Hymnenstreit: Eine unendliche Geschichte seit 1918

BildAktuell wird die österreichische Bevölkerung wieder einmal mit dem Thema „Hymnenstreit“ beschäftigt. Die Uraltmultifunktionärin Maria Rauch-Kallat hat ihrer eigenen Partei ÖVP und dem Österreichischen Parlament quasi als Abschiedsgeschenk die Diskussion um eine Änderung der aktuellen Bundeshymne hinterlassen. Diese hat aber keineswegs Neuigkeitswert, flackert sie schon seit 1918 immer wieder auf. Von der immer noch geliebten österreichischen Kaiserhymne bis zur aktuellen Hymne gab es Vorschläge und Auseinandersetzungen um das „erste Lied“ im Staate Österreich.

Die alte Kaiserhymne – immer noch modern

Gerade in diesen Tagen, anlässlich der Begräbnisfeierlichkeiten für Otto Habsburg, erklingen überall im Lande die Klänge der guten alten österreichischen Kaiserhymne, die von Joseph Haydn komponiert worden war. Sie war ab dem Jahre 1797 Hymne des Hauses Österreich und bis 1918 die offiziellen Hymne des Kaisertums Österreich. Auch nach 1918 war die Kaiserhymne weit verbreitet und wurde vor allem von konservativen, kaisertreuen Kreisen angestimmt Bis heute wird auch die deutsche Nationalhymne nach ihrer Melodie gesungen.

Karl Renner: Deutschösterreich, Du herrliches Land

Ottokar Kernstock

Ottokar Kernstock

Ottokar Kernstock (hier ein Denkmal für den Dichter im
steirischen Vorau) schrieb "Sei gesegnet ohne Ende".
Foto: Quitzlipochtli / WIkimedia (CC BY 3.0)

Die österreichischen Sozialdemokraten wollten der Kaiserhymne am Beginn der Ersten Republik auch musikalisch etwas entgegensetzen, und so dichtete Karl Renner die Hymne „Deutschösterreich, Du herrliches Land“. Die Absicht von Renner war es, ein republikanisches Gegenstück zur populären Kaiserhymne zu schaffen. Renner verwendete dabei ausdrücklich den Namen „Deutschösterreich“, obwohl diesen zu führen, die Alliierten des Ersten Weltkriegs im Vertrag von Saint-Germain untersagt hatten. In den Jahren 1920 bis 1929 war dies die republikanische Hymne, obwohl sie nie offiziell zur Staatshymne erklärt worden war.

Kernstock: Sei gesegnet, ohne Ende

Die geänderten politischen Umstände – seit Anfang der zwanziger Jahre regierte ein bürgerliches Bündnis aus Christlich-Sozialen und Großdeutschen in Österreich – führten zur schwindenden Popularität der „sozialistischen“ Hymne. Diese wurde im Jahre 1929 durch die sogenannte Kernstock-Hymne „Sei gesegnet, ohne Ende“ ersetzt. Kernstocks Lied war bis 1938, dem Ende der Ersten Republik, die offizielle Staatshymne. Auch die Austrofaschisten in den Jahren 1934 bis 1938 hielten trotz Sympathien für das alte Kaisertum an der republikanischen Kernstock-Hymne fest.

Preradovic: Land der Berge, Land am Strome

Im Jahr 1945 hatten Bevölkerung und Politik andere Sorgen, als sich um eine neue Hymne zu kümmern. So wurde erst 1947 mit dem Text der Dichterin Paula von Preradovic die aktuelle Hymne „Land der Berge, Land am Strome“ getextet und zur offiziellen Hymne erklärt. Eine Hymne, die Besatzungszeit, Wiederaufbau und Beitritt zur Europäischen Union überlebt hatte, soll nun – nach zahlreichen vergeblichen Anläufen – unter dem Diktat eines linken Zeitgeistes und auf Grund der anhaltenden Schwäche der ÖVP verändert werden. Und das ohne wirkliche Notwendigkeit. 

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