Buchtipp: Vertrieben in die kalte Heimat

Mehr als 14 Millionen Deutsche mussten nach dem 2. Weltkrieg aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten unter unvorstellbaren Bedingungen fliehen, wollten sie irgendwie überleben. Diese vertriebenen, gedemütigten, beraubten und enteigneten Menschen zog es vornehmlich in die westlichen Besatzungszonen im mehrfach aufgeteilten Deutschland oder nach Österreich.

Der deutsche Historiker Andreas Kossert räumt in seinem Buch „Kalte Heimat“ mit der Mär auf, sie alle seien dort mit offenen Armen herzlich empfangen worden. Im Gegenteil: Die ebenfalls vom Leid geprüften Bürger Restdeutschlands waren gegenüber diesen „Fremden“ reserviert, weil deren Menge das soziale Gefüge auf den Kopf stellte. Vorurteile und der mit dem Lastenausgleich aufkommende Neid machten sich bemerkbar, der Neustart der Flüchtlinge war mit großen Entbehrungen und Schwierigkeiten verbunden.

Heute ist unbestritten, dass es ohne die Vertriebenen, die in der neuen, „kalten“ Heimat mit Nichts begonnen hatten, das viel zitierte „Wirtschaftswunder“ nicht gegeben hätte. Denn sie waren ein wichtiger Motor der Modernisierung in der Bundesrepublik Deutschland und in Österreich.

Im Kapitel  „Verschwiegene vier Millionen“ beleuchtet der Autor auch das Schicksal der deutschen Flüchtlinge in der späteren DDR, die in den ersten Jahren nach dem Krieg „SBZ (Sowjetische Besatzungszone)“ hieß. Ein besonders trauriges Kapitel im Zeichen einer radikalen Zwangs-Assimilation!

Die zahlreichen Schwarz-Weiß-Bilder sprechen für sich, dokumentieren eine Zeit, in der man auf den Trümmern des Krieges eine für viele noch ungewisse Zukunft aufbaute, die mittlerweile in eine Gegenwart mündete, die mit Problemen ganz anderer Art zu kämpfen hat.

Andreas Kossert: Kalte Heimat: Die Geschichte der deutschen Vertriebenen nach 1945, Pantheon Verlag, 432 Seiten, SW-Illustration, Umschlagkarten, 15,40 Euro.

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