Normale Menschen, Kriminelle und Investmentbanker

Helmut SchmidtDer deutsche Altkanzler Helmut Schmidt hat scharfe Kritik an der Finanzbranche und an der dort vorherrschenden Internationalisierung geübt. In einem Kommentar in der von ihm herausgegebenen Wochenzeitung Die Zeit teilte Schmidt die Menschheit in drei Kategorien ein: 98 Prozent seien normale Menschen, die zweite Kategorie seien die mit einer kriminellen Ader, die vor Gericht und ins Gefängnis gehörten. Die dritte Gruppe, die Schmidt als Letzte erwähnte, seien die Investmentbanker und Fondsmanager.

Helmut Schmidt

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Helmut Schmidt kritisiert die Internationalisierung der Banken.
Foto: Ole Reißmann / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Dabei, so der 92jährige Altkanzler weiter, sei „das Wort Investmentbanker nur ein Synonym für den Typus Finanzmanager, der uns alle, fast die ganze Welt, in die Scheiße geritten hat und jetzt schon wieder dabei ist, alles wieder genauso zu machen, wie er es bis zum Jahre 2007 gemacht hat.“

Schmidt schlug auch für einen deutschen Politiker und insbesondere für einen Sozialdemokraten ungewohnt nationale Töne an, als er die globale Ausrichtung der Deutschen Bank und die Abstammung ihres Führungspersonals kritisierte: „Einerseits sitzt die Mehrheit ihrer Aktionäre im Ausland, andererseits werden mindestens achtzig Prozent ihrer Gewinne im globalen Investmentbanking gemacht. Und zwar nicht in Frankfurt, sondern in London – und an der Spitze dieses Investmentbanking steht mit Anshu Jain kein Deutscher, sondern ein Inder. An der Spitze der Deutschen Bank steht mit Josef Ackermann auch kein Deutscher, sondern ein Schweizer.“

Die internationale Ausrichtung der Deutschen Bank sei insbesondere dann von Nachteil, wenn es gelte, deutsche Betriebe vor einer Übernahme durch ausländische Investoren zu schützen: „Wenn zum Beispiel eine große, für uns wichtige Firma von einigen kapitalkräftigen Chinesen oder Ölscheichs übernommen würde, dann läge es wegen des Know-hows in dieser Firma und wegen der zukünftig zu erwartenden weiteren Forschung und Entwicklung im dringenden deutschen Interesse, dies zu verhindern und das Unternehmen in Deutschland zu halten. Aber dazu brauchte man zwei oder drei deutsche Großbanken, an die eine deutsche Bundesregierung sich im Notfall wenden kann!“

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