zwar mit "Sie" an, der Leser spürt aber die freundschaftliche Beziehung der beiden Frauen, welche – beide auf eine andere Art – ein Familienmitglied durch den Terror der RAF verloren haben.

In den Briefen der beiden Frauen werden gemeinsame Erinnerungen an das Mordopfer und an die tatbeteiligte Susanne Albrecht besprochen und reflektiert. Es werden aber auch Denkansätze diskutiert, wie es etwa möglich war, dass einzelne RAF-Mitglieder unter der Führung von Inge Viett in die DDR abtauchen konnten und dort im Guerillakampf geschult wurden. Die Mitschuld der ehemaligen DDR am Terror in der BRD wird somit erstmals von Angehörigen von Tätern und Opfern der RAF ausgiebig behandelt.

Das Buch ist somit mehr als eine Sammlung von Briefen zweier traumatisierter Frauen, es ist auch ein bewegendes Stück Zeitgeschichte.

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